Patriotismus= Faschismus?

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Patriotismus= Faschismus?

Abgeschickt von Carsten Schröder am 19.06.2012 21:17
Hallo !

ich hätte gerne mal die Meinung von Mitgliedern und Sympathisanten der MLPD zum einem aktuellen Thema gewußt :
Deutscher Patriotismus bzw. das zeigen der Nationalflaggen zur Fußball-EM 2012.
Und zu der (meiner Meinung nach unseligen Aktion der ANTIFA und Grünen Jugend mit dem Aufkleber : PATRIOTISMUS NEIN DANKE !).

Noch etwas zu mir selbst, ich bin selbst kein Parteimitglied und komme eigentlich aus dem konservativ-bürgerlichen Lager, habe aber zur MLPD einige Kontakte und besuchte auch mehrere Veranstalltungen. Dazu lese ich auch noch (aus Interesse an Politik und verschiedenen Ansichten) regelmäßig die ROTE FAHNE !

Vor einem Jahr hatte ich in diesem Forum auch schonmal ein Gespräch eröffnet(damals gehörte ich noch der CDU an, die ich aber wegen der Merkelpolitik und Selbsterkenntnisse durch u.a. das Lesen der GÖTTERDÄMMERUNG/MORGENRÖTE verließ).
Das Thema lautete : Christdemokrat möchte die MLPD kennenlernen.
Nur hat bis heute niemand drauf geantwortet... schade.

Auch vertrete ich die Ansicht, das nicht jeder der sich als RECHTS bezeichnet oder auch "geschmäht" wird, gleich ein Fascho/Nazi sein soll. Da macht es sich die gesamte pol. Linke und die ANTIFA entschieden zu einfach! Z.B war ja F.J. Strauß ein Antikommunist per excellence, aber er oder auch Adenauer hätten nie die Rückkkehr zum Hakenkreuz gewollt.
Eigentlich hat mir die Dikussionskultur der Partei mir immer sehr gefallen und ich wurde trotz meines(manche würden sagen reaktionären) Hintergrundes immer freundlich behandelt und es gab zahlreiche, interesssante Gespräche.
Worum es mir geht, ich sehe keinen Widerspruch, zu der Liebe zu meinem Land(nicht des Systems, das war früher anders) und der Notwendigkeit mit allen anderen Ländern gemeinsam gegen das allmachtige Finanzkapital und seine Monopole vorzugehen.
Deshalb finde ich die ICOR eine wichtige Sache und daher auch unterstützenswert.

Aber ich schweife ab....... teilt mir doch bitte einfach eure Meinungen mit.
Nur auf Kritik, die unter die Gürtellinie geht, reagiere ich allergisch, aber das dürfte auf einem MLPD-Forum wohl eher nicht passieren.

Re: Patriotismus= Faschismus?

Abgeschickt von Bernd am 20.06.2012 11:30
Aus meiner Sicht ist gegen Patriotismus und das Zeigen der Nationalflagge bei der Fußball-EM nichts einzuwenden, solange das Ganze nicht in chauvinistische bzw. rassistische Bahnen abgleitet.

Re: Patriotismus= Faschismus?

Abgeschickt von Christiaan am 20.06.2012 13:20


Interessantes Thema eine ähnliche Frage habe ich hier auch schon gestellt und bisher auch keine Antwort bekommen...

Ja ich habe auch eine Deutschland Fahne und verstehe garnicht was daran schlimm sein soll, ich lehne ja das Land nicht ab und seine Bürger auch nicht sondern den Neo-Kapitalismus und das sind nun mal 2 paar Schuhe.:)

Dies sollte man schon unterscheiden können, hier bei der EM geht es in erster Linie nämlich um die Fussball Mannschaft die für Deutschland antritt.
Ich kann da keine Ausländerfeindlichkeit entdecken und achte auch immer auf so etwas.

Das aber die Antifa auf den "EU Zug" aufspringt wundert mich nun eigentlich garnicht.

Re: Patriotismus= Faschismus?

Abgeschickt von Christian am 20.06.2012 15:59
Hallo Carsten!

