"Geld machen" im Kapitalismus

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"Geld machen" im Kapitalismus

Abgeschickt von Werner am 12.10.2011 13:57
Kann man durch Arbeit reich werden ? Sollte man meinen. Viele verdienen durch ihren "Hauptjob" nicht genug und mehr durch den "Zusatzjob" wie z.B. Gutachten oder als Notar und ähnliches. Der normale Arbeiter aber, der sich ein Leben lang kaputtschuftet, wird nicht reich, sondern krank und stirbt früher, "ausgebeutet" und "ausgequetscht" vom Kapital. Im Kapitalismus wird nirgends soviel verdient wie im Verkauf, egal, was verkauft wird (z.B. die Versicherungsvertreter verdienen Provisionen durch die Vermittlung ebenso Immobilienmakler). Im Kapitalismus wird auch sehr viel Geld durch Pornografie verdient, so haben schon 20jährige Pornodarsteller ein jährliches Millioneneinkommen. Dies bedeutet, dass man nicht "arbeiten" muss, um sehr reich zu werden, sondern man kann auf dem freien Markt handeln und verkaufen, egal was, Hauptsache es ist eine Nachfrage da und wenn nicht so wird sie künstlich durch Werbung erzeugt. Es geht nur darum: "Mache Geld, mache mehr Geld ..." und der Zweck heiligt die Mittel.

Re: "Geld machen" im Kapitalismus

Abgeschickt von Werner am 19.10.2011 10:48
Das beste Beispiel ist ja Carsten Marschmeyer, der "abgebrochene Medizinstudent", der mit Vermittlung von Versicherungen hauptsächlich und deren Provisionen beim AWD 500 Millionen Euro kassiert hat, um anschließend einen auf "Saubermann" und "seriös" zu machen. Oder man denke an die "Göttinger Gruppe", ein Finanzbetrugsunternehmen, die dreist genug waren, unzählige vertrauensselige Geldanleger abzuzocken (siehe www.goettinger-gruppe-opfer.de). Solche Beispiele gibt es sehr viele im abartig kapitalistischen Wirtschaftssystem. Das damit Schluß sein muss, ist klar. Und wenn das Volk das will, passiert das auch, man siehe nur schon die Demonstrationen weltweit gegen das betrügerische menschenverachtende Finanzkapital.

Re: "Geld machen" im Kapitalismus

Abgeschickt von Horst am 19.10.2011 16:52
Im Kapitalismus, aber bei der derzeitigen Bewußtseinslage wäre es wohl auch im Sozialismus:

"Eine der schauerlichsten Folgen der Arbeitslosigkeit ist wohl die, daß Arbeit als Gnade vergeben wird. Es ist wie im Kriege: wer die Butter hat, wird frech." Kurt Tucholsky

Re: "Geld machen" im Kapitalismus

Abgeschickt von ingo am 25.10.2011 10:42
"Im Kapitalismus, aber bei der derzeitigen Bewußtseinslage wäre es wohl auch im Sozialismus:

"Eine der schauerlichsten Folgen der Arbeitslosigkeit ist wohl die, daß Arbeit als Gnade vergeben wird. Es ist wie im Kriege: wer die Butter hat, wird frech." Kurt Tucholsky"

Ich dachte immer, im Sozialismus sollte die Lohnarbeit abgeschafft werden? Und das hat seine guten Gründe. Und die sind n i c h t auf Pornoproduzenten und Strukturvertriebe und sonstige "unmoralische" Produzenten und Händler beschränkt!

Auch die Lohnarbeiter bei VW und Daimler usw. sind nichts als "nützliche Idioten" der kapitalistischen Geldvermehrung.

