Die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft

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Die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft

Abgeschickt von Steffen Stein am
Liebe Freunde, liebe Genossen,

Ohne die Identifikation der Massen mit den revolutionären Zielen kann es keine erfolgreiche Revolution geben!
Als ganz entscheidend ist die Erkenntnis der eigenen, gesellschaftsgestaltenden Kraft!
Diese Erkenntnis ist nicht nur für die Entscheidung zum Kampf gegen ein bestehendes System, einhergehender Solidarisierung mit den Massen, Organisierung in revolutionären Massenverbänden etc. grundlegend, sondern auch für die weitere Gestaltung einer neuen Gesellschaftsordnung.
Gerade in der Phase der sozialistischen Umgestaltung ist es außerordentlich wichtig, Wachsamkeit gegen schon geringste reformistische Erscheinungen zu entwickeln und energisch und selbstbewußt dagegen vorzugehen.
Die Entwicklung der revolutionären Wachsamkeit ist neben der Gewinnung für den Kampf eine der Hauptherausforderungen der Zeit.
Nicht umsonst ist immer wieder die eigene selbstkritische Überprüfung der Denk- und Verhaltensweisen, und auch die dahingehende Auseinandersetzung mit Anderen notwendig.
Wir sind nunmal - wenn auch teilweise unbewusst - kleinbürgerlichen Einflüssen unterworfen, die wir nur sehr schwer erkennen und abstellen können.

Jeder kann schon an diesen Zeilen überprüfen, ob er hierin eine Forderung nach Gleichschaltung des Denkens, eine Aufforderung zu gegenseitiger Denuziation sieht.

Re: Die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft

Abgeschickt von Heinz am
Lieber Steffen,

ich finde es gut, wenn Du Deine Rolle als Individuum in der Gesellschaft verorten willst.

Du schreibst, dass Du es als notwendig erachtest, die eigene, gesellschaftsgestaltende Kraft hervorzuheben und dass dies eine wichtige Erkenntnis sei für die "Entscheidung zum Kampf gegen ein bestehendes System, einhergehender Solidarisierung mit den Massen, Organisierung in revolutionären Massenverbänden etc..."

Greifen wir mal Deine plakativen Pinselstriche heraus, mit denen Du ein Gemälde heroisierenden Typs malst: Kampf/Solidarisierung/Massen/ Organisierung/revolutionäre Massenverbände. Ein Bild, in dem es unter einem knallroten Himmel nur so wimmelt von unübersehbaren kämpfenden Massen. Schön.

Ist das Deine soziale Erfahrung oder nur Deine ideologische Vorstellungskraft? Kannst Du, wie Mao süffisant über die Mitglieder der chinesischen Bauernkomitees bemerkt, auch nirgends Dein Wasser abschlagen, ohne dass, nehmen wir hier ein deutsches Beispiel, ein generalstreikender rebellischer Mercedes-Arbeiter schon neben Dir steht und seine Vuvuzela gegen das kapitalistische Joch ertönen lässt?

Realistisch? Nein? Dann hängt das vielleicht mit den kleinbürgerlichen Einflüssen zusammen, denen wir alle unterworfen sind, wie Du schreibst, und die unseren Blick trüben. Tragen wir, teilweise unbewusst, zu stark auf und verwischen damit die Konturen des Wirklichen?

Die Schlussfolgerung wäre dann unter Umständen eine selbstkritische Prüfung der eigenen Denk-, Verhaltens- und Ausdruckkunst. Wir sollten uns ernsthaft fragen, wie die Kräfteverteilung in der bestehenden - nicht vorgestellten! - Gesellschaft ist, welche Stärke die sozialen und sonstigen Bewegungen haben, wo die hegemoniellen Kommandohöhen zu finden sind usw.

Es kommt doch nicht darauf an, nur einfach die Farben möglichst dick aufzutragen, sondern möglichst genau hinzuschauen und eine wirklichkeitsgetreue Zeichnung der Lage zu liefern. Feine Striche, exakte Linien. Eben künstlerische Kleinarbeit.

Es geht also letztlich doch um Fragen der Gleichschaltung des Denkens oder um gegenseitige Denunziation. Der Wahrheits- und Echtheitsgrad Deines Fragenkomplexes entscheidet alles. Nur müssen wir ihn erweitern. Ist Dein Malstil allein dem Konzept Deiner informellen Gruppe geschuldet. Also reine Bequemlichkeit, Weggucken, Anpassung, Unterordnung. Oder denunzierst Du sie unbewusst, indem Du sie der Lächerlichkeit ihres pompösen Revolutionsgemäldes, in Zeiten, da wir eher nur kleine Bildchen fabrizieren können, überantwortest.

Du kommst mir vor, wie in einem mythologischen Malstil gefangen, dessen Ungleichzeitigkeit Du nicht erkennst, aber trotzdem, trotz alledem?, hinterfragst. Marx hat eine Lösung dafür: "Alle Mythologie überwindet, beherrscht und gestaltet die Naturkräfte in der Einbildung und durch die Einbildung, verschwindet also mit der wirklichen Herrschaft über diese." Daran müssen wir arbeiten.

Etwas sicherlich zu bildhaft geratene Grüße von Heinz






Re: Die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft

Abgeschickt von Paul Meier am
Was hat denn eine Gleichsetzung von Fragen der Gleichschaltung des Denkens oder gegenseitige Denunziation zu bedeuten? Genausogut kann man Nachempfindung der entstellten Ausdrucksmöglichkeiten oder Banane fragen. Man kann auch fragen: Pest oder alles klar auf dem sinkenden Schiff? Man kann auch fragen A oder 110? Also was soll das ? Was bedeutet:
"... denn überwindet die Naturkräfte in der Einbildung?" Marx war Materialist und kein Myhthologe. "...verschwindet also mit der wirklichen Herrschaft über diese..." Welche Fragen von wegen Gleichschaltung sind denn gemeint?
Ich denke Herr Heinz hat keinen Grund sich über den " unmalerischen" Ausdrucksstil von Herrn Stein zu beschweren. Da ist mir dessen Ausdruck und somit auch der inhaltliche Sinn schon wesentlich verständlicher. Wie kann ein Malstil, der im Falle der Sprache ja wohl ein stilistischer Stil ist, "ungleichzeitig" sein? Da fällt mir nur noch ein Blödsinn oder Bockwurst.

Re: Die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft

Abgeschickt von Stefan am
Hallo Heinz,

ich kann Paul Meier nur zustimmen: kannst du dich auch so ausdrücken, dass es der einfache Arbeiter verstehen kann, dass es nicht erhaben (über andere) klingt, dass die Verbindung von Theorie und Praxis deutlich wird (z.B.: wie ist denn deiner Meinung nach das kräfteverhältnis in der bestehenden Gesellschaft) usw. ???
Und was ist denn so falsch an Steffen Stein`s erstem Satz? Hat er behauptet, dass wir heute diese Einsicht, diese Situation haben? = Nein!


