Bedeutung der Umweltfrage

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Bedeutung der Umweltfrage

Abgeschickt von Rene-G am 29.10.2014 22:05
Der Kampf um die Einheit von Mensch und Natur bzw. der Diskussionsbedarf dazu scheint ja tatsächlich nicht der Renner zu sein. Schade. Denn auch in Zeiten des tapferen Kampfs der Kurden gegen den IS in Kobane und im Irak und der notwendigen Solidarität mit diesem Kampf und manch anderer aktueller politischer Auseinandersetzung ist und bleibt doch die Umweltfrage eine Problematik von grundsätzlicher Bedeutung. Die aber - so scheint es immer wieder - zugunsten vermeintlich wichtigerer Sachen außer acht gelassen wird.

Re: Bedeutung der Umweltfrage

Abgeschickt von Pedro am 30.10.2014 12:14
Das Problem mit der Umweltfrage liegt auch darin,
daß man, wenn man kompetent dikutieren will,
richtig viel Ahnung von Naturwissenschaften (Physik, Chemie, Mathematik, Biologie) und Technik haben muß. Wer hat die schon? Im Verhältnis nur wenige.

Deshalb bleibt den meisten, sich in dieser Frage auf ihren Instinkt zu verlassen. Da braucht nur einer zu kommen, der mehr Ahnung hat, oder so tut als hätte er, und schon bist du in der Defensive.
Aufgrund der Komplexität der Materie ist es besonders schwer, Leute zu überzeugen, daß ausgerechnet die Kommunisten jetzt nicht nur die soziale Frage, sondern auch noch die Umweltfrage lösen können wollen.
(Wahrscheinlich fühlen sich viele so, wie sich die Leute auf den Philippinen gefühlt haben müssen, als man ihnen sagte: In zwei Tagen kommt der große Taifun. "Kann man eh' nichts machen, als zu hoffen, daß es einen nicht trifft, oder doch nicht so schlimm wird".)

Sich diese oben beschriebenen Kenntnisse anzueignen, ist für die meisten ein hartes Ringen, für das nicht jeder die Zähigkeit aufbringt (weil: furztrocken). Dazu kommt, daß das Feld 'politische Überzeugungsarbeit' von Grund auf eher ein Terrain ist, auf dem sich humanwissentschaftlich und kulturell Geneigte wohlfühlen und das bisher beackert haben, als Naturwissenschaftler und Techniker.
(meine Meinung)

Re: Bedeutung der Umweltfrage

Abgeschickt von Rene-G am 30.10.2014 14:17
Ich glaube, mit der Aussage
"Das Problem mit der Umweltfrage liegt auch darin,
daß man, wenn man kompetent dikutieren will,
richtig viel Ahnung von Naturwissenschaften (Physik, Chemie, Mathematik, Biologie) und Technik haben muß. Wer hat die schon? Im Verhältnis nur wenige."

wirft sich die Frage auf:
Soll man Umweltfrage Experten, die "richtig viel Ahnung von Naturwissenschaften (Physik, Chemie, Mathematik, Biologie) und Technik haben", überlassen?
Natürlich werden auch die Experten gebraucht, das ist selbstverständlich, aber zur Rettung der Umwelt brauchen wir doch auch und gerade die breiten Massen.
Manch einer hat in Detailfragen sein Wissen, seine Erfahrungen (das "seine" wie immer geschlechtsneutral) und wenn einer vielleicht keine umfassenden Kenntnisse in Fragen der Naturwissenschaften hat, hat er vielleicht umso mehr Kenntnisse in Fragen der Organisation von Kämpfen oder anderen Dingen. (Beispiel: manch einer, der riesige theoretische, wissenschaftliche Kenntnisse hat, hat für praktische, handwerkliche Sachen die sprichwörtlichen "zwei linken Hände")

Auch das instinktmäßige Handeln, was oftmals den Ausschlag für erste praktische Schritte gibt, ist auf keinen fall zu unterschätzen. Oftmals ist das durch den Instinkt hervorgerufene erste Handeln der Beginn der tiefergehenden Beschäftigung mit einer Sache.

Klar kann dann einer kommen, der (vielleicht) "mehr Ahnung hat, oder so tut als hätte er", die Frage ist, wie geht man damit um? Lässt man sich dadurch in die Defensive bringen? Oder nimmt man das als Anlass, sein eigenes Wissen über das Wissen des anderen zu erweitern, um dann mit ihm Seit an Seit weiter voranzugehen. Denn es ist eine ganz praktische Erfahrung: da kommt einer, der in einer Sache mehr Ahnung hat als du oder ich. Das ist normal. Ebenso normal, wie er dann erkennt, dass du oder ich von einer andern Sache mehr Ahnung hat als er. Wenn du und ich und er, gleichberechtigt miteinander umgehen und die gegenseitigen Stärken und Schwächen anerkennen und daraus die notwendigen Lehren ziehen, dann ist das doch die Grundlage dafür, dass es nicht mehr ums "du und ich und er" geht sondern ums "wir, gemeinsam"

(die Leute, die aus ihrem Mehrwissen einen Anspruch auf Überheblichkeit ableiten, gibt es zwar auch, aber die klammere ich hier mal aus.)

Diskussion der Umweltfrage, das ist NICHT NUR tiefgehende wissenschaftliche Erörterung. Diskussion der Umweltfrage ist so allumfassend wie die Umweltfrage selber.

Re: Bedeutung der Umweltfrage

Abgeschickt von Pedro am 31.10.2014 02:33
Ich stimme Dir in Deinen Ausführungen im Großen und Ganzen zu.
Aber Du hattest ja die Frage aufgeworfen, woran es liegt, daß sich z.B. auch hier in diesem Forum nur schleppend Beteiligung findet.

Re: Bedeutung der Umweltfrage

Abgeschickt von Rene-G am 31.10.2014 10:58
Ja, die Frage bleibt auch.
Ich wollte in meinen Ausführungen unter anderem auch zum Ausdruck bringen, dass auch hier im Forum die Meinungen und Ansichten von ALLEN gebraucht werden und nicht nur Beiträge von "Experten".
(ich persönlich z.B. halte mich nicht für einen "Experten" in intellektuellem Sinne, sondern eher für einen "Laien" mit dem Bedürfnis nach Veränderung und dem Willen, mir dazu notwendiges neues Wissen anzueignen, egal ob theoretisches/wissenschaftliches oder ganz konkretes/praktisches. Daher auch die relative Ausführlichkeit in meinem vorherigen Beitrag)
Herzliche Grüße

Re: Bedeutung der Umweltfrage

Abgeschickt von Frederic Gauß am 31.10.2014 17:30
Die Umweltfrage - wichtige Frage, aber der Sozialismusfrage untergeordnet!