Re: "Geld machen" im Kapitalismus

Abgeschickt von Werner am 28.01.2012 20:42
Was ich persönlich schlimm finde ist die totale Ökonomisierung allen Lebens und aller Lebensvorfänge auf der Erdoberfläche, praktisch alles wird monetarisiert - und wo bleibt der Mensch ? Es sind Wirtschaftlichkeitsüberlegungen im gesundheitswesen, in Krankenhäusern, die darüber entscheiden, ob man z.B. einen schwer erkrankten 65jährigen Mann die medizinische Betreuung zukommen lässt, die möglich wäre oder es einfach sein lässt, ihn sterben lässt (die gesellschaftliche Bedeutung der Person spielt auch eine Rolle), es sei denn der Betreffende kann privat "eine Menge Geld auf den Tisch legen", so dass bestmögliche medizinische Versorgung auf einmal möglich wird. Der einfache Arbeiter auf der Straße bleibt dabei auf der Strecke, denn lässt man nach einem arbeitsreichen Leben kaputtgehen, ist unnütz geworden. Der Mensch ist uninteressant. Und genauso geht man mit der Natur um, mit Tieren und Pflanzen, die als auszubeutende Rohstoffe und Ware betrachtet werden, deren Nutzung ebenfalls total ökonomisiert wird, um höchstmögliche volkswirtschaftliche "Erträge§ zu erwirtschaften. Aber dass es sich hier um Lebewesen handelt, interessiert niemanden, es geht nur darum, Kapital aus der auszuplündernden Flora und Fauna des Planeten Erde "zu schlagen". Diese Vorgehensweise ist praktisch Selbstmord für die menschliche Spezies, die nur dauerhaft überleben kann, wenn sie einen anderen Weg einschlägt, der sich von Jahr zu Jahr immer mehr aufdrängt, auch wenn es die derzeit Herrschenden (= die Diktatur der Minderheit der fast alles Besitzenden) nicht wahr haben wollen - es ist der Weg des echten Sozialismus !

Re: "Geld machen" im Kapitalismus

Abgeschickt von Werner am 09.02.2012 20:05
Folgendes Zitat fand ich in der Tagespresse:

"...Brad Pitt, 48, Schauspieler und Angelina Jolie, 36, Schauspielerin haben eine prominente Käuferin für ihre Villa im kalifornischen Malibu gefunden. Wie die Los Angeles Times berichtet, hat Talkschow-Moderatorin Ellen DeGeneres, 54, das Luxusanwesen des Hollywood-Paares für 12 Millionen Dollar (knapp 9,2 Millionen Euro) erstanden. Das 1962 erbaute Haus mit vier Schlafzimmern, vier Badezimmern, drei Kaminen und einem Pool hat einen Meeresblick und Zugang zu einem Privatstrand. Oscar-Anwärter Pitt ("Moneyball") und seine Lebensgefährtin Jolie hatten ihr Domizil vorigen August zunächst für knapp 14 Millionen Dollar angeboten....." (SZ vom 7.2.2012, Seite 10)

Woher haben die soviel Geld ? Durch Arbeit ? Bestimmt nicht, sondern durch Verkauf (Pitt´s Filme haben sich in der Vergangenheit sehr gut verkauft) und durch Werbung, Provisionen, Tantiemen, Zuwendungen. Allein ein kleiner Werbespot von zwei Minuten bringt einem Prominenten soviel wie ein Arbeiter in einem Jahr durch harte schwere Arbeit verdient. Wer die "richtigen" Geldquellen im kapitalistischen Wirtschaftssystem bedienen kann, dessen Vermögen wächst auch ohne Arbeit enorm an, während Proletarier sich ihr Leben lang "kaputtschuften" und "nicht auf einen grünen Zweig kommen", sondern Gefahr laufen auch noch ihre Gesundheit zu ruinieren.

Re: "Geld machen" im Kapitalismus

Abgeschickt von Werner am 11.02.2012 11:34
Der deutsche Schönheitschirurg Werner Mang beispielsweise hat Geld gemacht, indem er sich den Reichen und Schönen andiente. Es geht ja vornehmlich nicht um notwendige kosmetische Operationen nach Unfällen, schweren Gesichtsverletzungen usw, sondern um die Herstellung eines Schönheitsideals der Schickeria, das im Zeitgeist nicht zuletzt durch die Massenmedien Gesichter propagiert wurde. Man lässt sich die NAse richten, die Gesichtshaut straffen, Fett absaugen, die Brust vergrössern, Bauchdecken straffen, Oberschenkelpolster abtragen usw. Und dafür werden horrende Summen gezahlt, die sich bei Werner MAng in Maseratis, Motorräder, Yachten und Villen wiederfinden.
Werner Mang sagt: Ja jeder könne doch so reich werden, man müsse nur hart arbeiten und leistung bringen ! Dies bedeutet aber im Umkehrschluß. dass der proletarische Arbeiter im Kapitalismus, der duch Ausbeutung "nicht auf einen grünen Zweig kommt", eben nicht hart arbeiten würde, keine Leistung bringen würde, so dass er selbst Schuld ist an seiner Mittellosigkeit und relativen Armut. (aber das Mang dubiose Machenschaften anwendet, um Geld zu machen, darauf wiess jetzt auch eie SZ vom 10.02.2012 Seite 4 hin, weil Mang ohne Facharztausbildung operiert (Mang ist von Haus aus HNO-Arzt). Mang darf den Titel "Facharzt für platische und Ästetische Chirurgie" nicht führen. Dies bedeutet, er ist nicht qualifiziert, hat aber dennoch gegen hohe Rechnungen operiert, um Geld zu machen.