Hallo Steffen,

auch wenn ich dir grundsätzlich recht gebe:
- du darfst meines Erachtens nicht den Fehler machen, die Hauptaufgaben im Kampf gegen das kapitalistische System mit den Hauptaufgaben im Sozialismus zu verwischen.
Die "Hauptherausforderng der Zeit"? welcher Zeit? Heute? = da geht es schon um Erhöhung des proletarischen Bewußtseins, ja, da geht es aber auch um Bildung/Schaffung einer Einheitsfront, Gewinnung von Bündnispartnern....zusätzlich zum/im Kampf gegen den Reformismus.
Was hat (auch öffentliche) Kritik und Selbstkritik mit Denuzation, mit Gleichschaltung der Denkens zu tun? oder habe ich deinen letzten Satz nicht richtig verstanden?

Genossen, der Kommunismus ist "einfach", das bedeutet auch, er muss so vermittelt werden, dass die einfachen Menschen ihn auch als Anleitung zum Handeln verstehen können. Alles andere bleibt (auch wenn vielleicht in der Sache sogar mitunter richtig) für den Arbeiter abgehobenes Geschwafel mit dem er rein gar nichts anfangen kann! Da können sich dann Intellektuelle mit ihrem "Wissen" brüsten, und evt. merken sie sogar irgendwann, dass sie dies "ganz unter sich" tun, weil ihnen sonst schon lange keiner mehr zuhört...

Gruß
Stefan H.

Re: Die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft

Abgeschickt von Heinz am
Lieber Paul Meier,

Ironie ist nicht so Ihr Ding. Also Spaß beiseite, Ernst komm' her!

Das Marx-Wort können Sie verstümmeln, wie Sie dies wollen, man nennt solch eine Tätigkeit heute zuweilen Dekonstruktivismus, in der nächsten gut bestückten Bibliothek kann es jeder nachschlagen, der will, in den MEW Bd. 13 S. 641. Aber das Lesen ist wohl auch nicht so Ihr Ding.

Wenn doch, das mit der Ungleichzeitigkeit können Sie sich bei Ernst Bloch reinziehen, etwa in der Tübinger Einleitung in die Philosophie, Bd.1, S. 163 ff.

Friedrich Engels hat einmal zustimmend ein englisches Sprichwort zitiert, das zudem feinsinnig, humor- und genussvoll den englischen Pragmatismus charakterisiert: The proof of the pudding is in eating.

Also prüfen wir Sie mal ernsthaft mit diesem Kriterium:

Nennen Sie mir doch nur einen REVOLUTIONÄREN MASSENVERBAND in Deutschland!

(Davon ist doch bei Steffen Stein großspurig auf die Gegenwart bezogen die Rede. Geht Ihnen vielleicht schon ein Licht auf in Bezug auf Ungleichzeitigkeit?)

Wenn Sie eine plausible Antwort finden, nehme ich mein Posting zerknirscht zurück und erkläre es für irrelevant. Bockwurst hin oder Blödsinn her.

Freundliche Grüße

Heinz

Re: Die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft

Abgeschickt von Paul am
Habe mich im Lesen geübt. Bin bis zu den Stellen des bereits erwähnten Marx Zitates vorgedrungen: " Ein Mann kann nicht wieder zum Kinde werden, oder er wird kindisch. Aber freut ihn die Naivetät des Kindes nicht, und muß er nicht selbst wieder auf einer höhren Stufe streben, seine Wahrheit zu reproduzieren? Lebt in der Kindernatur nicht in jeder Epoche ihr eigner Charakter in seiner Naturwahrheit auf? Warum sollte die geschichtliche Kindheit der Menschheit, wo sie am schönsten entfaltet, als eine nie wiederkehrende Stufe nicht ewigen Reiz ausüben? Es gibt ungezogene Kinder und altkluge Kinder. Viele der alten Völker gehören in diese Kategorie. Normale Kinder waren die Griechen. Der Reiz ihrer Kunst für uns steht nicht im Widerspruch zu der unentwickelten Gesellschaftsstufe, worauf sie wuchs.
Ist vielmehr ihr Resultat und hängt vielmehr unzertrennlich damit zusammen, daß die unreifen gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen sie entstand und allein entstehn konnte, nie wiederkehren können."

Bemerkung:

Es mag sein, daß alle Mythen, die uns eine fiktive Beherrschung von Naturkräften suggeriert haben, mit deren tatsächlicher Beherrschung verschwinden. Erhalten bleiben aber diejenigen Mythen, welche (Kräfte-) Verhältnisse erörtern, die nach wie vor nicht beherrschbar sind wie beispielsweise persönliche und zwischenmenschliche."

Na, was sagen Sie nun, Herr Heinz? Ist das verstümmelt? ich kann den Pudding auch noch weiter auslöffeln, wenn sie möchten.
Aus diesem Zitat entnehme ich auch Folgendes, was noch nicht ist, kann noch werden. So sagen es auch die alten Myhten, denn die Bedürfnisse der Menschen sind die Triebkräfte und bestimmen letztendlich den Gang der Geschichte. Großspurigkeit kann ich bei Herrn Stein in dieser Hinsicht nicht erkennen, eher Vorfreude, Genuss und Hoffnung, welche ja auch in den Myhten eine wesentliche Rolle spielen.

Re: Die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft

Abgeschickt von Steffen Stein am
Hallo Freunde und Genossen,

Nun ist ja die Diskussion etwas in Gang gekommen, worüber ich mich sehr freue.
Ich bin natürlich sehr erstaunt, welche Interpretationen mein Eröffnungsbeitrag ausgelöst hat.
Aber gut so, denn es geht hier ja nicht um Belehrungen sondern um Auseinandersetzung!

In der Tat male ich in meinem Eröffnungsbeitrag ein Bild, das - MANGELS ERFINDUNG NEUER BEGRIFFE - auch plakativ wirken mag.
Es ist (nicht nur) mein Wunschbild, sondern eine unabdingbare Voraussetzung für eine revolutionäre Umgestaltung der Gesellschaft.
Daran zu arbeiten erfordert natürlich auch die realistische Einschätzung der gegenwärtigen Kräfteverhältnisse.
Um diese aber verändern zu können, ist die Bildung oder/und Stärkung revolutionärer Massenverbände unabdingbar, mit dem Ziel einer einheitlichen Kampffront. Dazu ist mehr als künstlerische Kleinarbeit erforderlich!
Jeder Einzelne, der sich gegen Ungerechtigkeiten in irgendeiner Weise auflehnt, hat ein (oftmals vages) Gesellschaftsbild vor Augen. Sehr viele unterliegen leider der Illusion, man könnte den Kapitalismus demokratisch regieren - also nur das eine oder andere ändern und dann funktioniert das!
Das das nicht funktionieren kann, hat die Geschichte bewiesen - wie Marx auch richtig analysiert hat!
Der Kapitalismus wird erst nach und nach in seiner Gesetzmäßigkeit von den Menschen begriffen. Viele sehen das Thema Ausbeutung und Unterdrückung noch sehr differenziert!
Hierbei spielt die augenblickliche Stellung in der Gesellschaft - hab ich noch Arbeit, kann ich meine Familie noch ernähren, mir noch dies und das leisten - eine Rolle, die einerseits Konkurenzdenken und Unterordnung, andererseits Verachtung gegenüber den Opfern der kapitalistischen Produktionsverhältnisse fördert.
Auf die manipulitative Rolle der Medien bei der Förderung dieser Denk- und Verhaltensweisen möchte ich jetzt hier nicht weiter eingehen, obwohl....