Ich schreibe nicht als autorisierter MLPD-Genosse, sondern als interessierter Forumsteilnehmer!

Mein Großvater war vor und während der Hitlerdiktatur Zentrumspolitiker und überzeugter Antifaschist, wofür er kurz vor Kriegsende fast noch im KZ gelandet wäre. Es freut mich, dass es auch heute noch anständige Konservative gibt!

Auf deine Frage versuche ich an dieser Stelle mit den Worten einiger Klassiker und Vordenker des Marxismus-Leninismus zu antworten:

"»In jeder nationalen Kultur gibt es – seien es auch unentwickelte
– Elemente einer demokratischen und sozialistischen
Kultur, denn in jeder Nation gibt es eine werktätige und ausgebeutete
Masse, deren Lebensbedingungen unvermeidlich
eine demokratische und sozialistische Ideologie erzeugen. In
jeder Nation gibt es aber auch eine bürgerliche (und in den
meisten Fällen noch dazu erzreaktionäre und klerikale) Kultur,
und zwar nicht nur in Form von ›Elementen‹, sondern als
herrschende Kultur. Deshalb ist die ›nationale Kultur‹
schlechthin die Kultur der Gutsbesitzer, der Pfaffen, der Bourgeoisie.

Wenn wir die Losung der ›internationalen Kultur des Demokratismus
und der Arbeiterbewegung der ganzen Welt‹ aufstellen,
so entnehmen wir jeder nationalen Kultur nur ihre demokratischen
und ihre sozialistischen Elemente; entnehmen sie nur
und unbedingt als Gegengewicht zur bürgerlichen Kultur, zum
bürgerlichen Nationalismus jeder Nation.« (»Kritische Bemerkungen
zur nationalen Frage«, Lenin, Werke, Bd. 20, S. 8/9)"

(Zitiert aus 'Morgenröte der internationalen sozialistischen Revolution', S. 392)




"Lenin und Stalin waren sich einig, dass die Arbeiterorganisationen
nach dem internationalistischen Prinzip aufzubauen
sind. Sie wandten sich entschieden gegen die Aufspaltung
der Arbeiterklasse eines Landes in getrennte nationale
Organisationen. »Wir wissen, wozu die Scheidung der
Arbeiter nach Nationalitäten führt. Zerfall der einheitlichen
Arbeiterpartei, Teilung der Gewerkschaften nach Nationalitäten,
Verschärfung der nationalen Reibungen, nationales Streikbrechertum,
völlige Demoralisation in den Reihen der Sozialdemokratie
– das sind die Resultate des organisatorischen
Föderalismus.« (»Marxismus und nationale Frage«, Stalin, Werke,
Bd. 2, S. 331) Entsprechend hieß es 1974 in dem Buch »Wirtschaftsentwicklung
und Klassenkampf« von Willi Dickhut:
»Ob deutsche oder ausländische Arbeiter und Angestellte, alle
sind sie gezwungen, ihre Arbeitskraft zu verkaufen. Gemeinsam
werden sie ausgebeutet, und wenn sie sich wehren, gemeinsam
unterdrückt. Ob deutsche oder ausländische Arbeiter, alle
gehören einer Klasse an, der Arbeiterklasse. Das Gefühl der
Klassenzugehörigkeit muß stärker sein als das Nationalgefühl.
Das Klassenbewußtsein muß Vorrang haben vor dem Nationalbewußtsein.
Der proletarische Internationalismus muß stärker
sein als alle nationalen Besonderheiten. Der gemeinsame Kampf
muß alle Schranken zwischen deutschen und ausländischen
Arbeitern niederreißen. Die Solidarität untereinander muß alles
Trennende beseitigen.« (II. Teil, S. 61)"

(Zitiert aus 'Morgenröte der internationalen sozialistischen Revolution', S. 393-394)

Hierbei möchte ich vor allem folgende Zeilen hervorheben, die Nationalgefühlee an sich nicht ablehnen, sondern sie dem proletarischen Internationalismus unterordnen:

"Das Gefühl der
Klassenzugehörigkeit muß stärker sein als das Nationalgefühl.
Das Klassenbewußtsein muß Vorrang haben vor dem Nationalbewußtsein.
Der proletarische Internationalismus muß stärker
sein als alle nationalen Besonderheiten. Der gemeinsame Kampf
muß alle Schranken zwischen deutschen und ausländischen
Arbeitern niederreißen. Die Solidarität untereinander muß alles
Trennende beseitigen."