Aussage der MLPD: „Die Frage des Sozialismus kann heute gar nicht mehr geklärt werden ohne die Umweltfrage zu klären.“

Kurze Stellungnahme:
Das Mensch-Natur-Verhältnis muss in einer nichtantagonistisch widersprüchlichen Einheit von Mensch und Natur bestehen, die durch eine entsprechende Dialektik von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen zu gewährleisten ist. Der Sozialismus muss diese Dialektik von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen aufweisen. Folglich ist die Dialektik von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen im Sozialismus zu klären, was gleichbedeutend mit der Klärung der Sozialismusfrage ist. Mit einer Klärung der für den Sozialismus notwendigen formationsspezifischen Dialektik von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen wird auch das Mensch-Natur-Verhältnis im Sozialismus geklärt. Also folgt eine Unterordnung der „Umweltfrage“ unter die Sozialismusfrage.

nicht i.A. der BGF, Frederic Gauß

Re: Bedeutung der Umweltfrage

Abgeschickt von Pedro am 31.10.2014 17:56
Tja, Rene, wenn nur alle Deine Qualitäten hätten...

(Meine ich ganz im Ernst)

Re: Bedeutung der Umweltfrage

Abgeschickt von Pedro am 02.11.2014 05:03
@ Frederic Gauß

Der Kapitän eines großen Schiffes trägt eine schöne schwarze Uniform mit vielen goldenen Streifen und hat eine stattliche weiße Schirmmütze auf. Er befehligt das Schiff und jeder hat ihm zu gehorchen.

Wenn das Schiff untergegangen ist, ist die Mütze weg, er muß schwimmen und hat nichts mehr zu befehligen.

Das ist doch ein eklatanter Verstoß gegen die nichtantagonistische widersprüchliche Einheit von physischen Wasserverdrängungsverhältnissen und der formationsspezifischen Dialektik nautischer Befehlsgewalt!

Re: Bedeutung der Umweltfrage

Abgeschickt von Uwe am 02.11.2014 18:33
An Herrn Gauß, den zweiten, was soll denn das heißen: Sozialismus ja, aber Umweltfrage untergeordnet. Oder: "Die Dialektik von Produktionskräften und Produktionsverhältnissen ist im Sozialismus zu klären" Das ist doch Augenwischerei. Sozialismus bedeutet, dass die das private Eigentum an den Produktionsmitteln aufgehoben und sie in Eigentum des sozialistischen Staats überführt werden, nicht mehr eines imperialistischen Staats oder irgendeines kapitalistischen Staats. Das betrifft genauso große Agrarbetriebe wie die Entscheidung darüber, was hier hergestellt wird, also z.B. ob so wie heute mit extrem viel Chemie, Herbiziden, Fungiziden und Gentechnologie gearbeitet wird, zu Lasten der Böden und derer, die ihn bearbeiten und der Verbraucher usw., oder ob man einfach mit denselben Produktionsmethoden so weitermacht wie im Kapitalismus. Das wird bei der fort- geschrittenen und weiter fortschreitenden Zerstörung der Natur natürlich eine schwierige Aufgabe im Sozialismus, aber dafür muss man heute schon eine breite Widerstandsfront auf bauen. Irgend welche allgemeinen Sprüche über Dialektik abzulassen, verät in meinen Augen, dass der Schreiber unter Dialektik nur gedrechselte Formeln versteht, so was nannte Lenin "Sophistik", Volkmund Klugscheißerei und eine vollständige Verkennung der Ausmaße, welche die Zerstörung der Umwelt bereits angenommen hat. Und die fundamentale Feststellung von Marx in seiner "Kritik am Gothaer Programm", dass der Reichtum nicht nur von der Arbeit, wie die Lassaleaner behaupteten, sondern auch aus der Natur stammt, wird ebenso missachtet.
Ohne dass, was man aus der Natur genommen hat, wieder zurück zu geben, kann es auch keine höhere Einheit mit den Grundlagen in der natürlichen Umwelt im Sozialismus geben. Da hel-
fen auch keine Phrasen. Sie scheinen ja noch Zeit dafür zu haben.
Die MLPD hat nirgendwo behauptet, dass die Umweltfrage jetzt wichtiger als die soziale sei, sie sagt ebenso ganz klar, dass eine Lösung der Umweltfrage letztlich nur durch den Sturz des kapitalistischen Systems möglich ist, weil die imperialistischen Monopole mit ihrer enormen Profitgier ja die Verursacher sind. Dazu muss aber der Widerstand gegen die Zerstörung der Umwelt schon heute aufgebaut und vereinheitlicht werden. Ein Mittel dazu ist, sich über das Ausmaß der drohenden Katastrophe ein klares Bild zu verschaffen. Und das andere, entsprechende Gegenmaßnahmen zu organisieren, im lokalen,nationalen und welt- weiten Rahmen. z.B. sich am Aufbau einer Umweltgewerkschaft zu beteiligen.

Re: Bedeutung der Umweltfrage

Abgeschickt von Bernd am 03.11.2014 07:49
"Das Mensch-Natur-Verhältnis muss in einer nichtantagonistisch widersprüchlichen Einheit von Mensch und Natur bestehen"

Die MLPD sieht den neuen hauptsächlichen Widerspruch zwischen der kapitalistischen Produktionsweise und den natürlichen Lebensgrundlagen der Menschheit. Der Kapitalismus ignoriert -wg seiner Ausrichtung auf den unmittelbaren Profit- die ihm innewohnenden schädlichen Folgen für die Einheit von Mensch und Natur.

Re: Bedeutung der Umweltfrage

Abgeschickt von Peter Bäuerle am 03.11.2014 11:53
Ich finde gut, dass hier diskutiert wird, welche Bedeutung die Umweltfrage heute hat.
Das Buch „Katastrophenalarm!“ stellt ja den Widerspruch heraus: Einerseits bewegt diese Frage enorm viele Menschen hier und weltweit dermaßen, dass inzwischen die ganzen Monopolkonzerne ebenso wie ihre Dienstleister, die bürgerlichen Politiker, sich ständig als Umweltschützer darstellen – obwohl sie die größten Umweltverbrecher sind und wissentlich in eine Umweltkatastrophe steuern. Andererseits gibt es bisher keine vereinheitlichte kämpferische Umweltbewegung, die das internationale Finanzkapital ins Visier nimmt und außer in den Zwischenschichten vor allem unter Arbeitern entscheidenden Einfluss hätte.
Eine Strategie-Debatte in der Frage der Einheit von Mensch und Natur ist so wichtig, weil zum einen der weitere Übergang in eine möglicherweise die Menschheit vernichtende Umweltkrise zu einem gesetzmäßigen Bestandteil der Kapitalismus geworden ist und dies damit nur durch den Sturz des Kapitalismus gelöst werden kann. Zum anderen wurde diese Frage vor allem durch sozialdemokratische Reformisten über 100 Jahre systematisch aus der Arbeiterbewegung verdrängt.

