Hitler-Stalin-Pakt

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Hitler-Stalin-Pakt

Abgeschickt von Alexander am 04.11.2011 21:23
Würde mich mal interessieren wie die MLPD den Hitler-Stalin-Pakt beurteilt, sowie die spätere verschiebung Polens nach Westen.

Re: Hitler-Stalin-Pakt

Abgeschickt von Werner am 12.12.2011 19:07
Kann ich momentan nichts zu sagen, aber es war wohl von den Nazis her betrachtet, eher ein tempoäres Zweckbündnis mit dem Hintergedanken, Stalin doch noch in den Rücken zu fallen. Hitler war nie vertrauenswürdig. Warum hat Hitler mit den Japanern so gut kooperiert ? Weil die Japaner im II. Weltkrieg genauso solche schlimmen Faschisten waren wie die Nazis, noch schlimmer sogar, die haben ja nicht aufgehört für ihren Kaiser bis zum letzten Mann zu sterben. Erst Roosevelt´s Atombombem auf Hiroshime und Nagasaki haben diese Wahnsinnigen stoppen können mit allerdings ebenso wahnsinnigen Verlusten unter der Zivilbevölkerung.

Re: Hitler-Stalin-Pakt

Abgeschickt von Alexander am 27.01.2012 19:44
Meinetwegen aber die Nazi-Position interessiert mich nicht wirklich.
Mir geht es ehr darum wie es um die Kritik an Stalin von seiten der MLPD aussieht.

Im Programm finde ich nur eine sehr sehr verhaltenden Kritik. Es wird lediglich die (Ver)bürokratisierung unter stalin so wie der passus "Aufgrund falscher Anschuldigungen wurden auch unschuldige Menschen hingerichtet oder zu Freiheitsstrafen verurteilt."

Nach einer wirklich kritischen Auseinandersetzung klingt das nicht. Ich seh hier meistens nur die positiven Bezüge auf Mao und Stalin zumindest in einem viel größeren verhältnis zu den negativen.

Meiner Meinung nach kann man die Kritik an Stalin grob in 3 Punkte fassen,die ich hier nur mal EINEN -anreißen- möchte, da eine diskussion über alle 3 zu umfangreich wäre:

1. Bürokratisierung und des sowjetischen Staatsapparts und aushölung demokratischer Partizipationsmöglichkeiten
2. MASSENHAFTE (wenn auch nicht in der Dimensionen welche Polemiken wie "das Schwarzbuch des Kommunismus" angeben) Inhaftierungen,Folterungen und Erschießungen (meine Anmerkung: ERMORDUNGEN) von politischen Gegnern und sozialen und ethnischen Minderheiten
3. Indirekte Stärkung der faschistischen Bewegung in Europa

Wie komme ich auf diese Unterstellung?
Ich sehe in Stalins "Außenpolitik" nicht nur eine unterschätzung des Faschismus sondern gar eine ungewollte Förderung/Stärkung diesens.
Da wäre auf der ideologischen Ebene die durchsetzung der Sozialfaschismusthese (und auch der "Brünningfaschismusthese"). Dies führte praktisch dazu das die KPD selbst als es mit der Weimarer Republik schon zu ende ging den Hauptfeind in der Sozialdemokratie sah und diese bekämpfte.
So unterstützte sie beispielsweise den von Stalhelm-Gruppen initierten Volksentscheid zur Auflösung des preußischen Landtags. Das führte dazu das die Sozialdemokratische Regierung beseitigt wurde und im weiteren verlauf die Macht im Deutschen Reich zentralisiert wurde. (Was auf der Agenda der NSDAP ganz oben stand)
Natürlich kann hier der einwand kommen das auch die SPD nicht daran interessiert war die Spaltung der Arbeiterbewegung zu verhindern. In einer solchen Bedrohung ist dies aber für mich kein Grund auch mal auf seine prinzipien zu verzichten und den antifaschistischen Kampf als erstes und gemeinsames Ziel zu deklarieren.
Ähnliches Problem trat auch im spanischen Bürgerkrieg auf.
Die von Anarchisten und Trotzkisten erkämpften Errungenschaften in Katalonien und Andalucien wurden von Kominterntreuen Kommunisten geradezu auf den Müll geworfen. Es gab Erschießungen von Anarchisten und hier führte die uneeinigkeit zum Sieg der Faschisten. (Hier hatte ich sogar das gefühl der Komintern war ein Franco-Spanien sogar lieber als ein anarchistisches denn zweiteres hätte die notwendigkeit einer kommunistischen Kaderpartei widerlegen können)
Zu guter letzt dann der schon erwähnte Hitler-Stalin-Pakt, dem schon eine deutsche Aufrüstung IN Russland vorangegangen war. (laut Versailler Vertrag durfte das Deutsche Reich ja keine "schweren Waffen" mehr besitzen)
Mit diesem Pakt und der zusätzichen geheimen Plans Polen untereinander aufzuteilen hatte Stalin dem Faschismus auch rein Staatsrechtlich Tür und Tor geöffnet.