Aber dann schweife ich noch mehr ab.

Ich sehe die Bewußtseinsbildung des Einzelnen in der jetzigen Situation als Voraussetzung für die Durchsetzung der revolutionären Ziele und der Gestaltung der zukünftigen Gesellschaft. Ich sehe darin keine Verwischung sondern eine dialektische Einheit.

Das Umdenken vom ich zum wir muss über die Phasen der Vorbereitung und Durchführung des revolutionären Kampfes hinweg bestehen bleiben.
Ich muss wissen, welche Gesellschaftsform ich erstrebe und welche Herausforderungen an mich gestellt sind.
Gerade die Identifizierung mit dem Ziel Kommunismus stellt alle bisher gewohnten und teilweise unbewußt verinnerlichten Denk- und Verhaltensweisen auf den Kopf.

Das bedeutet zum Beispiel zu lernen, meine eigenen Bedürfnisse in die Bedürfnisse Aller zu intergrieren. Nicht unterzuordnen, sondern als Bestandteil des Strebens nach der Befriedigung der Bedürfnisse Aller zu sehen.

Das heißt ganz einfach: Alles was WIR wollen,müssen WIR erst erarbeiten.
Das gilt politisch wie ökonomisch!

Die Grundlagen dafür müssen wir heute schon schaffen, in der Gestaltung der Strukturen innerhalb von Parteien und Massenverbänden. Jeder Einzelne hat dabei die Verantwortung, in welche Richtung sie sich entwickeln.

Auf zur nächsten Runde ;)

kämpferische Grüße,

Steffen


Re: Die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft

Abgeschickt von Steffen Stein am
Hallo Stefan,
sorry - das ich deine Frage, wie ich das gemeint hatte mit der Forderung nach Gleichschaltung des Denkens und Aufforderung zur Denunzierung völlig verdrängt habe.
Wenn du noch mal liest;
Es ging um die Selbstüberprüfung der eigenen Sichtweise, die du schon, wie deine Antwort (im eigentlichen Sinne deine Frage) zeigt, sehr gut verstanden hast.

Aber leider ist es wirklich nicht für jeden totaler Unfug!

Ach und was deinen letzten Abschnitt betrifft: Doppelt und dreifach unterstrichen!!!

viele Grüße,
Steffen

p.s.:
Es geht mir in diesem Thema um nichts anderes, als die Entwicklung des proletarischen Bewußtseins, und die fängt mit der Erkenntnis der eigenen Rolle in der Gesellschaft - schon heute und hier an.

Re: Die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft

Abgeschickt von Frank am
Hallo Freunde,
ich komme mir hier vor wie bei den LINKEN, die es auch lieben, in ihren Abstraktionen zu baden.

Steffen: "Ohne die Identifikation der Massen mit den revolutionären Zielen kann es keine erfolgreiche Revolution geben!"

Was meint Ihr wohl, warum Marx drei Bände zum Kapital geschrieben hat? Doch nicht, damit wir alle Philosophen werden. Wollt Ihr das revolutionäre Bewußtsein der Hartzler, dem Heer der Arbeitslosen oder der ganzen Arbeiterklasse etwa mit theoretischen Abstraktionen entwickeln?

Nein, Ihr müsst die ökonomischen Gesetzmäßigkeiten des Zustandes und der weiteren Entwicklung des Kapitalismus, die alternativlos zur Verelendung der arbeitenden Klasse führt, an konkreten Ereignissen nachvollziehbar und verständlich beweisen - und vor allem müsst Ihr die historisch beispielhafte Entwicklung der DDR betonen.

Steffen: "Ohne die Identifikation der Massen mit den revolutionären Zielen kann es keine erfolgreiche Revolution geben!"

Als Sozialdemokrat würde es mir ein Leichtes sein, solchen Phrasen mit vergleichbarem Zeug die Luft abzulassen. Anstatt solch heißer Luft muss mithilfe der von Marx entdeckten Gesetze die zunehemende Verarmung, Lohnabbau und Arbeitslosigkeit verdeutlicht werden; es muss das Privateigentum an Produktionsmittel als alleinige Ursache dargestellt und der Hass auf die Großaktionäre und Unternehmer entwickelt werden. Denn was glaubt Ihr wohl, was ein "revolutionäres Bewußtsein" der Arbeitermassen anderes ist als der Hass auf den Klassenfeind?

Und ohne jeden Zweifel muss dem Argument der Sozialdemokratie, dass die DDR der Beweis für das Nichtfunktionieren des Kommunismus sei, energisch entgegengetreten werden mit dem offensichtlichen Gegenbeweis, dass die DDR gerade die Richtigkeit der gesamten marxistischen Lehre und des Funktionierens des Sozialismus ist.

Also Freunde, übt euch hier nicht im Phrasendreschen, denn das können die Sozialdemokraten besser. Besinnt euch auf die Stärken der Kommunisten, mit nachvollziehbaren Fakten die wahren Schuldigen an der Misere der Gesellschaft an den Pranger zu stellen: die Aktionäre und Unternehmer, also den Privatbesitz an Produktionsmitteln.

Re: Die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft

Abgeschickt von Frank am
Steffen: "Es geht mir in diesem Thema um nichts anderes, als die Entwicklung des proletarischen Bewußtseins, und die fängt mit der Erkenntnis der eigenen Rolle in der Gesellschaft - schon heute und hier an."

Und die Rolle des einzelnen ergibt sich aus seiner Stellung zu den Produktionsmitteln: besitze ich Prod.mittel, so muss ich Arbeiter ausbeuten, um mit "meinen" Waren auf dem Markt bestehen zu können; besitze ich keine Prod.mittel, so muss ich meine Arbeitskraft an den Besitzer der Prod.mittel verkaufen - ZUM WERT DER WARE ARBEITSKRAFT.