Dass die Diskussion hier noch etwas zögerlich läuft liegt wohl daran, dass die Dimension der Frage bei vielen noch nicht erfasst ist. Manche denken, es wird ja schon genügend für die Umwelt getan, weil ihnen das tagtäglich eingeredet wird. Andere meinen, "da kann man eh nichts mehr machen, weil die Kapitalisten tun eh was sie wollen."
Ich denke auch nicht, dass die meisten Menschen dazu nichts sagen könnten, weil sie vielleicht nicht „wissenschaftlich“ genug gebildet wären. Im Gegenteil! Um was es geht, und genau das tut Stefan Engel in dem Buch, ist, aus den vielen Einzelerkenntnissen, die Wissenschaftler zur Umweltfrage zusammengetragen haben, die Konsequenzen zu ziehen und sie mit der Strategie zum Kampf um den Sozialismus zu verbinden.

Es ist reicht hier eben nicht, allgemeine, abgehobene Diskussionen über den Sozialismus zu führen, sondern es geht um Fragen der Weltanschauung bis zu ganz konkreten Fragen: Reicht es, sich individuell „umweltgerecht“ zu verhalten? Wie bringen wir vor allem unter Arbeitern den sozialen Kampf und den Kampf gegen die Umweltkatastrophe zusammen? Was halten wir vom Gedanken der Umweltgewerkschaft? usw.

Re: Bedeutung der Umweltfrage

Abgeschickt von Peter Bäuerle am 03.11.2014 14:14
Ich möchte auch zum Beitrag von Frederic Gauß etwas sagen:

Ich denke hier wird versucht, mit schein-wissenschaftlichen Formulierungen die Umweltfrage herunter zu spielen um stattdessen eine abgehobene Theoriediskussion über Sozialismus zu führen.

Dass die Umweltfrage dem Sozialismus „untergeordnet“ ist, ist zunächst nichts-sagend, denn für einen Sozialisten sind alle Fragen der Welt dem Sozialismus untergeordnet. Die Frage ist, ob man unter „ungeordnet“ versteht, dass es weniger wichtig wäre oder ob man die Umweltfrage als ein wichtiges Element des Sozialismus versteht.
Ersteres macht der Beitrag von Frederic. Letzteres macht die MLPD in dem genannten Zitat.
Wenn man von der Umweltfrage als zwar wichtig aber weniger wichtig als die Sozialismusfrage spricht, wendet man sich auch gegen die Analysen von Marx und Engels. Diese haben gerade die Natur als zweite wichtige Quelle des Reichtums – neben der Arbeit – herausgearbeitet; was ja lange in der Arbeiterbewegung verdrängt worden war.

Auch die Aussage von der „..nichtantagonistisch widersprüchlichen Einheit von Mensch und Natur“ ist doch nichtssagend, denn natürlich könnten wir die Einheit von Mensch und Natur nicht erreichen, wenn der Widerspruch antagonistisch wäre. Und dass der Sozialismus diese Einheit ermöglicht, ist auch nichts neues. Es geht heute aber doch darum, dass das Problem der drohenden Umweltkatastrophe heute gar nicht mehr ohne den Sozialismus lösbar ist. Deshalb muss man sich z.B. mit Theorien auseinandersetzen, die glauben, man könne auch im Kapitalismus die Profitwirtschaft und den Umweltschutz zusammenbringen usw. Dazu wären Beiträge in diesem Forum wichtig.

Re: Bedeutung der Umweltfrage

Abgeschickt von Wolfgang am 03.11.2014 16:32
In der Arbeiterbewegung gab es langwährend eine Geringschätzung der Umweltfrage.
Im Kapitel I. 5. des Buches Katastrophenalarm werden dafür viele historische Beispiele geliefert, die objektiven und subjektiven Faktoren beleuchtet.
Es werden Beispiele für die sozialdemokratische, die kommunistische Bewegung u. s. w. gebracht.
Auch in den Anfängen der ML-Bewegung gab es eine Geringschätzung der Umweltfrage.

Dazu heißt es im Katastrophenalarm:

"Nach der revisionistischen Entartung großer Teile der alten
kommunistischen Bewegung entstanden seit den 1960er Jahren
neue marxistisch-leninistische Parteien, die sich zunächst
berechtigt auf die prinzipielle Verteidigung des Marxismus-Leninismus
gegen den Revisionismus und auf den Parteiaufbau
konzentrierten. Sie waren jedoch auch beeinflusst von der
Geringschätzung der Umweltfrage in der alten kommunistischen
und Arbeiterbewegung.
Auch in der Grundsatzerklärung des Kommunistischen
Arbeiterbunds Deutschlands (KABD), der Vorläuferorganisation
der MLPD, von 1972 ist die Umweltfrage noch nicht
behandelt. Willi Dickhut kritisierte jedoch die Verwendung
der Losung, die Arbeit sei die Quelle allen Reichtums, in Veröffentlichungen
der Partei. Und die MLPD übte auch Kritik
an der Behandlung der Umweltfrage in der kleinbürgerlichen
Umweltbewegung. Dennoch wurde die Unterschätzung der
Umweltfrage erst in der ideologischen, politischen und organisatorischen
Vorbereitung der Parteigründung gründlich kritisiert."

Ist denn bei dieser allgemeinen Ausgangslage zu erwarten, dass die politischen und ideologischen Folgen, die das alles haben muss, um dieses Forum hier einen Bogen machen?
Ich denke ... nein.
Tatsächlich kamen auch einige Anwürfe in der Richtung, dass die Themenpalette völlig unnötig eingeengt werde, dass man von anderen wichtigen Fragen ablenken wolle und anderes mehr.

Aber allein das Erstellen des Buches ist nicht der Durchbruch, sondern es muss in der Theorie und Praxis der Arbeiterbewegung verankert werden.
Noch vor wenigen Jahren war die Einschätzung, das sich die Anzeichen für einen Umschlag in eine globale Umweltkatastrophe verdichten.
Der Kampf dagegen war noch nicht zwingend und untrennbar mit der Systemfrage verbunden.
Das Buch "Katastrophenalarm" markiert auch in diesem wichtigen Punkte eine neue Qualität der Auseinandersetzung um die Umweltfrage.