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Daher mein unverständnis wie hier dieser Stalin so blauäugig betrachtet wird, während Trotzki hier ein wahres schreckgespenst zu sein scheint.

Re: Hitler-Stalin-Pakt

Abgeschickt von Jörg Weidemann am 09.03.2012 16:08

Lieber Alexander,

zu den von dir ausgeführten Fragen gibt es eine Reihe von Auseinandersetzungen in der Literatur der MLPD. Wenn du dich ernsthaft befassen willst, musst du auch etwas unter der Oberfläche der sattsam bekannten Behauptungen des Antikommunismus graben. Zur Methode der Befassung mit der damaligen Zeit schreibt die MLPD:

"Die Marxisten-Leninisten bestreiten nicht, dass es in den sozialistischen Ländern zu Fehlern, Fehlentwicklungen oder auch Verbrechen gegen die Menschlichkeit gekommen ist. Sie haben selbst das größte Interesse an der lückenlosen Aufklärung, um daraus für die Zukunft zu lernen. Sie sind aber in der Lage, zwischen antikommunistischer Hetze, unwissenschaftlicher Geschichtsklitterung und Manipulation der öffentlichen Meinung auf der einen und einer kritisch-selbstkritischen Aufarbeitung der Erfahrungen der ersten sozialistischen Länder in ihrem historischen Zusammenhang vom Standpunkt des Kampfs für die Befreiung von Ausbeutung und Unterdrückung zu unterscheiden. Dabei werden sie das Wesentliche, das Fortschrittliche, das Unauslöschbare bewahren." (S. 81)

Ich kann das jetzt auch nicht alles für dich im einzelnen raus suchen, vor allem weil ich nicht weiß, ob du dich wirklich unvoreingenommen damit befassen wirst. Aber zur "Sozialfaschismus-Theorie" habe ich es mal gemacht:

"In engem Zusammenhang mit der sektiererischen »RGO-Politik« stand die Sozialfaschismustheorie. Sie ging ebenfalls von der Komintern aus, die aus unbestreitbaren Erfahrungen mit der SPD-Führung falsche Schlüsse zog. Der aggressive Antikommunismus war eine wesentliche ideologische Wurzel des Faschismus. Die Übernahme des aggressiven Antikommunismus in Theorie und Praxis durch die rechten Führer der SPD kam in ihrem wütenden Kampf gegen die KPD, in ihrer Hasspropaganda gegen die Sowjetunion und in der aktiven Unterstützung konterrevolutionärer Emigranten zum Ausdruck. Gleichzeitig praktizierten SPD-Politiker in der Weltwirtschaftskrise eine extrem arbeiterfeindliche Politik, was z.B. in der Ermordung von 31 Arbeitern auf einer Demonstration am 1.Mai 1929 in Berlin deutlich wurde. Die SPD war von ihrer Zusammensetzung und Massenbasis her eine Arbeiterpartei, hatte allerdings durch die Revision des Marxismus einen bürgerlichen Charakter angenommen. Willi Dickhut wies auf die schädlichen Folgen der Sozialfaschismustheorie hin:

»Die Diffamierung aller Sozialdemokraten als Sozialfaschisten zerstörte bestehende Kontakte zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten und verhinderte die Schaffung einer proletarischen Einheitsfront, die als starkes Rückgrat einer breiten antifaschistischen Aktionseinheit die Machtübernahme Hitlers hätte verhindern können.« (ebenda, S.120)

1931 verschärfte die Komintern noch den Hauptstoß gegen die Sozialdemokratie, die nun als »gemäßigter Flügel des Faschismus« eingeschätzt wurde. Die KPD, deren Mitglieder einen aufopferungsvollen Kampf führten, verschliss ihre Kräfte in einem »Zweifrontenkrieg«.

