Zitate von Schriftstellern und anderen Künstlern

Zurück zu Strategiedebatte im Kampf um die Einheit von Mensch und Natur

Zitate von Schriftstellern und anderen Künstlern

Abgeschickt von Rene-G am 22.07.2016 20:04
Wenn wir aufmerksam Bücher lesen, speziell meine ich jetzt Romane und Erzählungen,
dann ist es ja interessant, zu erfahren, mit welch tiefgehenden Gedanken sich manch einer der Schriftsteller zu brennenden Fragen der Menschheit äußerte. Manchmal über hundert Jahre alt, ist doch manches auch heute brandaktuell.

Ich halte es für sinnvoll, auch mal zum jeweils passenden Thema eine Zitatensammlung anzulegen, wertungsfrei, unter der Rubrik Kultur.

Natürlich kann dann nicht von jedem Autor erwartet werden, dass er einen ähnlich fortschrittlichen Gedanken wie ein MLPD-Mitglied in sich trägt; hier geht es einfach nur darum, auch Zitate zu kennen, die einem literarischen Massenpublikum zugänglich sind.


Beginnen wir mit einem Zitat von Karl May (u.a. "Winnetou") aus dem Jahr 1875:

"Die Natur kennt eben keine Bevorrechtung; was in ihre Reiche gehört, muß sich ihren Gesetzen beugen und sich ihr unterthan erkennen und erklären. Diese Gesetze sind ewig dieselben und trotz einer durch Jahrmillionen fortschreitenden Entwickelung auf ewig vollständig und lückenlos."
[Karl Mays Werke: Geographische Predigten. Aufsätze, Gedichte und Rätsel, S. 151. Digitale Bibliothek Band 77: Karl Mays Werke, S. 295 (vgl. KMW-I.1.A-29:23, S. 181)]



Ich fände es schön, wenn von anderen hier auch Zitate eingestellt würden. :)

Re: Zitate von Schriftstellern und anderen Künstlern

Abgeschickt von Martin am 31.07.2016 18:34
"Antisemit", "Frauenhasser", "Christenfeind", Friedrich Nitzsche werden ja so einige Dinge anhand (meist unvollständiger und aus dem Textzusammenhang gerissener) Zitate nachgesagt. Fakt ist: Er war mit Sicherheit einer der größten Philosophen, die der Okzident jemals hervorgebracht hat. Deshalb hier ein eher unbekanntes Zitat aus "Also sprach Zarathustra":

"Der Mensch ist ein Seil, geknüpft zwischen Tier und Übermensch,-ein Seil über einem Abgrunde."

...und noch eins

"Ich, der Staat, bin das Volk." - Lüge ist`s! Schaffende waren es, die schufen die Völker und hängten einen Glauben und eine Liebe über sie hi: also dienten sie dem Leben. Vernichter sind es, die stellen Fallen auf für viele und heißen sie Staat: Sie hängen ein Schwert und 100 Begierden über sie hin. Wo es noch Volk gibt, da versteht es den Staat nicht und haßt ihn als bösen Blick und Sünde an Sitten und Rechten.

Re: Zitate von Schriftstellern und anderen Künstlern

Abgeschickt von Wolfgang am 06.08.2016 01:26
Die Idee der Schriftstellerzitate ist gut, doch sollte man den gebrachten Zitaten gegenüber eine klare Haltung einnehmen.
In dem Roman: WIE DER STAHL GEHÄRTET WURDE von Nikolai Ostrowski heisst es:

"Das Wertvollste, was der Mensch besitzt, ist das Leben. Es wird ihm nur einmal gegeben, und er muss es so nützen, dass ihn später sinnlos vertane Jahre nicht qualvoll gereuen, die Schande einer unwürdigen, nichtigen Vergangenheit ihn nicht bedrückt und dass er sterbend sagen kann: Mein ganzes Leben, meine ganze Kraft habe ich dem Herrlichsten auf der Welt - dem Kampf für die Befreiung der Menschheit - geweiht. Und er muss sich beeilen zu leben. Denn eine dumme Krankheit oder irgendein tragischer Zufall kann dem Leben jäh ein Ende setzen."

Der Roman wurde vor über 80 Jahren in der jungen Sowjetunion geschrieben und behandelt das Leben in der ersten Jahren nach der Oktoberrevolution,die sich 2017 zum 100sten mal jährt.
Aber diesem Zitat haftet absolut nichts Historisches an.
Es gibt auch heute keinen Menschen, an dem dieser darin gesetzte hohe moralische Maßstab vorbeigeht,für den das Zitat gar irrelevant wäre.
Der Kampf für die Befreiung der Menschheit, der schliesst heute notwendigerweise den Kampf gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur ein.
Diese Frage drängt besonders zur Eile wegen der ablaufenden unumkehrbaren Veränderungen in der natürlichen Umwelt des Menschen, die durch die kapitalistische Produktionsweise ausgelöst wurden.