Re: Bedeutung der Umweltfrage

Abgeschickt von Hannes R. am 06.11.2014 00:59
Ich bin der Meinung, alle Beteiligten an der Frage Umwelt müssen nicht automatisch Fachkräfte in Bio, Chemie usw sein.
Das Problem jetzt ist, die Umweltfrage wird von den Monopolen und dort von den Finanzfachkräften gelenkt.
Diese Finanzleute denken aber gerne in periodisch kurzen Intervallen.
Und die Naturwissenschaftler werden von denen bezahlt.

Ich bin kein tieferer Kenner der Chemie und Physik, aber ein gesunder Menschenverstand, bringt mich zu dem Entschluß, das Kraftwerke mit Braunkohle wohl schädlicher sind, als vergleichbare Regenerative Kraftwerke (abzüglich wie diese Regenerativen nun hergestellt werden)
Das gar nicht mal auf D bezogen, sondern zb auf China, die in ihrem Kohledreck-smog usw dahin leiden.
Die Finanzleute sind der Meinung, Braunkohle ist wohl billiger: Vielleicht auf einen sehr kurzen Abschnitt gesehen, ja.
Gesamtheitlich nein. Denn die Umwelt ist danach nichts mehr wert-Lebensraum/Ackerraum dahin.
Dann die ganzen spätfolgen in der Natürlichen Umwelt und den Menschen-Gesundheit.

Dies wissen doch alle, aber alle machen weiter, warum?

Nur die groben Nester kann man auch ohne tiefe Kenntnisse der Naturwissenschaften erkennen und auch begreifen.
Für den Mikrokosmos und feinen Erscheinungen wie Wasser und Luftströmungen benötigt man tiefere Kenntnisse, das ist klar.
Aber meine Meinung: wenn die grössten Drecknester bekämpft werden, "kann" es einen Sog anstoßen, auch wenn die Ergebnisse in der Zukunft liegen werden.

Ok auch die schlimmsten Ergebnisse der Umweltzerstörung liegen in D in der Zukunft.
Vielleicht ist das ja auch das Problem?

Re: Bedeutung der Umweltfrage

Abgeschickt von Uwe am 06.11.2014 14:32
@ Hannnes R.
Genaus, weil man "nur die groben Nester ohne tiefere Kenntnis der Naturwissenschaften erkennen" kann, wie du schreibst, sollte man sich dies Buch Katastrophenalarm wirklich zu Gemüte führen. Dann ist man auch in der Lage, abdere Leute zu überzeugen, dass es nötig und möglich ist, sich der drogenden Katastrophe entgegenzustellen. Man kann dann besser dem Negativismus bei vilen Leuten entgegen traten, dass "man ja doch nichts tun kann", oder der falschen Hoffnung, dass in der politik ja schon irgend was unternommen wird.
Die droende Katastrophe hat nicht allein die Seite der Erderwärmung, sie beinnhaltet Zunahme von Wüsten weltweit, Zerstörung von ganzen Landschaften durch rabiaten Bergbau, zersörung der Ernährungsgrundlagen durch genetisch veränderte Pflanzen und Tiere, Verarmung und versauerung der Böden, Versauerung der Ozeane mit Folgen von weitgehedem Artensterben, große Überfischung weiter Meeresgebiete mit z.B. Schleppnetzen, was alles zur akuten Gefährdung der Fortpflanzung vieler arten führt. Weiter Vergiftung von Meeresgebieten mit radioaktiven Abfällen seit den 70er 80ger Jahren + Ablagerung von Sprengstoffen aus 2 Weltkriegen, Absterben ganzer Meeresgebiete durch Vergiftung mit industriellen und Agrar-rückständen, so dass komplett toe Meeresgebiete entstehen, weitere Ursache Ölbohrunfälle.

Das ist alles nur ein k l e i n e r Ausschnitt. Es ist 5 vor 12 . Es braucht viele Leute, die sich mit dem Thema umfassend beschäftigen und aktiv werden. Zum Beispiel im Rahmen oder Zusammenarbeit mit der in Kürze zu gründen Umweltgewerkschft. vgl. umweltgewerkschaft.org

Das soll deine Aktkivitäten in Bezug auf Braunkohle nicht schmälern, aber die Einstellung der Braunkohlenverbrennung allein wird die natürlichen Grundlagen der menschlichen Existenz nicht retten.

mit frdl. Grüßen Uwe a

Re: Bedeutung der Umweltfrage

Abgeschickt von Hannes R. am 10.11.2014 15:28
Natürlich wird der eine Zweig nicht alles Retten. Das war nicht meine Behauptung.
Natürlich muss Gesamtheitlich gedacht werden, und nicht nur in Teilbereichen.

Ich wollte damit nur deutlich machen, das für eine Diskussion zur Umweltfrage, ich kein Naturwissenschaftler sein muss.
Man darf bei dieser Diskussion keinen aussen vor lassen, ob er nun 5 Jahre oder 85 Jahre ist.
Auch sollten keine Grenzen durch bestimmtes Fachwissen geben. Da wo der eine an seine Grenzen stösst, kann der nächste bestimmt ansetzen.

Ich glaube auch in dem Buch geht es um die "kriminellen" Produktionsmethoden, bzw das verhalten des "sinnlosen" Konsums (zb alle 14 Monate neues Telefon, welche unter furchtbaren Bedingungen hergestellt werden, ebenso die KFZ-Branche und natürlich so vieles mehr.

Der einzelne Mensch/Konsument hat doch gar nicht mehr die macht, sondern die Produzenten mit ihrer andauernden beriselung zum Konsum, oder sie schmeissen es gleich selber, nach der Produktion weg, nur um danach noch mehr zu Produzieren.

Ich bin schon der Meinung, das es genug Fachleute gibt, leider tun sie nur das, um ihre Gehälter zu rechtfertigen.

Auch wird hier des öfteren sehr geschwollen mit Anführung von etlichen Zitaten gesprochen.
Um die Massen zu erreichen, vielleicht eine normale aktuelle Sprache benutzen. (Ja ich weiss Marx und co haben die Grundtheorien geschaffen)
Aber manche isolieren, sich selbst wenn sie denken, das dessen Zitieren klug wirkt.
Es gibt keinen, der alles alleine besser weiß, sondern nur die Massen als eine Zusammenhängendes Organ.
Darum ja auch die Idee mit der Umweltgewerkschaft?

