Re: Ein weiteres Buch aus Tätersicht.
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Hallo,
durch eine Buchbesprechung des VVN-BdA wurde ich auf dieses Buch von Altwasser aufmerksam:
http://weimar.vvn-bda.de/artikel/2009/20090707.html
Die Story des Buches muss ich nicht wiedergeben, das hat Häsler bestimmt besser gemacht, als ich es könnte. Nur soviel, dieser Dr. Konrad Morgen alias Dr. Schmelz in diesem Roman, hat die BRD-Justiz niemals für seine Verbrechen bestraft.
Im Gegensatz zu Littell hat Altwasser offenbar gründlich recherchiert.
Gerne würde ich mit Euch darüber diskutieren, ob die "Tätersicht" die geeignete Sicht ist, um die Verbrechen der Nazis literarisch, also künstlerisch aufzuarbeiten, oder ob sie den Tätern nicht zuviel Raum lässt und sie durch die Individualisierung nicht gleichsam "aufwertet.
Über Eure Anworten bzw. Beiträge würde ich mich freuen.
Sandro
durch eine Buchbesprechung des VVN-BdA wurde ich auf dieses Buch von Altwasser aufmerksam:
http://weimar.vvn-bda.de/artikel/2009/20090707.html
Die Story des Buches muss ich nicht wiedergeben, das hat Häsler bestimmt besser gemacht, als ich es könnte. Nur soviel, dieser Dr. Konrad Morgen alias Dr. Schmelz in diesem Roman, hat die BRD-Justiz niemals für seine Verbrechen bestraft.
Im Gegensatz zu Littell hat Altwasser offenbar gründlich recherchiert.
Gerne würde ich mit Euch darüber diskutieren, ob die "Tätersicht" die geeignete Sicht ist, um die Verbrechen der Nazis literarisch, also künstlerisch aufzuarbeiten, oder ob sie den Tätern nicht zuviel Raum lässt und sie durch die Individualisierung nicht gleichsam "aufwertet.
Über Eure Anworten bzw. Beiträge würde ich mich freuen.
Sandro
Ich persönlich habe "Die Wohlgesinnten" gelesen, und empfand es als ein "wuchtiges literarisches Werk" - aber wie dem auch sei: über Literatur läßt sich trefflich streiten

Warum sollte man nicht aus Sicht eines Täters die Geschichte verarbeiten?
Die Kunst ist frei - zumindest in meinen Augen - und ein Freund der Zensur bin ich nicht.
Es steht mir nicht zu, über dieses Buch ein Urteil abzugeben, da ich es nicht kenne. Aber allgemein gesehen, wird in Bezug auf das Dritte Reich, in letzter Zeit viel zu viel aus Tätersicht gesehen.
Mal sind es die letzten Tage aus dem Führerbunker, die filmisch bearbeitet werden, ein andermal ein naiver SS-Offizier, der als er das erstemal mit der Vergasung der Juden konfrontiert wird, sich als Katholik einbildet, dass der Vatikan bestimmt was untermehmen würde, wenn man ihn davon in Kenntnis setzte.
@barney
bei aller Toleranz, sollten wir nicht die Augen davor verschließen, dass die Massenmedien nicht nur die Bürger manipulieren, sondern auch Fakten verschweigen. Bei den letzten Berichten über das KZ Ausschwitz, wurde z.B. nicht einmal erwähnt, dass dieses Lager von der ROTEN ARMEE befreit wurde.
Mal sind es die letzten Tage aus dem Führerbunker, die filmisch bearbeitet werden, ein andermal ein naiver SS-Offizier, der als er das erstemal mit der Vergasung der Juden konfrontiert wird, sich als Katholik einbildet, dass der Vatikan bestimmt was untermehmen würde, wenn man ihn davon in Kenntnis setzte.
@barney
bei aller Toleranz, sollten wir nicht die Augen davor verschließen, dass die Massenmedien nicht nur die Bürger manipulieren, sondern auch Fakten verschweigen. Bei den letzten Berichten über das KZ Ausschwitz, wurde z.B. nicht einmal erwähnt, dass dieses Lager von der ROTEN ARMEE befreit wurde.
Hallo barney,
wer mag schon Zensur.
"Ich persönlich habe "Die Wohlgesinnten" gelesen, und empfand es als ein "wuchtiges literarisches Werk" - aber wie dem auch sei: über Literatur läßt sich trefflich streiten ..."
Natürlich sind die "Wohlgesinnten" ein "wuchtiges" literarisches Werk. Was mich an der "Tätersicht" stört, ist die notwenige literarische Herbeiführung von Nähe zum Täter durch den Autor, Max Aue, der "SD-Offizier" durch Zufall, der zum Mörder aus gruppendynamischer Entwicklung wird. Dr. Schmelz alias Dr. Konrad Morgen, wird zum Mörder aus karrieristischen Gründen; jedenfalls bei Altwasser.
Diese "Täternähe" halte ich für problematisch, wenn ich einen Menschen literarisch beschreibe, ich man sich in sein "ego" einarbeiten muss, geht die gebotene historische Distanz verloren und irgendwann sollen wir dann Arthur Nebe verstehen oder andere Täter? Aus meinem Gefühl werden hier Grenzen überschritten, die besser nicht überschritten worden wären.
Logisch, natürlich lässt sich über Literatur trefflich streiten, allerdings nicht über historisch überprüfbare Täterbiographien.
Viele Grüße
Sandro
wer mag schon Zensur.

"Ich persönlich habe "Die Wohlgesinnten" gelesen, und empfand es als ein "wuchtiges literarisches Werk" - aber wie dem auch sei: über Literatur läßt sich trefflich streiten ..."
Natürlich sind die "Wohlgesinnten" ein "wuchtiges" literarisches Werk. Was mich an der "Tätersicht" stört, ist die notwenige literarische Herbeiführung von Nähe zum Täter durch den Autor, Max Aue, der "SD-Offizier" durch Zufall, der zum Mörder aus gruppendynamischer Entwicklung wird. Dr. Schmelz alias Dr. Konrad Morgen, wird zum Mörder aus karrieristischen Gründen; jedenfalls bei Altwasser.
Diese "Täternähe" halte ich für problematisch, wenn ich einen Menschen literarisch beschreibe, ich man sich in sein "ego" einarbeiten muss, geht die gebotene historische Distanz verloren und irgendwann sollen wir dann Arthur Nebe verstehen oder andere Täter? Aus meinem Gefühl werden hier Grenzen überschritten, die besser nicht überschritten worden wären.
Logisch, natürlich lässt sich über Literatur trefflich streiten, allerdings nicht über historisch überprüfbare Täterbiographien.
Viele Grüße
Sandro
Ich persönlich finde die "Täternähe" nicht problematisch - zumal sich der Kreis der Leser für derartige Literatur durchaus "eingrenzen" läßt.
Es ist doch gerade literarisch gewollt, sich in den Täter hineinzudenken/fühlen etc. um die sogenannte Distanz zu "überwinden" (das ist doch die Hauptintention der Literatur?).
Wie schon erwähnt - ein Leser der sich mit derartigen Dingen beschäftigt - wird meiner Meinung nach sehr wohl intellektuell in der Lage sein, die ganze Problematik zu erkennen.
Persönlich habe ich das Thema "Täterliteratur" abgehakt, ein "wuchtiges Werk" reicht mir. Ich lese eher anderen Kram

Auf Basis von Ploneboard
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Aktivieren durch mkoeln um 26.01.2010 23:15