Re: Zitate von Schriftstellern und anderen Künstlern

Abgeschickt von Rene-G am 06.08.2016 17:46
Den gebrachten Zitaten gegenüber eine klare Haltung einzunehmen ist tatsächlich sehr wichtig. Da hat Wolfgang unbedingt recht. Ebenso, wie man bereits mit einer konkreten Haltung zu einem Buch greifen sollte. Das heißt: was erwartet man von dem jeweiligen Werk? Abgesehen von der Unterhaltung, die das Lesen mit sich bringt und die natürlich beim Lesen eines Romans im Vordergrund stehen darf. Auf die jeweilige Haltung kommt es dann an, ob man bestimmte Passagen einfach nur liest, weil sie eben irgendwie zur Handlung gehören, oder ob man bei solchen Passagen auch weiterdenkt, sich überlegt, was der Autor damit ausdrücken will. Ein Beispiel finde ich - erneut - bei Karl May, diesmal in seinem wohl bekanntesten Werk, "Winnetou I". In der Passage begleiten wir den Ich-Erzähler, den späteren Old Shatterhand, kurz vor seinem ersten Aufbruch in den Wilden Westen in die Werkstatt des Büchsenmachers Henry.

»(...) Dieses Eisen wird eine Kugel, welche sich exzentrisch bewegt; fünfundzwanzig Löcher darin enthalten ebensoviele Patronen. Bei jedem Schusse rückt die Kugel weiter, die nächste Patrone an den Lauf. Habe mich lange Jahre mit dieser Idee getragen; wollte nicht gelingen; jetzt aber scheint es zu klappen. Habe schon jetzt als Gunsmith einen guten Namen, werde dann aber berühmt, sehr berühmt werden und viel, sehr viel Geld verdienen.«
»Und ein böses Gewissen dazu!«
Er sah mir eine Weile ganz erstaunt in das Gesicht und fragte dann:
»Ein böses Gewissen? Wie so?«
»Meint Ihr, daß ein Mörder kein böses Gewissen zu haben braucht?«
»Zounds! Wollt Ihr etwa sagen, daß ich ein Mörder bin?«
»Jetzt noch nicht.«
»Oder ein Mörder werde?«
»Ja, denn die Beihilfe zum Morde ist grad so schlimm wie der Mord selbst.«
»Hole Euch der Teufel! Ich werde mich hüten, Beihilfe zu einem Morde zu leisten.«
»Zu einem einzelnen freilich nicht, aber sogar zum Massenmorde.«
»Wie so? Ich verstehe Euch nicht.«
»Wenn Ihr ein Gewehr fertigt, welches fünfundzwanzigmal schießt, und es in die Hände jedes beliebigen Strolches gebt, so wird drüben auf den Prairien, in den Urwäldern und den Schluchten des Gebirges sich bald ein grausiges Morden erheben; man wird die armen Indianer niederschießen wie Cojoten, und in einigen Jahren wird es keinen Indsman mehr geben. Wollt Ihr das auf Euer Gewissen laden?«
Er starrte mich an und antwortete nicht.
»Und,« fuhr ich fort, »wenn jedermann dieses gefährliche Gewehr für Geld bekommen kann, so werdet Ihr allerdings in kurzer Zeit tausende absetzen, aber die Mustangs und die Büffel werden ausgerottet werden und mit ihnen jede Art von Wild, dessen Fleisch die Roten zum Leben brauchen. Es werden hundert und tausend Aasjäger sich mit Eurem Stutzen bewaffnen und nach dem Westen gehen. Das Blut von Menschen und Tieren wird in Strömen fließen, und sehr bald werden die Gegenden diesseits und jenseits
der Felsenberge von jedem lebenden Wesen entvölkert sein.«


Wenn auch die ganz konkrete Story natürlich in einem konkreten historischen Zeitraum angesiedelt ist, so haftet doch, grundsätzlich betrachtet, auch diesem Zitat nichts Historisches an. Wie so vieles, was Karl May geschrieben hat, ist diese Thematik zeitlos. Die Problematik Kriegsführung mit Methoden, die nicht nur den Tatbestand Völkermord erfüllen sondern zudem den Angegriffenen die Lebensgrundlagen entziehen, ist damals wie heute brandaktuell.
Die Beinahe-Ausrottung der Bisons in Nordamerika, das war in der Zeit, in der "Winnetou" spielt, sowohl eine Methode der Kriegsführung - Zerstörung der natürlichen Ressourcen als Waffe - als auch ein umweltzerstörerischer Vorgang an sich. Denn auch die Tierwelt gehört zur natürlichen Umwelt dazu.
Dass zudem Karl Mays wichtigstes Anliegen, der Friede auf Erden, und die Problematik Umweltzerstörung inzwischen mehr unmittelbare Berührungspunkte haben, das konnte Karl May nicht ahnen. In vielen Kriegen des 20. und 21. Jahrhunderts wurde und wird inzwischen Umweltzerstörung bewusst als Waffe eingesetzt.