Re: Bedeutung der Umweltfrage

Abgeschickt von Frederic Gauß am 19.12.2014 00:17
An das Moderatorenteam:
Eine relativ fundierte und somit längere, aber abschließende Verteidigung meines Erkenntnisniveaus sollte eigentlich zugelassen werden, da ich mir als nebenberuflich gesellschaftswissenschaftlich tätiger Akteur nicht jede Provokation bzw. inkompetente Unterstellung bieten lassen muss.

Zunächst zur Verteidigung einer Unterordnung der Umweltfrage unter die Sozialismusfrage
Ohne Ausschluss eines „Widerstandes gegen die Zerstörung der Umwelt schon heute“ widerspreche ich der These „Die Frage des Sozialismus kann heute gar nicht mehr geklärt werden, ohne die Umweltfrage zu klären“ mit der Antithese: Nur wenn die Frage des Sozialismus geklärt ist, kann die Umweltfrage geklärt werden. Diese Antithese soll im Folgenden kurz belegt werden.

Um die Dialektik von Ganzem und Teil zu erfassen, muss jedes wissenschaftliche System, so auch das theoretische System des wissenschaftlichen Sozialismus, systemspezifisch in Teilsysteme und Elemente gegliedert werden. Aus dieser systemspezifischen Gliederung folgt dann eine Über-bzw. Unterordnung. Während das Ganze der wissenschaftliche Sozialismus ist, muss die Umweltfrage eines seiner Teile sein. Die Umweltfrage als Teil ist dem Sozialismus als Ganzem in diesem Sinne untergeordnet. Innerhalb der Dialektik von Ganzem und Teil ist das Teil stets bezogen auf das Ganze untergeordnet, weil das Ganze „mehr ist“ als die Summe seiner Teile! Den analytischen und zugleich synthetischen Begriffen der Unter-bzw. Überordnung darf aber nicht ein Inhalt der Bedeutung von unwichtig (oder „weniger wichtig“) bzw. wichtig unterstellt werden. Wichtig, unwichtig, weniger wichtig, ganz wichtig – das sind alles keine wissenschaftlichen Begriffe. Wesentlich“ und „Unwesentlich“ dagegen schon, da von „Wesen“ kommend und Wesen ist ein wissenschaftlicher Begriff. In einem Gesellschaftssystem gibt es keine unwesentlichen Teile („unwichtigen“, „weniger wichtigen“), was hier nicht belegt werden kann. Die Frage ist nun aber: Was ist das Wesentliche aller Teile, die alle wesentlich sind? Die Antwort lautet: Es ist das Ganze. Jedes Teil geht in das Ganze ein, doch nicht ohne Zusammenhang (darunter Wechselwirkung) mit allen anderen Teilen.
Sozusagen in „Arbeitersprache“:
Nicht ein Teil muss passen, sondern jedes Teil muss zu jedem anderen Teil passen.
Nicht ein Problem ist zu lösen, sondern ein Problem ist unter vielen Problemen zu lösen.
Das Umweltproblem ist nur ein Problem unter vielen Problemen die im Sozialismus zu lösen sind.
Das Ganze, der Sozialismus, muss alle Probleme lösen können. Deshalb muss man wissen wie das Ganze beschaffen sein muss. Deshalb muss man wissen wie das Ganze aussehen muss, zu dem jedes Teil passt. Man kann den Gesellschaftssystemwettstreit verlieren, obwohl man in der Umweltfrage gewonnen hat.
Sieht man nur ein zu lösendes Problem, kann man die einzelne Lösung angeben.
Sieht man dagegen alle zu lösende Probleme, muss man die allgemeine Lösung angeben, welche die einzelnen Lösungen beinhaltet. Die Sozialismusfrage, konzentriert auf die Frage „Was ist Sozialismus?“, gibt diese allgemeine Lösung an und aus dieser allgemeinen Lösung für alle zu lösenden Probleme kann man wieder die einzelne Lösung für das Umweltproblem angeben.

Daher war die Aussage, dass die Umweltfrage der Sozialismusfrage untergeordnet ist, zu verteidigen.

An die Diskutanten Pedro, Uwe und P. Bäuerle
@Pedro
Ihr Versuch eines spöttischen Vergleiches zu den von mir gemachten wissenschaftlichen Aussagen kann nur bei denjenigen auf Beifall stoßen, die den, personifiziert gesagt, Marxismus-Leninismus immer wieder versuchen zu pauken, statt wissenschaftlich zu begreifen. Ihnen selbst geht offenbar jedes Verständnis für den historischen Materialismus und die marxistische politische Ökonomie ab, denn sonst würden Sie sich wenigstens bescheidener äußern, wenn Sie schon nichts von Wechselbeziehungen zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen als Basis von ökonomischen Gesellschaftsformationen und letztlich auch des Umweltproblems verstehen. Außerdem fehlt ihnen jedes wissenschaftliche Verständnis für Analogie und Vergleich. Die Qualität und Quantität Ihrer Reaktion bestätigt erneut meine Erfahrung, dass es neben der Arroganz bei Akademikern leider ebenso oft die Arroganz beim sogenannten einfachen Arbeiter und Angestellten gibt.

@Uwe
Sie schießen auf 2 Pappkameraden, die sie selbst aufgestellt haben („Feststellung von Marx wird missachtet“, „MLPD hat nirgendwo behauptet“)…
Ich bedanke mich für das Kompliment, dass Sie mich mit dem hervorragenden deutschen Mathematiker Carl Friedrich Gauß in Verbindung gebracht haben. Doch habe ich dieses Kompliment nicht verdient, obwohl ich sicher als Dozent in den Ingenieurwissenschaften auf mathematischen Feld durchaus agieren kann und muss…Vielleicht schrieben Sie aufgrund eines deutschen Wörterbuches für sogenannte einfache Arbeiter, wo unter „Augenwischerei“ etwas anders steht, aber im deutschen Universalwörterbuch steht unter Augenwischerei: Betrug und Schwindel! Es verwundert, dass die MLPD-Moderation eine solche beleidigende Unterstellung überhaupt freischaltet. Nun ich gehe einmal davon aus, dass diese Beleidigung gegenüber eines, sagen wir einmal marxistischen Intellektuellen, übersehen wurde. Zu Ihren Gunsten könnte ich sagen, dass Sie sich überhaupt nicht überlegen was Sie schreiben. Ich könnte Ihnen natürlich auch etwas sagen, was Ihre höchstwahrscheinliche Intellektuellenfeindlichkeit so richtig aufpeppt…Auf jeden Fall sind Sie noch weit davon entfernt Kommunist zu sein und falls Sie MLPD-Mitglied sind, sollte man Sie einmal über kommunistische Streitkultur aufklären, bevor Sie kostbares „menschliches Porzellan“ zerschlagen. Mit Ihrem Begriff „gedrechselte Formen“ sind Sie mir bildungssprachlich überlegen, aber „gedrechselte Formen“ haben Null Sinn. Sie meinen offenbar „gedrechselte“ Sätze oder Phrasen…Unter Sophistik versteht man u.a. Begriffsspielerei und Aufstellen von Scheinbeweisen. Solche Anschuldigungen behaupten Sie „mal ganz locker“. Argumentationen diesbezüglich kriegen Sie nicht auf die Reihe und selbst nur ein Versuch von Begründungen kommt Ihnen nicht in den Sinn…Und beim Vorwurf der Besserwisserei (von Ihnen in „Arbeitersprache“ mit Klugscheißerei ausgedrückt) treten Ihre Bildungs-Minderwertigkeitskomplexe dann doch noch hervor.