Und der Wert der Ware Arbeitskraft wird nach den objektiven Marktgesetzen gebildet - wie bei jeder anderen Ware auch - aus dem Minimum der Reproduktionskosten. Nur das, was der Arbeiter notwendiger weise zur Reproduktion seiner Arbeitskraft braucht, bildet den vom Markt anerkannten Wert der Arbeitskraft. Verlangt der Arbeiter mithilfe seiner Gewerkschaften mehr, dann muss die ganze Klasse diesen Frevel gegenüber den Marktgesetzen mit Massenarbeitslosigkeit und permanentem Lohnabbau bezahlen.

Die Verelendung der arbeitenden Klasse ist somit unaufhaltsam, weil sie den Gesetzen der privatkapitalistischen Wirtschaftsform entspricht. Innerhalb der kapitalistischen Grenzen ist die Verelendung nicht aufzuhalten. Die Ohnmacht der Gewerkschaften und der links-kleinbürgerlich-demokratischen Politik der Sozialdemokratie beweist die Richtigkeit dieser von Marx entdeckten Entwicklungsgesetze.

Dieses muss den Arbeitern ins Bewußtsein gebracht werden, damit sie die Einsicht gewinnen, dass nur der gemeinsame und energische Kampf für die Vergesellschaftung der Produktionsmittel die sozialen Probleme lösen kann. - Je eher, desto besser.

Re: Die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft

Abgeschickt von Steffen Stein am 01.08.2010 10:59
Hallo Freunde und Genossen,

leider war es mir eine Zeit nicht möglich online zu sein, was ich angesichts der Reaktionen um so mehr bedauere!
Schade, dass das Thema wieder in die Richtung der allgemeinen Erläuterung der Klassenwidersprüche gegangen ist. Ich denke die dürften klar sein!

Deswegen hätte ich dieses Thema nicht zu eröffenen brauchen!

Mir geht es um die persönliche Einstellung zu den damit verbundenen Herausforderungen.

Leider weiß ich nicht, ob die beiden vorhergehenden Beiträge von ein und der selben Person sind, da der Erste emotional aufgeladen ist, und der Zweite teilweise einem Aufsatz über den Antagonismus der Klassen gleicht.

Aber mehrere sehr wichtige Denkanstöße sind enthalten:

Was zum Beispiel ist eine Phrase?
Allein eine tausendfache Wiederholung macht eine Aussage und deren Inhalt nicht wertlos!
Ist es nicht eher meine Einstellung zum Inhalt einer Aussage, die sie in meinen Augen zur hohlen Phrase macht?
Muss ich, wenn andere diese Inhalte zu Phrasen erklären, das Gleiche tun?
Wenn wir uns darauf einlassen, müssen wir dann nicht alle Begriffe aus der revolutionären Arbeiterbewegung, Marx-Zitate usw. bis hin zu den Begriffen Sozialismus und Kommunismus neu erfinden, nur um nicht als Phrasendrescher abgestempelt zu werden?
(Das war übrigens eine besondere Herausforderung für aufrechte Kommunisten in der DDR)

Erschöpft sich revolutionäres Bewußtsein im "Hass auf den Klassenfeind"?
Oder lassen sich nicht gerade aus den Entwicklungen in der UdSSR wichtige Lehren ziehen?
Auch die Entwicklungen in der DDR lassen wichtige, grundsätzliche Erkenntnisse hinsichtlich der Entwicklung revolutionären Bewußtseins zu, wenngleich es in der DDR eine andere Ausgangslage gab.

Ein wichtiger Bestandteil der Bewußtseinsbildung ist hier und heute zum Beispiel die Einstellung zur Rolle der Gewerkschaften. Die Mitglieder der Gewerkschaften müssen erkennen und durchsetzen, dass diese ihre Kampfverbände sind, deren eigentlicher Sinn sich eben nicht in Tarifkämpfen erschöpft! Wie schwierig die Überzeugungsarbeit hinsichtlich dieses Erkenntnisprozesses ist, davon können kämpferische Mitglieder "ein Lied singen"!

Es geht also nicht ums philosophieren, sondern um ganz praktische Auseinandersetzungen - ganz im Sinne von Marx!

Re: Die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft

Abgeschickt von Stefan am 02.08.2010 21:08
Hallo Steffen,

ich kann´s halt (das Kommentieren) nicht lassen, obwohl ich so langsam "die Lust hier verliere", aber bei dir weiss ich wenigstens, dass ich eine Antwort bekomme...

ob`s die selbe Person ist? Ich denke schon. Zumindest was den "ersten Frank-Kommentar" betrifft, so habe ich da auch schon darauf hingewiesen (leider keine Antwort), dass es schwierig ist mit ihm zu diskutieren. Er wirft nicht nur dir vor Phrasen zu verwenden, dies macht er öfter. Habe ihn an anderer Stelle darauf hingewiesen und ihn auch kritisiert, aber wie gesagt = keine Antwort!

nun aber konkret: ich teile deine Auffassung der Bewertung einer "Phrase" ! = es geht einzig und allein um den Inhalt einer Aussage, nicht darum wie oft die Aussage gemacht/wiederholt wird. Kritik könnte aber dann laut werden, wenn die Aussage nicht verbunden wird mit der praktischen Tätigkeit (auch des Einzelnen), dann könnte man zurecht der Partei/Organisation/dem Einzelnen "Phrasendrescherei" vorwerfen. Nicht weil die Aussage an sich falsch ist, eine Phrase ist, sondern weil die Umsetzung (auch beim Einzelnen) fehlt.

Nehmen wir das/dein Beispiel "Einstellung zur Rolle der Gewerkschaften": die Forderung "machen wir die Gewerkschaften zu Kampforganisationen" ist inhaltlich unstrittig, ich denke zumindest bei den meisten hier im Forum, also eine richtige Aussage und auch keine Phrase. Wenn ich dies jedoch in der Praxis durch meine aktive Mitarbeit innerhalb des DGB nicht umsetze, lieber auf die zögernden Kollegen schimpfe, mich vielleicht auch noch überheblich und beleidigt zurückziehe.... (weil mich keiner versteht, weil die DGB-Führung ein reaktionärer Haufen ist...)dann wird die inhaltlich richtige Forderung/Aussage auch mich bezogen zur "Phrasendrescherei"

fast vergessen: "Erschöpft sich revolutionäres Bewußtsein im Hass auf den Klassenfeind?"
Nein, natürlich nicht, aber es ist schon wichtig aufzuzeigen wo der Feind steht!
wie du bereits erwähnt hattest, die selbstkritische Überprüfung der eigenen Denk- und Verhaltensweise... das "Wir" auch ganz praktisch den vielfach verbreiteten Meinungen entgegensetzen "wir bekommen keine zwei unter einen Hut" "gegen die da oben können wir sowieso nichts ausrichten" "der Mensch ist ein Egoist" "der Kommunismus funktioniert ja nie" usw. usw.

soweit für heute :)

Viele Grüße

Stefan H.