Immer wieder finden wir bei diesem Schriftsteller die Thematik Umweltzerstörung. Mehrfach sind es auch Ölprinzen (Ölförderer) die für den Gewinn, die Profitsteigerung das Erdöl in die natürlichen Gewässer ableiten. Dazu nimmt Karl May jeweils eine klare - ablehnende - Haltung ein.
In Bezug auf Umweltfragen bietet Karl May zwar keine Lösungsansätze, aber klare Bemühungen, seine Leser für die Problematik Umweltzerstörung zu sensibilisieren, was einer Bewusstseinsbildung gleichkommt. Bedenkt man die Zeit, in der er seine Werke schrieb (zwischen 1875 und 1912), dann war er mit diesem seinen Bemühen seiner Zeit, in der das Thema Umweltschutz noch keine wirkliche Rolle spielte, weit voraus.

Re: Zitate von Schriftstellern und anderen Künstlern

Abgeschickt von rene am 12.11.2016 19:14
Die Aktionen im Rahmen des Umweltkampftags (siehe LINK) sind ausdrücklich zu begrüßen

https://www.rf-news.de/2016/kw45/kampftag-zur-rettung-der-natuerlichen-umwelt-das-ganze-spektrum-der-kaempferischen-umweltbewegung-war-auf-der-strasse



Hier seien die letzten zwei Zeilen eines Gedichts wiedergegeben, die vor über 110 Jahren geschrieben wurden und das Prädikat "zeitlos" unbedingt verdienen.


"(...)
Hör auf, hör auf, die Wälder zu zerstören,
Sonst wirst mit ihnen du auch untergehn!"

(Karl May, "Des Waldes Seele")

Re: Zitate von Schriftstellern und anderen Künstlern

Abgeschickt von Jens Christian Heuer am 30.08.2017 08:49
Damals richtig und auch heute noch! Der französische Aufklärungsphilosoph Montesquieu in zwei Zitaten über die Gewaltenteilung (1748):

"Sobald in ein und derselben Person oder derselben Beamtenschaft die legislative Befugnis mit der exekutiven verbunden ist, gibt es keine Freiheit. Freiheit gibt es auch nicht, wenn die richterliche Befugnis nicht von der legislativen und von der exekutiven Befugnis geschieden wird. Die Macht über Leben und Freiheit der Bürger würde unumschränkt sein, wenn jene mit der legislativen Befugnis gekoppelt wäre; denn der Richter wäre Gesetzgeber. Der Richter hätte die Zwangsgewalt eines Unterdrückers, wenn jene mit der exekutiven Gewalt gekoppelt wäre. Alles wäre verloren, wenn ein und derselbe Mann beziehungsweise die gleiche Körperschaft entweder der Mächtigsten oder der Adligen oder des Volkes folgende drei Machtvollkommenheiten ausübte: Gesetze erlassen, öffentliche Beschlüsse in die Tat umsetzen, Verbrechen und private Streitfälle aburteilen. Demokratie und Aristokratie sind nicht von Natur aus freie Staatsformen. Freiheit ist nur unter maßvollen Regierungen anzutreffen. Eine Erfahrung lehrt, dass jeder Mensch, der Macht hat, dazu neigt, sie zu missbrauchen. Deshalb ist es nötig, dass die Macht der Macht Grenzen setzt.

Es gibt in jedem Staat dreierlei Vollmacht: die gesetzgebende Gewalt, die vollziehende und die richterliche. Es gibt keine Freiheit, wenn diese nicht voneinander getrennt sind."


"Die politische Freiheit ist nur unter maßvollen Regierungen anzutreffen. Indes besteht sie selbst in maßvollen Staaten nicht immer, sondern nur dann, wenn man die Macht nicht missbraucht. Eine ewige Erfahrung lehrt jedoch, dass jeder Mensch, der Macht hat, dazu getrieben wird, sie zu missbrauchen. Er geht immer weiter, bis er an Grenzen stößt. Wer hätte das gedacht: Sogar die Tugend hat Grenzen nötig."

Grüße
Jens Christian http://twitter.com/inspirationmarx
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