Im Zusammenhang mit dem Faschismus und seinem Verhälnis zum Patriotismus gibt es auch eine interessante Formulierung von Mao Zedong, die sich auf den zweiten Weltkrieg bezieht:

"XVIII. PATRIOTISMUS UND INTERNATIONALISMUS

Kann ein Kommunist als Internationalist gleichzeitig auch ein Patriot sein? Wir sind der Meinung, daß er das nicht nur kann, sondern auch muß. Der konkrete Inhalt des Patriotismus wird durch die historischen Bedingungen bestimmt. Es gibt einen 'Patriotismus' der japanischen Aggressoren und Hitlers, und es gibt unseren Patriotismus. Den sogenannten 'Patriotismus' der japanischen Aggressoren und Hitlers müssen die Kommunisten entschieden bekämpfen. Die japanischen und die deutschen Kommunisten sind hinsichtlich der Kriege, die ihre Länder führen, Defätisten. Es liegt im Interesse sowohl des japanischen wie des deutschen Volkes, mit allen Mitteln darauf hinzuwirken, daß die Kriege der japanischen Aggressoren und Hitlers mit einer Niederlage enden, und je gründlicher deren Niederlage sein wird, desto besser. Denn die von den japanischen Aggressoren und Hitler geführten Kriege sind unheilvoll nicht nur für die Völker der Welt, sondern auch für die Völker Japans und Deutschlands. China befindet sich in einer anderen Lage, denn es ist Opfer einer Aggression. Deshalb müssen die chinesischen Kommunisten den Patriotismus mit dem Internationalismus verbinden. Wir sind Internationalisten, und wir sind auch Patrioten; unsere Losung lautet: Kampf zur Verteidigung des Vaterlandes gegen die Aggressoren! Für uns ist Defätismus ein Verbrechen, die Erringung des Sieges im antijapanischen Widerstandskrieg aber eine unabweisliche Pflicht. Denn nur durch den Kampf zur Verteidigung des Vaterlandes können wir die Aggressoren besiegen und die nationale Befreiung erreichen. Und nur wenn die Nation befreit ist, kann die Befreiung des Proletariats, des ganzen werktätigen Volkes herbeigeführt werden. Der Sieg Chinas und die Zerschlagung der Imperialisten, die China überfallen haben, werden auch eine Hilfe für die Völker der anderen Länder sein. Deshalb ist der Patriotismus die Verwirklichung des Internationalismus im nationalen Befreiungskrieg.

'Der Platz der Kommunistischen Partei Chinas im nationalen Krieg' (Oktober 1938), Ausgewählte Werke Mao Tse-tungs, Bd. II"

Internet-Quelle: http://www.infopartisan.net/archive/maowerke/Mao_Worte_des_Vorsitzenden.htm#link18


Demnach ist die Frage, was patriotisch ist, die Frage, was der Mehrheit der Bevölkerung nützt. Im Falle Deutschlands sind der Antifaschismus und der proletarische Internationalismus der edelste Ausdruck der Vaterlandsliebe, zu der ich mich uneingeschränkt und aus vollem Herzen bekenne!
Ich liebe das fortschrittliche Vermächtnis der deutschen Arbeiterbewegung, das Erbe Karl Marx' und Friedrich Engels', die revolutionären Taten von Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg, Ernst Thälmann, den mutigen Kampf Willi Dickhuts für den echten Sozialismus, den tapferen Widerstand der antifaschischistischen Kämpfer gegen die Hitlerdiktatur, den Kampf der Marxisten-Leninisten in der ehemaligen DDR gegen Revisionismus und Verrat!
Sie alle handelten aus dem Bedürfnis heraus, Deutschland das beste zu geben was es bekommen kann - die Freiheit von Ausbeutung und Unterdrückung, den Frieden unter den Völkern! (Ups, jetzt bin wohl ein bisschen pathetisch geworden, sorry dafür!)