Re: Die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft

Abgeschickt von Steffen Stein am 06.08.2010 08:33
Hallo Stefan,
erst einmal bedauere ich, dass ich zu wenig Zeit habe, mich täglich hier zu beteiligen und damit umgehend zu antworten.

Es zeigt sich wieder mal, dass du mich recht gut verstanden hast und kann mich deiner Meinung eigentlicdh nur anschließen.
Ich sehe dass im Detail genauso und ich hätte es nicht besser schreiben können!

Re: Die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft

Abgeschickt von Frank am 08.08.2010 10:50
Steffen:

„Mir geht es um die persönliche Einstellung zu den damit verbundenen Herausforderungen.“

Die „Herausforderungen“, sollen sie zu historischen Veränderungen führen, müssen immer das persönliche, MATERIELLE Umfeld des einzelnen Menschen betreffen – also in der persönlichen Verarmung des Einzelnen gipfeln. Alles andere ist kleinbürgerlicher Firlefanz und keine „Herausforderung“. Und welche „persönliche Einstellung“ die Arbeiter zu ihrer eignen Verelendung haben, bedarf doch wohl keiner Diskussion. Es kommt also alleine auf das Verständnis der Ursachen dieser Verelendung (marxistische Ökonomie) und die damit verbundene Motivierung zur Vergesellschaftung der Prouktionsmittel an.

„Was zum Beispiel ist eine Phrase?“ – Zum Beispiel die Frage, was denn eine Phrase sei.

„Erschöpft sich revolutionäres Bewußtsein im "Hass auf den Klassenfeind"?“

Revolutionäres Bewusstsein umfasst die Kenntnis der Gesetzmäßigkeiten der kapitalistischen Wirtschaftsform UND der einzigen Möglichkeit ihrer Überwindung, also der Notwendigkeit der Vergesellschaftung der Produktionsmittel. Der Hass auf den Klassenfeind ist ein - wenn nicht DAS - wesentliches Symptom des „revolutionären Bewusstseins“. Und umgedreht: Ohne diesen Hass auf die ausbeutenden, schmarotzenden, lügenden Aktionäre und aller angeblichen „Arbeitgeber“, die, um an der Macht zu bleiben jedes Verbrechen begehen werden, wäre ein „revolutionäres Bewusstsein“ nur ..., na ?? - eine leere Phrase, richtig!

„Oder lassen sich nicht gerade aus den Entwicklungen in der UdSSR wichtige Lehren ziehen?“ – Unter anderem lässt sich genau diese Lehre aus der Geschichte der UdSSR und der DDR ziehen.

„Ein wichtiger Bestandteil der Bewußtseinsbildung ist hier und heute zum Beispiel die Einstellung zur Rolle der Gewerkschaften. Die Mitglieder der Gewerkschaften müssen erkennen und durchsetzen, dass diese ihre Kampfverbände sind, deren eigentlicher Sinn sich eben nicht in Tarifkämpfen erschöpft!“

Die Gewerkschaften müssen - wie es bereits Marx unmissverständlich gefordert hat - den ihnen von der besitzenden Klasse per Gesetz verordneten ökonomischen Rahmen sprengen und ihren Kampf politisch führen. Im handschriftlichen Nachlass von Marx fand man Notizen, die wahrscheinlich als Grundlage für spätere, ausführlichere Erläuterungen dienten. Unter dem Stichwort "Arbeiterassoziationen" (MEGW, Dietz 1975, S. 554) steht zu lesen: "3. Handelt es sich in den Assoziationen" (= Gewerkschaften) "wirklich nur um das, worum es sich zu handeln scheint, nämlich um die Bestimmung des Arbeitslohnes, wäre das Verhältnis von Arbeit und Kapital ein ewiges, so würden diese Koalitionen an der Notwendigkeit der Dinge erfolglos scheitern."

Stephan:

„Nehmen wir das/dein Beispiel "Einstellung zur Rolle der Gewerkschaften": die Forderung "machen wir die Gewerkschaften zu Kampforganisationen" ist inhaltlich unstrittig“

Die Gewerkschaften SIND doch aber objektiv bereits „Kampforganisationen“, mit jedem Plakat, jedem Funktionärssatz, jeder Tarifrunde, ja selbst jede ihrer Kapitulationen zeugt alleine von ihrem Charakter als Kampforganisation. Sie dazu machen zu wollen, ist absurd und nichts als eine gegenstandslose Phrase. Es kommt vielmehr darauf an, den Kampf der Gewerkschaften auf die politische Ebene zu heben, ihn auf die Besitzform der Produktionsmittel zu lenken. Lest euch den Marxschen Satz bitte noch einmal durch.

Die gegenwärtige Ohnmacht des DGB (und natürlich auch der Sozialdemokratie) gegenüber dem Kapital, also den „Arbeitgebern“, hat eine objektive Ursache – nämlich die „ehernern Gesetze", wie Marx sie bezeichnete, der privaten Marktwirtschaft allgemein und der Konkurrenz im Speziellen. Alleine hier, bei den Grundlagen der kapitalistischen Wirtschaftsform, kann die Arbeit zu einem „revolutionären Bewusstsein“ der Arbeiter, insbesondere in den Gewerkschaften, beginnen. Diese objektiven Gesetze, die zur weiteren Verelendung der arbeitenden Klasse führen MÜSSEN, gegen die eine von der bürgerlichen Klasse bewusst auf Lohnforderungen beschränkte Gewerkschaftsbewegung nicht den Hauch einer Chance hat, diese objektiven Gesetze müssen im Mittelpunkt der „Bewusstseinsentwicklung des einzelnen“ stehen. Alles andere sind Phrasen!

Frank

Re: Die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft

Abgeschickt von Stefan am 08.08.2010 15:48
Hallo Frank,

du ziehst dir wohl ziemlich unsystematisch mal zur Zeit so alles mögliche von Marx rein?
Danach nimmst du ein paar Sätze, überträgst sie auf eine heutige konkrete Situation, spielt da schon gar keine Rolle ob es um Taktik oder Strategie, um grundsätzliches oder sonstiges geht usw. usw.
und dann fängst du an zu kritisieren, wenn du Lust hast antwortest du auf Kritiken, wenn nicht, gehst du halt zum nächsten Thema über und lässt dich da aus, und? = und DU verbreitest nichts als Phrasen!!!

"die Gewerkschaften sind doch aber objektiv bereits Kampforganisationen..."
allein diese Satz genügt, dass man sieht, dass du von der Höherentwicklung des proletarischen Bewußtseins, von den tagtäglichen Auseinandersetungen in der Praxis, im DGB,von Strategie und Taktik im Klassenkampf keine Ahnung hast!
Und du willst dann den Kampf der Gewerkschaften auf die politische Ebene heben? da bin ich aber gespannt wie du das anstellen willst, tut mir leid, das Ganze bestätigt nur das, was wir (Steffen und ich) oben beschrieben haben = bei dir wird das dann zur Phrasendrescherei und das schlimme daran, du machst dich nicht zum ersten Mal über die anderen dabei auch noch lustig.