@P. Bäuerle
Sie müssen ein marxistischer Gesellschaftswissenschaftler sein, da Sie die hohe Meinung von sich haben, pseudowissenschaftliche Aussagensysteme entlarven zu können. Sie können aber ein solcher nicht sein, weil auch Sie zur Dialektik von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen nur formell anerkennend stehen und daher den Inhalt meiner Aussagen, die zugegeben auf relativ hohem Abstraktions-und Verallgemeinerungsgrad stehen, nicht nachvollziehen können.
Sie schießen ebenfalls auf 2 Pappkameraden, die sie selbst aufgestellt haben („Umweltfrage weniger wichtig“, „Umweltfrage herunter zu spielen“)…Wenn Sie mit Abgehobenheit nicht Überheblichkeit meinen, stimme ich Ihnen sogar zu. Bei meiner Stellungnahme zur Bedeutung der Umweltfrage handelt es sich um wissenschaftlich abstrakte und verallgemeinerte Aussagen. Aber gerade deshalb ist ihr Inhalt in wenigen Sätzen aussagefähig, allerdings nur für Leser mit entsprechender Vorbildung im wissenschaftlichen Sozialismus. In diesem Sinne ist die Stellungnahme „abgehoben“, und zwar „abgehoben“ bezogen auf alle Leser, die den historischen und dialektischen Materialismus sowie die marxistische politische Ökonomie mitnichten verstanden haben!

Keine Angst, ich mische mich in „Ihre Diskussion“ nie wieder ein!
Abschließend einen guten Rat: Unterschätzen Sie die Reformfähigkeit des Kapitalismus nicht schon wieder…
Ich wünsche Ihnen einen höheren Erkenntnisstand als den, den Sie derzeit haben und verbleibe mit revolutionären Grüßen.
Frederic Gauß (nicht i.A. der BGF)

Re: Bedeutung der Umweltfrage

Abgeschickt von Wolfgang am 01.02.2015 02:15
Die bürgerlichen Massenmedien haben ihren Umgang mit der Umweltfrage teilweise verändert, sicher auch als Reaktion auf das sich entwickelnde kritische Umweltbewusstsein.

In einer Populärwissenschaftssendung des ZDF am 18.01.2015 fiel doch tatsächlich von erwachsenen Fernsehmachern an erwachsene Zuschauer gerichtet der merkwürdige Satz:
„Jede Klimaänderung wird vom Weltall aus gesteuert“.
Und diese Steuerung soll geradezu schicksalhaft sein und bringt gleich ein neues Geschichtsbild hervor, was dann auch ausgebreitet wird:

Die Geschichte der Menschheit ist demnach nicht etwa eine Geschichte von Klassenkämpfen, wie es im Kommunistischen Manifest von einem gewissen Marx und einem gewissen Engels steht, auch gar kein so komplizierter Prozeß, sondern die Reaktion auf Klimaereignisse und Katastrophen.
Der Untergang des römischen Reiches hat demnach nichts mit der Unterlegenheit der Produktivität der Sklaverei gegenüber dem Feudalismus zu tun …. nein, ein Vulkanausbruch im Jahre 536 erledigte das(!)
Ein „Klimaoptimum“ um 1250 brachte das Entstehen der Städte und das Frühbürgertum hervor, wieder ein Vulkanausbruch dann Pest,Colera, Kriege über 100 Jahre später – mit einer Krise der feudalen Gesellschaftsordnung hat das also doch garnichts zu tun …...........
Und die französische Revotion dann – man ahnt die Erklärung!
Wohlweislich wurde die Zukunft aber nicht betrachtet in dieser Sendung.
:) Es lohnt sich ja auch nicht, bleibt doch demnach nichts anderes, als abzuwarten,ob nun eine Verschiebung der Erdbahn oder ein Supervulkanausbruch oder ein Supermeteoriteneinschlag oder ein Gammablitz oder etwas anderes das Ende des staatsmonopolistischen Kapitalismus und die Schaffung einer neuen Gesellschaftsordnung bewirkt.
Sage nochmal einer, die Bedeutung der Umweltfrage wäre bei den bürgerlichen Ideologen nicht in guten Händen und würde geringgeschätzt. ;)

Dieses Thema hier ist auch so wichtig, daß es keine Bühne für den theatralischen Abgang eines Herrn Gauß ist, der nicht im Auftrag des BGF schrieb.
Es bleibt, ihm einen höheren Erkenntnisstand zu wünschen, was den politischen Umgang mit dem Menschen angeht.

Wer aber NICHT Abwarten für den richtigen Umgang mit den grundlegenden Problemen unserer Gesellschaft hält, ist mit dem Studium des Buches „Katastrophenalarm“
und der praktischen Umsetzung der Schlußfolgerungen auf einem guten Weg.

v. G. Wolfgang

Re: Bedeutung der Umweltfrage

Abgeschickt von Uwe am 07.02.2015 17:58
Hallo Wolfgang,
den Film hab' ich auch gesehen, er ist sehr geschickt gemacht. Deine Antwort geht aber auf eine Interaktion zwischen jeweils herrschenden Gesellschaftsvberhältnissen und z.B. damaligen Klimaänderungen, Kältephasen, sich ausbreitenden Seuchen, die im jeweiligen Land unbekannt waren, nicht ein. Der Klassenkampf findet doch auf Grundlage einer bestimmten
Gesellschaftsordnung, d.h. einer bestimmten Stufe der Produktion, der Interaktion mit der Natur in der Landwirtschaft usw. statt, die auch eine entsprechende Stufe der Natur-wissenschaft bedingt. Insofern muss man diesem Film recht geben, Frage des Klassen-
kampfs, ich finde es schon interessant, wenn eingebracht wird, dass Umweltkatastrophen
zu einem Auslöser von Revolutionen wurden, auch wenn es in manchen Einzelfällen willkürlich darauf bezogen wird. Für die französische bürgerliche Revolution ist es auf jeden Fall nicht zutreffend. Grundlegend stimme ich deiner Polemik zu, die Schlussfolgerung ist doch, dass ohne Führung durch die internationale Arbeiterbewegung und Entwicklung einer neuen kämpferischen Umweltbewegung als Teil des Klassenkampfes auch keine neue, höhere Stufe des Verhältnisses zwischen Menschheit und ihren Lebensgrundlagen erreichbar ist.