Freundliche Grüße

Re: Patriotismus= Faschismus?

Abgeschickt von Jens-Uwe Springer am 20.06.2012 16:39
Hallo Carsten,
tatsächlich eine interessante Frage die du aufwirfst.

Solange Nationalstaaten existieren wird das wohl auch immer wieder bedacht werden müssen. Nur sollte nicht Patriotismus mit Nationalismus verwechselt werden.
Der Charakter und die Bedeutung von Patriotismus muß immer konkret bestimmt werden unter Berücksichtigung der ökonomischen und politischen Verhältnisse.
In einem imperialistischen Land stellt sich diese Frage anders als in einem neo-kolonial unterdrückten Land.
Da wir heute in einer Zeit leben, wo die vollkommen internationalisierte Produktion das bestimmende geworden ist, ein internationales Finanzkapital quasi die Alleinherrschaft über Produktion und Austausch übernommen hat, stellt sich für die revolutionäre und Arbeiterbewegung in der Welt die Aufgabe eine internationale Revolution vorzubereiten, kommt es sehr darauf an die Völkerverständingung, Freundschaft im Wettkampf (in Bezug auf Sportwettkämpfe), Kulturaustausch zu entwickeln alles im Hinblick auf die Höherentwicklung der Klassensolidarität.
Objektiv haben sich Nationalstaaten überlebt, gehören die Grenzen in der Welt aufgehoben. Bereits im kommunistischen Manifest wurde geklärt dass das Proletariat kein Vaterland mehr hat. Auch wenn das subjektiv von vielen Arbeitern nicht so empfunden wird ändert das nichts an den ökonmischen und politischen Zuständen.
Die Liebe zu dem Land und die Natur in dem man aufgewachsen ist, die Sprache, die Kultur usw. ist durchaus berechtigt. Ich würde mir allerdings deswegen keine Nationalflagge ins Fenster hängen, weil die Flagge auch für mehr steht als nur den Fußball.
Nämlich für alles was mit der Politik dieses Landes zusammenhängt.
Patriotismus kann also nicht losgelöst vom Motiv bejaht oder verneint werden.
Patriotismus ist gegenüber dem Klassenkampf eine untergeordnete Frage.

Beste Grüße
Jens-Uwe





Re: Patriotismus= Faschismus?

Abgeschickt von Richard am 20.06.2012 20:28
Wie sich der Patriotismus in Deutschland entwickelt hat man ja gesehen im Gruppenspiel Deutschland gegen Portugal, als die deutschen Fans Papierkugeln auf die portugiesischen Spieler warfen! So was kann man einfach nicht aktzeptieren. Natürlich kenne ich auch Leute die sich als ,,linke Patrioten'' bezeichnen. Das heißt somit man muss genau hingucken welcher Patriotismus gesund und welcher einfach nur daneben ist.

Re: Patriotismus= Faschismus?

Abgeschickt von Werner am 29.07.2012 16:43
Patriotismus ist nicht Faschismus. Man schaue sich nur das zu empfehlende Filmepos von Mikhail Veller und Arkadiy Tigay aus dem Jahre 2011 an, der den Kampf der Partisanen gegen die deutsche Armee während des II. Weltkrieges in der Ukraine schildert:

DER BOMBER - Regie: Vitaliy Vorobyov - Ukraine - 2011 - FSK: 16 - Filmlänge: 181 Min. - Genre: Drama, Anti-Kriegsfilm.

Der antifaschistische Film ist für Jugendliche zu empfehlen, die Interesse an der Geschichte der Roten Armee und des Partisanenkampfes gegen die Faschisten in den 40er Jahren des 20. Jhd. haben. Die DVD ist erst am 19. Juli 2012 erschienen in deutscher und russischer Sprache. Es ist zu empfehlenden Film in zwei Teilen anzuschauen, da er über drei Stunden dauert (http://www.spielfilm.de/dvd/4714/der-bomber.html).
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