Als die faschistische NSDAP 1931 einen Volksentscheid gegen die sozialdemokratische Preußen-Regierung und zur Auflösung des Landtags anstrengte, war die KPD-Führung zunächst gegen eine Beteiligung der KPD. Der Parteivorsitzende, Ernst Thälmann, erklärte in seiner Rede »Volksrevolution über Deutschland«:

»Wir können selbstverständlich nicht mit den Faschisten gegen die Preußenregierung ein gemeinsames Volksbegehren durchführen. … Wir lassen uns weder in eine Hilfsstellung für die Braun-Severing noch für die Hugenberg-Hitler drängen. Und wir können drittens am allerwenigsten eine Politik der Passivität betreiben. Das alles sind Selbstverständlichkeiten. Notwendig ist deshalb, daß wir eine klare offensive Frontstellung gegen den Faschismus und gegen die Koalitionspolitik beziehen. Eine Kampfes-Frontstellung gegen die faschistische Reaktion und ihr Volksbegehren einerseits und gegen die Preußenregierung der Braun und Severing andererseits. Auf dieser Linie müssen wir die Initiative in unsere Hand nehmen und uns an die Spitze einer wuchtigen Volksbewegung stellen.« (»Für ein freies sozialistisches Deutschland«, Bd.III, S.88)

Das Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale (EKKI) erhob Einspruch und verlangte eine Änderung der Politik, woraufhin das ZK der KPD seine richtige Entscheidung revidierte und die Beteiligung der Partei am Volksentscheid organisierte. Auch wenn es nur mit Hilfe einer Intrige der Ultralinken um Heinz Neumann in der KPD-Führung gelang, dass sich Ernst Thälmann letztlich unterordnete, bleibt es doch eine Tatsache, dass der verhängnisvolle sektiererische Taktikwechsel vom politischen Sekretariat des EKKI ausging.

Die rechten Sozialdemokraten nahmen diesen taktischen Fehler der KPD demagogisch zum Vorwand, ein Zusammengehen der Kommunisten mit den Faschisten zu behaupten, um ihre Mitglieder und Wähler gegen die KPD aufzubringen und die antifaschistische Einheitsfront zu torpedieren, die die KPD vorgeschlagen hatte. Die sozialdemokratische Geschichtsschreibung verschweigt bis heute, dass die KPD vor der Abstimmung über den Volksentscheid im preußischen Landtag versuchte, die sozialdemokratischen Führer in der preußischen Regierung zu demokratischen und sozialen Zugeständnissen für die Arbeiter zu bewegen, was diese aber ablehnten.

Es kann keinen Zweifel geben, dass die rechten SPD-Führer die Hauptverantwortung für die Sabotage der antifaschistischen Einheitsfront trugen, weil sie die Spaltung der Arbeiterklasse in kommunistische und sozialdemokratische Arbeiter aktiv und bewusst betrieben. Der sektiererische Fehler der KPD machte es ihnen jedoch leicht.

Die KPD verlor mit der Beteiligung an dem Volksbegehren der NSDAP in Preußen massiv an Glaubwürdigkeit bei den parteilosen Massen. Ihre eigene Mitgliedschaft wurde verwirrt und der Graben zu den sozialdemokratischen Arbeitern wurde tiefer.

Erst der VII.Weltkongress der Kommunistischen Internationale korrigierte 1935 den sektiererischen Kurs des EKKI und beschloss eine neue taktische Orientierung auf die Herstellung der Einheitsfront gegen den Faschismus.

Es muss jedoch betont werden: Eine Zusammenarbeit der revolutionären KPD mit den Faschisten, wie sie von der antikommunistischen Propaganda behauptet wird, gab es zu keiner Zeit. Vielmehr bildete die KPD in der Weimarer Republik ebenso wie in der Zeit des Hitler-Faschismus zu jeder Zeit den Kern des aktiven Widerstands gegen Faschismus und Krieg. Sie brachte in diesen Kämpfen auch die meisten Opfer.“

 Deine These von der indirekten Unterstützung der Faschisten durch die Kommunisten ist gelinde gesagt absurd. Du stellst damit die Wirklichkeit auf den Kopf:

 "Als die imperialistischen Mächte Deutschland, Italien, Japan den zweiten großen imperialistischen Krieg bereits begonnen hatten, bemühte sich die Sowjetunion 1939, mit Großbritannien und Frankreich ein strategisches Verteidigungsbündnis gegen das aggressive faschistische Deutschland zu schließen; doch die imperialistischen Staaten arbeiteten weiter auf einen Krieg Deutschlands gegen die Sowjetunion hin. Erst nach dem Scheitern dieser Verhandlungen ging die Sowjetunion auf das deutsche Angebot eines Nichtangriffspakts mit Deutschland ein. Auch wenn Antikommunisten immer noch behaupten, mit dem deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt hätten »die Diktatoren Hitler und Stalin« den II. Weltkrieg vorbereitet, bleibt die entscheidende geschichtliche Wahrheit: Der Vertrag sicherte der Sowjetunion und ihrer Bevölkerung fast zwei Jahre Frieden, bevor Hitler-Deutschland ihn brach und im Juni 1941 die Sowjetunion überfiel." (S. 107)

 Auch bei der spanischen Republik war es doch so, dass die Internationalen Brigaden auf einen Aufruf der Komintern hin entstanden. Sie fielen doch nicht vom Himmel? Es waren leider oft die Anarchisten, die den gemeinsamen Kampf unterliefen, weil sie ihr eigens Ding machen wollten (hier und jetzt anarchistische Verhältnisse einführen), statt erst einmal den gemeinsamen Kampf gegen den Faschismus zu Ende zu führen.

Wir wissen aber auch, dass ein sowjetischer Militär- bzw. NKWD-Beauftragter Alexander M. Orlow in Spanien eine Reihe von Verbrechen gegen politische Gegner, gegen Kommunisten, Trotzkisten und Anarchisten bis hin zu Erschießungen, Mord und Mordkomplott verübte . Als die sowjetische Führung um Stalin ihn deshalb zur Rechenschaft in die SU zurück beorderte, setzte er sich aus Angst vor der verdienten Strafe in die USA ab (nicht ohne den Diebstahl von NKWD-Geldern) und wurde dort ein Kronzeuge des Antikommunismus. Bis heute ist sein Buch "Kreml-Geheimnisse" eine der angeblich unwiderlegbaren Beweise für Stalins Verbrechen. Tatsächlich schiebt er darin seine eigenen Verbrechen der Sowjetunion in die Schuhe.

 Ich meine auch, dass wir die Fehler der Genossen damals unterscheiden müssen von Verbrechen. Und dass wir die Zeit berücksichtigen müssen. Die Genossen hatten die Verantwortung für Millionen Menschen. Es waren Fragen auf Leben und Tod: Nichtangriffspakt mit dem Todfeind, um sich wertvolle Jahre zu erkaufen oder nicht. Was wäre denn passiert, wenn der Plan Englands und Frankreichs aufgegangen wäre und Hitler schon 1939 die Sowjetunion angegriffen hätte?

 Lös dich doch mal vom Mainstream-Antikommunismus, der heute im Gewand des "Anti-Stalinismus" daher kommt. Wie viele jüdische , fortschrittliche und revolutionäre Menschen haben denn überlebt, weil es die Rote Armee war, die einen Teil des damaligen Polens besetzte und nicht die Faschisten. Gebiete, die übrigens der Sowjetunion nach dem I. Weltkrieg durch das extrem reaktionäre Polen "gestohlen" wurden. In dem durchaus fortschrittlichen Hollywood Film "Defiant" über den jüdischen Partisanenkampf werden diese Gebiete deshalb auch immer als weissrussisch bezeichnet und nicht als polnisch.

 Soweit mal. Bitte komm jetzt aber nicht wieder mit irgendwelchen antikommunistischen Quellen. Diese Auseinandersetzung können wir uns einfach sparen. Das oben gesagte z.B. zur "Sozialfaschismus" Theorie sollte vor allem deutlich machen, dass die MLPD kein Problem hat, Fehler und auch Verbrechen einzuräumen und wen notwendig auch aufzuarbeiten. Aber nicht aufgrund der 500. Wiederholung der seit Jahrzehnten behaupteten antikommunistischen Gräuelmärchen. Die Zitate im Text sind übrigens aus dem Buch "Morgenröte der internationalen sozialistischen Revolution"

 

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