Oft wird auch gesagt, ja der Arbeiter habe die Freiheit der Entscheidung. Der Arbeiter könne alles erreichen, wenn er nur eine Entscheidung treffen würde, nämlich fie Entscheidung für Karriere, Geld, Erfolg und Leistung. Wenn der Proletarier aber nach einem langen harten Arbeitsleben völlig kaputtgeschuftet von einer relativ geringen Rente leben muss, wird gesagt, ja der hat in seinem Leben nichts erreicht, der ist selbst Schuld, der hätte ja Karriere machen und Geld verdienen können, er hätte sich nicht entschieden, also ein Versager ? In Wirklichkeit hat der Arbeiter sein Leben lang um sein Überleben und seine Existenz für die Gemeinschaft und Gesellschaft gekämpft als hochpolitische engagierte Person.

Ich kenne zum Beispiel einen Medizinprofessor, dee sagt von sich selbst, dass er Geld gemacht hat durch medizinische Gutachten für Versicherungen in Bezug auf Patienten, damit diese keine Rente erhalten und die Versicherungen nicht zahlen müssen. Dafür haben ihn die Versicherungen mit hohen Provisionen und Zuwendungen entlohnt, so dass er allein von diesen Geldern schon alein drei Villen bauen konnte. Die scheint allgemein übliche Praxis zu sein. Von sich selbst sagt er dasselbe wie Mang: Harte Arbeit und Leistung ! Und der Stundenlohn für ein Gutachten ? 800 Euro ?

Ein Bekannter von mir hat als Versicherungsvertreter Hunderttausende verdient. Versicherungen verkauft. Er nannte dies "Umdecken". Dies bedeutet, der geht in die Arbeiterhaushalte, lässt sich die Versichewrungsunterlagen zeigen und kündigte alle Versicherungen, was finanzielle Verluste für den Haushalt bedeutet, Dann "baut" er die eigenen Verträge seiner Versicherungsgesellschaft ein und kassiert so für jeden neuen Vertrag reichlich Provisionen. Auf diese Weise verdient er in einer halben Stunde 500 Euro Provisionen von der Versicherung und schädigt den Arbeiterhaushalt finanziell. Die von Helmut Kohl so hochgelobte DVAG (Achener und Münchner Versicherungen) geht genauso vor und viele andere (nach dem Motto: Mache Geld, mache mehr Geld durch Verkauf ! Die Versicherungsvertreter werden in Verkaufsschulungen in psychologischen Verkaufstricks geschult, um den Kunden leicht "über den Tisch ziehen zu können". Sie nennen dies Finanzberatung, denn Beratung tut not ! In Wirklichkeit geht es nur darum aus Kosten des Arbeiterhaushaltes für unnütze Versicherungen hohe Provisionen abzugreifen. Ein mir bekannter Versicherungsvertreter hat sich von diesen Provisionen ein grosses Haus gebaut ("Ich habe gebaut, bin Bauherr"!). In Wahrheit hat er der Gesellschaft nur Schaden zugefügt.