"Gewerkschaften und Klassenkampf" , auch schon gelesen? = sehr zu empfehlen, aber nicht beim lesen belassen! :)

Stefan H.

Re: Die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft

Abgeschickt von Frank F. am 10.08.2010 08:13
Stefan:

"allein dieser Satz ("die Gewerkschaften sind doch aber objektiv bereits Kampforganisationen") genügt, dass man sieht, dass du von der Höherentwicklung des proletarischen Bewußtseins, von den tagtäglichen Auseinandersetungen in der Praxis, im DGB,von Strategie und Taktik im Klassenkampf keine Ahnung hast!"

Lieber Stefan, ich glaube eher, dass jeder sieht, dass du hier alleine in deinen Phrasen badest.

"Höherentwicklung des proletarischen Bewußtseins" - bitte was soll das denn sein? Bisher sind wir hier immer vom "revolutionären Bewusstsein“ ausgegangen, worunter wohl jeder leicht das zu einer Revolution notwendige Bewusstsein versteht. Und dass dieses revolutionäre Bewußtsein die höchste Stufe des „proletarischen Bewusstseins“ ist, wer sollte das nicht begreifen? Was willst du also mit deinem "proletarischen Bewusstsein“ bezwecken?

„tagtägliche Auseinandersetungen in der Praxis“ – Welche? Du/Ihr redet hier doch nur immer in allgemeinsten Abstraktionen wie Bewusstsein, Revolution etc. Vom alltäglichen Kampf der Arbeiter lese ich bei euch wenig.

„DGB“ – Dass die Gewerkschaften in er letzten (revolutionären) Klassenschlacht eine entscheidende Rolle spielen, ähnlich den russischen Sowjets, darüber sind wir uns ja einig. Doch muss man dazu den jeweiligen Stand der Gewerkschaften analysieren. Sie allgemein zu einer „Kampforganisation“ machen zu wollen, ist ohne die Erwähnung des politischen Klassenkampfes auch nur wieder eine abstrakte, leere Phrase.

„Strategie und Taktik im Klassenkampf“ – … Werde endlich mal konkret!

„Und du willst dann den Kampf der Gewerkschaften auf die politische Ebene heben?“

Nur der politische Klassenkampf, geführt letztendlich um den gesellschaftlichen Besitz an Produktionsmitteln, gibt der ganzen Gewerkschaftsbewegung ihren Sinn, denn – ich darf Marx noch mal zitieren:

„Handelt es sich in den Assoziationen" (= Gewerkschaften) "wirklich nur um das, worum es sich zu handeln scheint, nämlich um die Bestimmung des Arbeitslohnes, wäre das Verhältnis von Arbeit und Kapital ein ewiges, so würden diese Koalitionen an der Notwendigkeit der Dinge erfolglos scheitern.“

Nicht ICH werde den Gewerkschaftskampf auf die politische Ebene heben, sondern die Gewerkschaften. Und sie werden keine andere Wahl haben, weil andernfalls die Verelendung der Arbeitermassen grenzenlos sein wird. Marx sagte mal in diesem Zusammenhang:

„Die Arbeiterklasse ist revolutionär oder sie ist nichts.“

Abgewandelt kann man sagen: Der Gewerkschaftskampf muss politisch geführt werden oder er ist gegenstandslos. Und unsere Aufgabe besteht nun alleine darin, den Arbeitern zu erklären, dass ihr Kampf um höhere Löhne in letzter Instanz völlig sinnlos ist; er kann nur ein Zwischenschritt sein, ein Instrument zur Entwicklung des revolutionären Bewusstseins, also zum Verständnis dafür, dass nur die Vergesellschaftung der Produktionmittel ihre sichere Verelendung stoppt.

Frank F.

Re: Die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft

Abgeschickt von Frank F. am 10.08.2010 09:34
Stefan: „Und du willst dann den Kampf der Gewerkschaften auf die politische Ebene heben?“

Bleiben wir also noch etwas beim Gewerkschaftskampf. Im Ringen um ein „revolutionäres Bewusstsein“ kommt man bei den deutschen Gewerkschaften ganz schnell zu dem Punkt, an dem uns der typische Gewerkschafter als Sozialdemokrat gegenübersteht. Letztlich sind die deutschen Gewerkschaften sämtlichst Ausläufer der deutschen Sozialdemokratie, zu denen ich die SPD und DIE LINKE zähle. Dieses zu wissen führt uns nun dazu, die Strategie und Taktik GEGEN die deutsche Sozialdemokratie und FÜR eine revolutionäre Gewerkschaftsbewegung zusammenzufassen. Letztlich steht uns in beiden Fällen nur der biedere, ängstliche,zu allen Kompromissen bereite deutsche Sozialdemokrat gegenüber.

Ohne an dieser Stelle nun das Wesen des Sozialdemokraten weiter zu beleuchten, möchte ich hierzu noch einen Gedanken zur Strategie loswerden. Im Kampf um die Gewerkschaften und gegen die Sozialdemokratie ist es für uns Marxisten unumgänglich, unsere Kräfte zu vereinigen. Bevor man also an konkrete Maßnahmen herangeht, müssen sich alle Marxisten unter ein Banner stellen. Ob sie das nun innerhalb einer gemeinsamen Partei machen oder in einer übergeordneten Organisationsform, ist dabei zunächst unerheblich. Wichtig alleine ist, dass die Arbeiter nicht mehrere, miteinander zerstrittene, letztlich also doch nur pseudomarxistische Parteien zur Auswahl haben. Für die MLPD bedeutet dies ganz konkret, Kontakt zur DKP und den anderen marxistischen Parteien aufzunehmen und über einen Zusammenschluss, in welcher Form auch immer, zu beraten. In diesen Beratungen müssen die strittigen Fragen, die nichts mit dem gemeinsamen strategischen Ziel, nämlich der Vergesellschaftung der Produktionsmittel, zu tun haben, ausgeklammert werden. Wie hart diese Verhandlungen auch immer ausfallen mögen, sie müssen erfolgreich abgeschlossen werden. Danach, nachdem also ein gemeinsames Strategiepapier erarbeitet wurde, geht es an die gemeinsame Arbeit, um die Gewerkschaften unter eine marxistische Führung zu bringen und danach den Gewerkschaftskampf auf die politische Ebene zu heben.