herzliche Grüße Uwe

Re: Bedeutung der Umweltfrage

Abgeschickt von Wolfgang am 08.02.2015 19:47
Hallo Uwe,

vielleicht kann man so formulieren:
Es sind die inneren Widersprüche der Gesellschaft, die deren Entwicklung bestimmen.
Einflussfaktoren klimatischer und sonstiger Art haben selbstverständlich ihre spezifische Wirkung in der konkreten Situation, sie wirken meist hemmend und beschleunigend, aber sie bestimmen nicht die Richtung der gesellschaftlichen Entwicklung.
*z.B. der Zerfall der Sklavenhaltergesellschaft und der Übergang zu der Feudalgesellschaft mit höherer Arbeitsproduktivität erfolgt auf Grund der inneren Widersprüche der Sklavenhaltergesellschaft; eine vulkanausbruchbedingte Klimaänderung und Hungerkatastrophe konnte diesen Vorgang natürlich beschleunigen, aber nicht bedingen*

v. G. Wolfgang

Re: Bedeutung der Umweltfrage

Abgeschickt von Heinz am 10.02.2015 11:53
Uwe schrieb bezüglich des möglichen Mitanstoßes von gesellschaftlichen Umwälzungen durch Naturkatastrophen: „Für die französische bürgerliche Revolution ist es auf jeden Fall nicht zutreffend.“ Wirklich?

Die französische Regierung, durch eine katastrophale Wirtschaftspolitik und überhöhte Staatsausgaben zugunsten des Adels geschwächt, lässt sich 1786 von England einen Freihandelsvertrag aufzwingen, der die Zölle für Waren von der Insel beträchtlich verbilligt. Im Gefolge ziehen sich die Gewitterwolken einer schweren Industriekrise zusammen. Sie führt zu niedrigen Löhnen und hoher Arbeitslosigkeit. Armut macht sich in den Städten noch mehr breit. Den Handwerkern und den Manufakturen brechen durch die schlechte Auftragslage die Gewinne weg.

Dann kommt zwei Jahre später, in einer Situation des Preisverfalls und der sich steigernden Abgaben, die Landwirtschaftskrise. Missernten, Überschwemmungen und Viehseuchen bringen die Bauern, die etwa drei Viertel der Bevölkerung ausmachen, in eine lebensbedrohliche Notlage. Sie haben keine Vorräte mehr. Hunger grassiert jetzt auch auf dem Lande. Überall steigen die Lebensmittelpreise. Vor allem der Brotpreis klettert unaufhörlich. Während die staatliche Getreidebevorratung zuvor großen Teils aufgelöst worden war, sind die Kornhäuser des Adels durch die enormen Feudalabgaben prall gefüllt.

Noch ein paar Bemerkungen zur Naturkatastrophe. Sie dürfte einerseits das Ergebnis einer etwas kühleren Erdperiode (Kleine Eiszeit) darstellen, die möglicherweise kosmisch veranlasst war. In diesem Falle durch geringere Sonneneinstrahlung.

Andererseits beruht sie aller Wahrscheinlichkeit nach ebenso auf einer irdischen Ursache, die auf Island in Erscheinung trat. Im subglazialen vulkanischen System des Grimsvötns brachen 1783 Kraterspalten auf. Der Vulkan blieb, mit kleinen Unterbrechungen, aktiv bis in den August 1785 hinein. Da er Unmengen an Dampf und Partikel ausstieß, bildeten sich Nebel, Wolken und Staubschleier. Millionen Tonnen Fluor entwichen, dazu Schwefeldioxide. Die nördliche Halbkugel verzeichnete im Mittel 1,5 Grad C Temperaturrückgang. Dies wirkte sich noch über Jahre hinweg aus.

Zusätzlich wird manchmal noch ein extremer Ausschlag der Nordatlantikoszillation durch die Vulkanismusfolgen angenommen. (Sie beschreibt das Druckverhältnis zwischen Islandtief und Azorenhoch.)

Nach all der politischen und hungerbedingten Unbill nähert sich 1779 die Stunde des Dritten Stands, der sich auch geistig gut aufgestellt sieht.

Also streichen wir im Zitat oben einfach das ‘nicht’.

Grüße

Heinz

Re: Bedeutung der Umweltfrage

Abgeschickt von uwe am 13.02.2015 18:35
@ Heinz, stimme Deinen Ausführungen im wesentlichen zu.
Es fehlt aber, wer denn als Masse für den Dritten Stand die Kastinien aus dem Feuer geholt hat. Das waren ja die Massen, bloß hatte damals das Proletariat noch nicht die Reife und auch nicht den Umfang, den es später hatte. Was ja auch später zur Reaktion schon unter Napoleon führte, den ja bekanntermaßen auch eine klimatisch mitbedingte Niederlage in Russland ereilte.

Gruß Uwe

Re: Bedeutung der Umweltfrage

Abgeschickt von Pedro am 13.02.2015 20:41
Genau, Heinz.
So kenne ich das auch.

Die Laki-Krater (isl. Lakagígar) liegen im Süden Islands in der Nähe der Ausbruchsspalte Eldgjá. Die Kraterreihe wird dem Vulkansystem der Grímsvötn zugerechnet. Dies wird unter anderem damit begründet, dass die Grímsvötn 1783 gleichzeitig mit den Lakikratern ausbrachen (von August 1783 mit Unterbrechungen bis ins Jahr 1785).

Zum Begriff Móðuharðindin

Móðuharðindin (isländisch etwa für: Not mit dem Nebel) war eine Naturkatastrophe, die sich in den Jahren 1783 und 1784 in Island ereignete. Ursache war der Ausbruch des Vulkans Lakagígar, der sogar Auswirkungen auf das weltweite Klima hatte.