Re: "Geld machen" im Kapitalismus

Abgeschickt von Werner Hoffmann am 12.02.2012 19:31
Im Kapitalismus kann man ja auch Geld machen, indem man am Kapitalmarkt mit Aktien (Anteilen am Eigenkapital der AG´s) oder mit Anteil am Fremdkapital (wie langfristigen Wertpapieren, Anleihen, Obligationen) handelt oder einen Investmentfonds managed. Ich hatte mal eine TV-Doku über eine Frau gesehen, die das auf Island von zuhause aus mit Computern und Internetanschluß gemacht hat. "Sie sind wie Fischer, die Fische fangen". Nur sind diese "Fischfänge" keine wirklichen Tiere, sondern es wird Geld am Kapitalmarkt abgeschöpft und "abgeerntet". Im Kapitalismus ist es aber leider so, dass sich die gesamte volkswirtschaftliche Wertschöpfung der Menschheit im wesentlichen bei einer Minderheit ansammelt und die übrige Mehrheit nur "die Krümel vom großen Kuchen" bekommt. Die Reichen werden auf diese Weise immer reicher und die Armen immer ärmer. Dies ist das Wesen des kapitalistischen Systems und gleichzeitig seine Ungerechtigkeit: Viel Geld machen kann man als Einzelner nur, wenn die Wertschöpfung einer Masse indirekt abgeschöpft wird und diese "leer" ausgeht. So entsteht im Kapitalismus zwangsläufig immer eine Diktatur der Minderheit der herrschenden Habenden über die Mehrheit der relativ armen und mittellosen Bevölkerung.

Re: "Geld machen" im Kapitalismus

Abgeschickt von Werner am 15.02.2012 19:07
Beispiel: Indien, eine aufstrebende Nation mit Wirtschaftswachstum. Aber grosse Teile der indischen Bevölkerung ist arm, schon seit der Kolonialzeit arm geblieben. Geld genug ist vorhanden, das ist nicht das Problem. Es haben nur die falschen Leute. Nur eine Minderheit der Reichen profitiert wirklich vom Wirtschaftswachstum und den "Erträgen" des kapitalistischen Indien. Am 15.02.2012 meldete die Süddeutsche Zeitung auf Seite 26 zum Beispiel: "...Inder schaffen 500 Milliaden Dollar ins Ausland ... Es ist davon auszugehen, dass 500 Milliarden US-Dollar illegales Geld, das Indern gehört, in Steueroasen ausserhalb des Landes deponiert wird ... " mit Hinweis auf Aussagen von Ambar Pratap Singh von der Obersten Ermittlungsbehörde in Indien (CBI).

Re: "Geld machen" im Kapitalismus

Abgeschickt von Karl neoprene.blogsport.de am 16.02.2012 09:33
"Geld genug ist vorhanden, das ist nicht das Problem. Es haben nur die falschen Leute."

Es mag jetzt für den einen oder die andere überraschend kommen: Geld gibt es überhaupt nur, weil es die "Falschen" haben. Wachstum ist auch nicht dazu da, daß die, die es erarbeiten müssen, etwas davon haben. Ganz im Gegenteil: Jedes Kapital kann umso schneller wachsen, je mehr es die für es ärgerlichen Abzüge für Löhne drücken kann.

Geld/Kapital/Vermögen gibt es überhaupt nur so lange, wie sichergestellt ist und weiter erwartet werden darf, daß die Unterwerfung der Masse der Arbeitenden unter den Zwang des Geldverdienens für ihr Überleben sichergestellt ist und funktioniert. Es ist deshalb ein weitverbreiteter Fehlschluß, daß man "nur" dafür sorgen müsse, daß das Geld (natürlich am besten illegal ins Ausland transferiertes Geld, da "schadet" das am wenigsten) endlich in die Hände derer kommt, die es jetzt so bitter bräuchten. Dafür ist es nicht nur nicht da, dann ist es sogar nicht mal mehr da, wenn eine Reformregierung sowas auch nur versuchen würde.

Re: "Geld machen" im Kapitalismus

Abgeschickt von Karl neoprene.blogsport.de am 16.02.2012 10:27
Etwas grundsätzlicher zur Frage, wer wieviel Geld abbekommt in dieser Gesellschaft:


Die Frage nach dem Einkommen ist in der Marktwirtschaft existentiell. Wie viel Geld ein Wirtschaftsbürger für wie viel Arbeitsaufwand heim trägt, entscheidet über sein Leben; darüber nämlich, ob ihm die Güter des täglichen Bedarfs sowie des Genusses in ausreichender Menge und Qualität zugänglich sind, und ob die für deren Beschaffung erforderliche Arbeit auch noch Lebenszeit und Lebenskraft für Genuss und die Entwicklung freier Interessen übrig lässt. Jeder weiß, dass die Einkommen in der Marktwirtschaft krass verschieden ausfallen: Vom Null-Einkommen der Arbeitslosen reichen sie über Hungerlöhne im wachsenden Niedriglohnsektor, über schmale, mittlere und bessere Arbeitslöhne, zu Beamten- und Politikergehältern; unter den Selbstständigen gibt es noch einmal die weite Spanne vom Elend der Ich-AGs und der kleinen Handwerker bis zu den ein- und zweistelligen Millionenbeträgen der Manager; ganz zu schweigen von den Besitzern wirklich großer Vermögen, Ländereien und Industriebeteiligungen. Das steile Gefälle gibt zu denken:

Die meisten verführt es zu der falschen Frage, ob sie auch bezahlt bekommen, was ihnen aufgrund ihrer Leistung eigentlich zustehen müsste; bzw. ob die anderen wirklich verdienen, was sie verdienen. Kritische Zweifel, ob die enormen Einkommensunterschiede durch ebenso große Unterschiede der Leistung zu rechtfertigen seien, sind nämlich sehr unkritisch. Sie setzen als selbstverständlich voraus, dass vom Grundeigentümer, der Mietzins, über den Aktienbesitzer, der Dividende einstreicht, den Manager, der für Organisation und Erfolg der Profitmacherei seine Millionen kassiert bis zum Ingenieur, Maurer und Briefträger alle Einkommensbezieher größere oder kleinere Arbeitsleistungen in eine große Arbeitsteilung erbringen, von deren Produkten und Diensten dann das Volk und alle Einzelnen leben. Aber vielleicht gibt es das Gemeinschaftswerk ja gar nicht, zu dem alle Beiträge leisten. Vielleicht gibt es gar keine Verteilung des Nationalprodukts die man auf ihre Gerechtigkeit hin befragen könnte. Sondern nur Eigentümer, die mit der Macht ihres jeweiligen Eigentums um die Aneignung des kapitalistischen Reichtums konkurrieren; und die vielen anderen, die sich damit herumschlagen müssen, was den Herren über den Reichtum das Ausnutzen ihrer Arbeit wert ist.

Re: "Geld machen" im Kapitalismus

Abgeschickt von Werner Hoffmann am 17.02.2012 18:55
Nur ein Beispiel:

Sir Paul McCartney, der Ex-Beatle hat im Jahr 2011 etwa 67 Millionen US-Dollar dazuverdient. Die 23jährige britische Sängerin "Adele" verdiente 2011 insgesamt 18 Millionen US-Dollar dazu. Ein schwer bis zu seiner äussersten Belastungsgrenze hart arbeitender Leiharbeiter verdient, auch wenn er 200 Stunden im Monat schuftet, nur 967 Euro im Monat (Quelle: SZ vom 17.02.2012 Seite 18 sowie IG Metall Skript "Arbeit auf Abwegen" als SZ-Beilage zum 17.02.2012 Seite 4).

Wird man also durch Arbeit reich ? In einer TV-Dokumentation (schon länger her) habe ich mal über einen US-Amerikaner einen Bericht geschaut, der etwa 100 sündhafte teure Luxusautos in seinen Garagen stehen hatte - sein Hobby ! Er war gelernter Ingenieur, sagte aber, wenn er als Angestellter in die Industrie gegangen wäre, hätte er sich das nie leisten können, also ist er Talkschow-Master geworden und in die US-amreikanische TV- und Multimediabranche eingestiegen, hat auch an Werbung sehr viel verdient. Ein Bekannter von mir, auch von Haus aus Ingenieur hat sich in Queensland/Australien Rechte an zwei reichhaltigen Opal-Minen erworben und ist steinreich geworden.