NICHTS, aber auch gar nichts wird sich in unserem Land ändern, solange die Gewerkschaften sozialdemokratisch geführt werden. Und um die Gewerkschaften unter unsere Kontrolle zu bringen (ich freue mich schon auf die Proteste gegen diese „undemokratische“ Formulierung), müssen wir uns vereinigen. Die Proletarier aller Länder können sich nicht vereinigen, wenn sich nicht zuvor die Marxisten vereinigt haben.

Frank

Re: Die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft

Abgeschickt von Stefan am 11.08.2010 12:12
nun Frank,

du schlägst zwar ganz schön um dich, aber:

- trotz mehrmaligen Lesens habe ich nicht einen einzigen KONKRETEN Punkt von Kampfmaßnahmen gefunden an denen sich die Gewerkschafter beteiligen sollen um das Klassenbewußtsein höher zu entwickeln (das ist ja das was du mir gerade vorwirfst) Hättest du meine Beiträge richtig gelesen, wärst vielleicht auch mal auf Fragen eingegangen (zum Beispiel "beteiligst du dich als Gewerkschafter an der Kampagne "gerecht geht anders", nebenbei ich tue es und zwar ganz konkret!), für mich wieder nur viel "Schaumschlägerei"
und ganz konkret: ich bin gewerkschaftlicher VM, aktiv in der Organisation bei unserem letzten Streik gewesen,Mitglied unserer gew. Betriebsgruppe die eine treibende kraft bei den (bisherigen) Protesten gegen das "Sparpaket" bei uns war (könnte hier noch mehr aufführen), Mitglied einer Friedensinitiative in der meine kommunistische Grundeinstellung klar für jeden erkennbar ist

- Gewerkschaften (der DGB) sind für mich keine Organisationen die durch die Kommunisten unter ihre Kontrolle zu bringen sind. Gewerkschaften sind Einheitsgewerkschaften in denen sowohl Christen , Sozialdemokraten, Kommunisten als auch parteilose vertreten sein müssen und gleichberechtigt ihre Ziele und Meinungen vertreten dürfen (so unter anderem natürlich auch Kommunisten das strategische Ziel!)

- der typische Gewerkschafter steht uns als Sozialdemokrat gegenüber? Genau das meine ich, wenn ich behaupte, dass du keine Ahnung hast! Du unterscheidest nicht zwischen der DGB-Führung und den einfachen Mitgliedern, du betreibst im Endeffekt sektiererische Politik und stösst womöglich noch die Kollegen (auch Sozialdemokraten!) vor den Kopf die an einer ehrlichen und offenen Auseinandersetzung interessiert sind

- du lehnst weiterhin den kampf um Tagesforderungen ab. Dies ist aber mitentscheidend um das Vertrauen der Arbeiterklasse zu gewinnen, wichtig, dass Erfahrungen im Kampf (Siege und Niederlagen, wem können wir vertrauen und wem nicht...)gemacht werden. Und, die Aussage das ändert alles nichts am kapitalistischen Sysytem ist zwar richtig, bleibt beim Verzicht auf diese Kämpfe, na was wohl = EINE HOHLE PHRASE !!!

Stefan H.

Re: Die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft

Abgeschickt von Frank F. am 12.08.2010 10:09
Hallo Stefan.

„Trotz mehrmaligen Lesens habe ich nicht einen einzigen KONKRETEN Punkt von Kampfmaßnahmen gefunden, an denen sich die Gewerkschafter beteiligen sollen, um das Klassenbewußtsein höher zu entwickeln“

Ich sagte mit Verweis auf Marx, dass die gegenwärtigen Gewerkschaften durch ihre sozialdemokratische Führung und Weltanschauung, also ausgehend von den kapitalistischen Besitz- und Verteilungsverhältnissen als unveränderlicher und ewiger Tatsache, in ihrem rein ökonomischen Kampf hoffnungslos verloren, chancenlos und nur noch ein zahnloser, winselnder Hund sind. Es ist insofern richtig, dass ich einer solchen Organisation unter diesen Umständen keine konkreten Maßnahmen empfehlen kann. Ich habe aber gleichzeitig betont, dass der politische Klassenkampf, letztlich geführt um den gesellschaftlichen Besitz an Produktionsmitteln, die eigentliche, KONKRETE Aufgabe der Gewerkschaften ist - die historische Mission der Arbeiterklasse. Wir können uns gerne im Weiteren um die konkreten Schritte im politischen Klassenkampf der Gewerkschaften unterhalten, müssen aber zuvor bei der Bedeutung des politischen Kampfes einerseits und der Hoffnungslosigkeit des ökonomischen einig sein.

Und im übrigen müsstest du uns doch mal erklären, wie DU dir vorstellst, dass die Sozialdemokratie in den Gewerkschaften „das Klassenbewußtsein höher zu entwickeln“ gedenkt. Für mich sind die SPD und die rechte LINKE (Gysi & Co) ausdrückliche Bremsen jeder Höherentwicklung. Sie müssen aus den Gewerkschaften verbannt werden, soll sich das Bewusstsein bei den Arbeitern entwickeln.

„ich bin gewerkschaftlicher VM, aktiv in der Organisation bei unserem letzten Streik gewesen, … eine treibende Kraft bei den (bisherigen) Protesten gegen das "Sparpaket" ..., Mitglied einer Friedensinitiative in der meine kommunistische Grundeinstellung klar für jeden erkennbar ist“

Das sind nun viele Probleme auf einmal.

Zum Streik: So wichtig der Streik als Kampfform auch ist, genauso sinnlos ist er, wenn er nur um den lieben Lohn oder den Job geführt wird, denn … – ich kann es nicht besser als Marx formulieren: „Handelt es sich in den Assoziationen (= Gewerkschaften) wirklich nur um das, worum es sich zu handeln scheint, nämlich um die Bestimmung des Arbeitslohnes, wäre das Verhältnis von Arbeit und Kapital ein ewiges, so würden diese Koalitionen an der Notwendigkeit der Dinge erfolglos scheitern“. Man muss den Arbeitern bei jedem Streik um Lohn und Job sagen, dass sie im Grunde gegen ihre eigenen Klasseninteressen kämpfen, alleine für ihren eigenen, persönlichen Vorteil. Dass man sich trotzdem oder vielleicht sogar dazu natürlich am Streik beteiligen muss, ist dabei nun wieder eine andere Sache. Aber alleine diese Stellung zum ökonomischen Streik unterscheidet den Kommunisten vom Sozialdemokraten.

Zum Sparpaket: Der Kampf gegen Hartz und die unzähligen Sparpakete der bürgerlichen Regierungen ist die unendliche Spielwiese der deutschen Sozialdemokratie – solange sie in der Opposition ist. SPD und LINKE können gar nicht laut genug gegen beides schreien. Wenn sie dann aber an der Regierung sind, werden die Hartzsätze gekürzt und ein neues Sparpaket aufgelegt. Der reine Protest gegen solche bürgerlichen Schelmenstreiche beeindruckt mich nun gar nicht, da er zum Wesen des bürgerlichen Politspektakels gehört. Was hättest DU denn als Alternative zum Sparpaket anzubieten? Die Reichensteuer? Mit ihr verschärfst du nur die sozialen Spannungen, anstatt sie zu entlasten.