Der Ausbruch der Vulkanspalte der Lakagígar (dt. Lakikrater), dem mehrere Erdbeben vorausgegangen waren, begann am 8. Juni 1783 und dauerte bis zum 7. Februar 1784. Er gilt als eine der größten in historischer Zeit dokumentierten Vulkaneruptionen. Die Eruption verwüstete einen erheblichen Teil des südlichen Island und hatte Auswirkungen in erster Linie auf Island, aber auch auf das gesamte globale Klima. Wegen des dadurch hervorgerufenen vulkanischen Winters kam es weltweit zu Missernten und Massensterben.

Durch die ausgestoßenen Aschewolken kam es zur Verdunkelung der Atmosphäre und zu einem deutlichen Temperatursturz in Island und weiten Teilen der Welt. Die Sommer der Jahre 1783 bis 1785 waren ungewöhnlich kurz. Das Land lag unter dem aerosolischen Schleier einer mit giftigen vulkanischen Gasen (insbesondere Schwefeldioxid) und fluoridhaltigen Partikeln angereicherten Dunstwolke. Daraus entstand der isländische Begriff: „Nebelnot“.

Die ungeheure Menge von 120 Millionen Tonnen ausgestoßenen Schwefeldioxids reagierte mit den Wassertröpfchen der Wolken zu Schwefliger Säure und Schwefelsäure.

Globale Auswirkungen:

In Westeuropa wirkte sich der Ausbruch ebenfalls aus. Die 120 Millionen Tonnen Schwefeldioxid, die in die Atmosphäre geschleudert worden waren, hatten in Verbindung mit Wasserpartikeln die doppelte Menge an giftigen Aerosolen produziert, die nun mit dem Jetstream nach Osten wanderten und sich kreisförmig über Nordeuropa und besonders über Frankreich und die britischen Inseln bewegten. Der schwefelhaltige Nebel wurde als Höhenrauch oder „trockener Nebel“ gedeutet und lag am 10. Juni über Bergen, am 16. Juni über Prag, am 17. Juni über Berlin, am 18. Juni über Paris, am 20. Juni über Le Havre und am 22. Juni über Großbritannien. Die Schwefelsäure belastete die Lungen und führte bei Landarbeitern zu einer höheren Sterberate (Region Chartres und Großbritannien). Schiffe, die aus Nordamerika nach Europa fuhren, kollidierten beinahe mit anderen, weil der Nebel über dem Atlantik die Sicht deutlich einschränkte. Malta wurde am 20. Juni von einem so dichten Nebel bedeckt, dass die Sonne nicht mehr zu sehen war. In England und Finnland gab es Ascheregen. Aus ganz Europa existieren zahlreiche Berichte, die ein ungewöhnlich nebliges Klima erwähnen. Ab September 1783 kam es zu schweren Regenfällen und Unwettern.

Darauf folgte ein sehr kalter Winter 1783/84. In Großbritannien starben ca. 8000 Personen mehr als in einem normalen Winter. Im Osten der Vereinigten Staaten von Amerika lagen die durchschnittlichen Wintertemperaturen um 4,8 Grad Celsius unter dem 225-jährigen Mittel. Die gesamte nördliche Hemisphäre kühlte sich im Durchschnitt um 1,5 Grad Celsius ab. Der Naturforscher Benjamin Franklin sprach 1784 davon, dass sich „ein konstanter Nebel über ganz Europa und große Teile Nordamerikas gelegt habe“. Im Frühjahr 1784 kam es zu heftigen Überschwemmungen durch Schmelzwasser.

Diese Eruptionen gehören somit zu den folgenschwersten der letzten 2000 Jahre.

Was bedeutet das im politischen Kontext?
Natürlich wird die gesellschaftliche Entwicklung nicht von Naturereignissen bestimmt. Naturereignisse können jedoch gesellschaftliche Entwicklungen beeinflussen. Sie können sie hemmen oder befördern. Im beschriebenen Fall trugen sie dazu bei, die Widersprüche in der feudalen frz. Gesellschaft zu befördern. Sie trugen dazu bei, dass es zu einer revolutionären Situatuon kommen konnte.

Ohne dieses hätte es möglicherweise die frz. Revolution nie gegeben. Oder sie hätte sich vielleicht auf andere Art und Weise vollzogen.
Sicher wäre auch ohne den Ausbruch des isländischen Vulkans Frankreich heute schon längst keine absolutistische Monarchie mehr.

Re: Bedeutung der Umweltfrage

Abgeschickt von Martin am 31.07.2016 18:44
Die sog. "Umweltfrage" ist tatsächlich wichtig und muss gestellt und diskutiert werden (ich befürchte jedoch, dafür ist es schon zu spät und wir verwalten hier lediglich einen sicheren Untergang). Die Frage ist jedoch, ob gerade eine Partei wie die MLPD die Umweltfrage derart in den Mittelpunkt rücken sollte. Anhänger dieser Partei wählen die MLPD sicher nicht, wegen ihres Engagements in Umweltfragen. Und Ökos tummeln sich doch eher bei den Grünen. A propos: Ich sehe hier ein allgemeines Problem in der linken Parteienlandschaft: MLPD, DKP, Die Linke sowie (in großen Teilen) die Grünen behandeln alle die selben Schwerpunkte. Manchmal frage ich mich, warum es nicht nur eine linke Partei gibt, lesen sich doch Parteiprogramme, Kommuniques etc. beinahe identisch (okay, die Grünen lassen wir jetzt mal raus).

Re: Bedeutung der Umweltfrage

Abgeschickt von Rene-G am 02.08.2016 08:22
"Die Frage ist jedoch, ob gerade eine Partei wie die MLPD die Umweltfrage derart in den Mittelpunkt rücken sollte."
---> Antwort auf diese Frage: Mit der Lösung der Umweltfrage steht und fällt alles. Keine Partei kann darauf verzichten, sich damit zu beschäftigen, wenn sie ernstgenommen werden will.


"Anhänger dieser Partei wählen die MLPD sicher nicht, wegen ihres Engagements in Umweltfragen."
---> möglich, aber vielleicht einige. Wie bei anderen Parteien auch.


"... wir verwalten hier lediglich einen sicheren Untergang ..."
---> sowas nennt man für gewöhnlich Resignation. Natürlich gibt es inzwischen Umweltschäden, die als irreperabel gelten und Klimaänderungen sind nicht einfach so umkehrbar. Deshalb können wir uns doch nicht einfach hinsetzen und sagen, der Untergang kommt sowieso. Denn wenn du dir diese Sichtweise zu eigen machst, dass lediglich der sichere Untergang verwaltet wird, warum sollte dann deine Partei überhaupt irgendeinen Kampf führen, wofür auch immer? Wenn es letztendlich eh alles bald aus ist?

Nee, so einfach ist das nicht. Wie gesagt, mit der Lösung der Umweltfrage steht und fällt alles.
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