Stimmt das denn, das jeder reich werden kann, wenn er nur hart arbeitet und Leistung bringt ? Die Menschen haben ja unterschiedliche Fähigkeiten und ein unterschiedliches Leistungsvermögen. Es gibt so sehr viele Talente und Begabungen. Aber kann in einer Marktwirtschaft wirklich jeder seine Talente/Fähigkeiten zur Entfaltung bringen ? Was ist denn mit einer Mutter von fünf Kindern, die sich als Putzfrau Geld dazuverdinen muss, aber das schriftstellerische Potential einer Herta Müller hätte ? Im Kapitalismus kann der Proletarier seine Talente nicht völlig zur Entfaltung bringen, weil er um seine finanzielle Existenz und die seiner Familie kämpfen muss. Im echten Sozialismus wäre die Ebtfaltung der Begabungen und Talente schon eher möglich, wenn dieser Sozialismus denn wirklich von allen konsequent umgesetzt wird. Denn dann sind auch die Frauen und Männer befreit vom ständigen Druck ums tägliche Überleben im Kapitalismus kämpfen zu müssen.

Re: "Geld machen" im Kapitalismus

Abgeschickt von Karl neoprene.blogsport.de am 19.02.2012 21:36
"Wird man also durch Arbeit reich ?"

Ja, natürlich: Durch möglichst viel, möglichst schlecht bezahlte Arbeit von den Menschen, die für ihr Überleben, für ihren Lebensunterhalt, darauf angewiesen sind, ihre Arbeitskraft an diejenigen zu verkaufen, die dadurch ihr Vermögen vermehren.

"Stimmt das denn, das jeder reich werden kann, wenn er nur hart arbeitet und Leistung bringt ?"

Natürlich nicht, die Welt ist im wesentlichen voll von Lohnabhängigen (und Arbeitslosen) obendrein, die ihr ganzes Leben lang "hart arbeiten" und genauso arm ins Grab gehen, wie sie als junger Mensch zu arbeiten angefangen habe. Und mit ihrem "Leistungsvermögen" hat das Lohn nach Hause bringen auch herzlich wenig zu tun: Wenn es zu viele gibt, die mit ihrer Leistungserbringung ihren Lohn nach Hause tragen wollen, dann können die "Arbeitgeber" das ausnutzen und umso weniger Lohn zahlen, egal wie leistungsbereit und leistungsfähig die Arbeiter dann sind. (Daß immer mal wieder ein paar Individuen es schaffen, ihre karge Klassenexistenz als Lohnabhängige hinter sich zu lassen und den Aufstieg schaffen spricht genauso wenig gegen diese Regel wie es umgekehrt durch die Konkurrenz, deren Erfolg ja nicht vorab feststeht und garantiert wäre, immer wieder Angehörige der Eigentümerklasse gibt, die dann abrutschen in die Proletarierexistenz)

Was Musiker, TV-Leute oder Filmstars "verdienen", hat übrigens buchstäblich gar nichts mit ihrer "Leistung" zu tun, sondern ausschließlich damit, wie viel die Medienkonzerne, für die sie singen, schauspielen oder irgendeine TV-Show machen, damit an Umsatz und vor allem an Gewinn machen. Wenn ein Film von Sony eine halbe Milliarde Umsatz verspricht, unter anderem weil man einen der berühmtesten Stars als Hauptdarsteller engagieren kann, dann kann Sony dem ruhig 40 Millionen auf die Hand versprechen, das rechnet sich dann immer noch. Diese Medieneinkommen sind also in Wirklichkeit Gewinnbeteiligungen und nicht Entlohnung (heutzutage häufig sogar so schon in den Verträgen so festgeschrieben).

Ähnlich ist es ja bei den "Gehältern" von Topmanagern, die für ihr herrisches Rumkommandieren der vielen Arbeiter ihres Konzerns eben fürstlich am Gewinn beteiligt werden, wenn sie mit ihren "strategischen Entscheidungen" Erfolg hatten, auch hier häufig schon in die Arbeitsverträge reingeschrieben.

Apropos "fürstlich": so ging das in früheren Klassengesellschaften doch auch schon. Wenn da der kommandierende Offizier der Kavallerie für seinen Fürsten eine wichtige Schlacht zum Sieg rumgerissen hat durch seine Husaren, dann hat der zum "Lohn" für seine harte Arbeit (also das Abmetzeln des Feindes) eben eine Grafschaft geschenkt bekommen. Je größer der Sieg, je größer die angeeignete Feudalherrschaft. Die "Leistung" der Soldaten auf der Siegerseite war da auch immer genauso groß wie bei denen der Verliererseite.
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