Auf die „Friedensinitiativen“ möchte ich nicht weiter eingehen, da wir uns hier sonst verzetteln.

„Gewerkschaften (der DGB) sind für mich keine Organisationen, die durch die Kommunisten unter ihre Kontrolle zu bringen sind. Gewerkschaften sind Einheitsgewerkschaften, in denen sowohl Christen , Sozialdemokraten, Kommunisten als auch parteilose vertreten sein müssen und gleichberechtigt ihre Ziele und Meinungen vertreten dürfen (so unter anderem natürlich auch Kommunisten das strategische Ziel!)“

Zunächst, bliebe dieser Satz so stehen, outest du dich mit dieser Einstellung unleugbar als Sozialdemokrat. Du kannst nicht den Titel eines Kommunisten für dich beanspruchen, gleichzeitig aber in der wichtigsten Kampforganisation der Arbeiterklasse den kleinbürgerlichen und gar religiösen Strömungen ein volles Mitspracherecht einräumen. Was verstehst Du denn unter Klassenkampf? Doch zum Glück widersprichst Du dir selber schon im nächsten Satz:

„Der typische Gewerkschafter steht uns als Sozialdemokrat gegenüber? ... Du unterscheidest nicht zwischen der DGB-Führung und den einfachen Mitgliedern, du betreibst im Endeffekt sektiererische Politik und stösst womöglich noch die Kollegen (auch Sozialdemokraten!) vor den Kopf, die an einer ehrlichen und offenen Auseinandersetzung interessiert sind.“

Nun müssen wir also erst mal deine Gedanken ordnen. Mit der „offenen Auseinandersetzung“ hast du eine Form des Klassenkampfes angesprochen. Und gegen wen? – Gegen die Sozialdemokraten! Wenn du aber innerhalb der Gewerkschaften GEGEN die Sozialdemokraten in "offener Auseinandersetzung" kämpfst, dann kannst du ihnen nicht - wie du es im ersten Satz getan hast - einen offiziellen Platz in den Gewerkschaften einräumen. Du gibst mir im zweiten Satz also recht, wenn ich sage, dass wir als Kommunisten die Kontrolle über die Gewerkschaften bekommen müssen, widersprichst mir jedoch im ersten, indem du die Sozialdemokraten als gleichwertige Partner akzeptierst. „Unter unsere Kontrolle bringen“ beinhaltet natürlich zum großen Teil die Überzeugungsarbeit, an deren Ende ein Sozialdemokrat zum Kommunisten wird – und dann auf „unserer“ Seite steht. Wer als Sozialdemokrat diesen Schritt jedoch nicht macht und an den kapitalistischen Besitzverhältnisses festhält, der muss innerhalb der Gewerkschaften bekämpft werden - in einer „offenen Auseinandersetzung“.

„du lehnst weiterhin den Kampf um Tagesforderungen ab. Dies ist aber mitentscheidend um das Vertrauen der Arbeiterklasse zu gewinnen, wichtig, dass Erfahrungen im Kampf (Siege und Niederlagen, wem können wir vertrauen und wem nicht...) gemacht werden.“

Wie oben erwähnt: Natürlich muss man sich auch an den sozialdemokratischen "Tagesforderungen" beteiligen - soweit man sie eben nicht verhindern und kommunistische Tagesforderungen durchsetzen konnte. Doch man muss als Kommunist die Arbeiter unaufhörlich darauf hinweisen, dass diese sozialdemokratischen "Tagesforderungen", weil sie sich auf Lohn und Job begrenzen, erstens ohne jede Chance sind, zweitens, falls sie doch mal von Erfolg gekrönt sind, sie gegen die Klasseninteressen der Arbeiter gerichtet sind und drittens - von den Sozialdemokraten stammen. Wenn ein Arbeiter mehr Geld bekommt, bekommen zwei andere weniger; wenn dem einen Proleten der Job garantiert wird, fliegen zwei andere aufs Pflaster. Und – mal Hand aufs Herz – argumentierst Du so mit deinen Kollegen in deinen „offenen Auseinandersetzungen“ mit der Sozialdemokratie? Es kann auch ganz schnell geschehen, dass man nicht andere von der Richtigkeit der marxistischen Analysen überzeugt, sondern sich - unbewusst - selber objektiv den Sozialdemokraten anschließt, zum Revisionisten und Opportunisten wird und alleine der Verewegung des Kapitalismus dient.

Viele Grüße,
Frank

Re: Die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft

Abgeschickt von Stefan am 12.08.2010 23:15
Hallo Frank,

ich wollte eigentlich (aufgrund deines anderen Beitrages, den ich als "Käse" bezeichnet habe - wegen den Aussagen zu Stalin und zur Entwicklung der ehemals sozialistischen Staaten...) nicht mehr antworten, aber dies ist mir doch etwas zu provokativ, dass ich nur darüber "lächeln/lachen" könnte. Du kommst daher wie der "große Revolutionär", der über alles Erhaben ist, die sozialdemokratisch orientierten/organisierten Kollegen mit der Sozialdemokratie (der Führung) gleichsetzt, jeden, der einen ökonomischen Kampf führt zum Sozialdemokraten abstempelt, da du ihm (mir) unterstellst(!), dass er (ich) ihn nicht dazu benutzt ihn zum politischen kampf höherzuentwickeln (nebenbei: in jedem ökonomischen kampf stecken Keime des politischen kampfes!)
"Der Kampf gegen hartz IV und die unzähligen Sparpakete ist die Spielwiese der Sozialdemokratie"??? Ja sicher müssen wir die Scheinheiligkeit der SPD-Führung in der opposition entlarven....und wenn du hier aktiv wärst, dann wüßtest du, dass dies u.a. die Montagsdemonstranten seit nunmehr 6 Jahren auch tun, genauso wie die Kollegen an der Basis in den Gewerkschaften, denen braucht keiner (mehr) mit der SPD zu kommen! Bei der partei Die LINKE sehe ich das schon differenzierter, dies hat aber nichts damit zu tun, bevor du gleich wieder losschlägst :), dass mir nicht klar wäre, dass sie in der Gesamtheit nicht den kapitalismus stürzen will.

Du wirfst allen vor, dass sie mit ihrer Politik objektiv gesehen an der Seite derjenigen stehen, die der Verewigung des kapitalismus dienen. Die Einen weil sie sich gegen den Verrat am Sozialismus wenden und deshalb wachsam sind (von China und der Kulturrevolution hälst du wahrscheinlich gar nichts, und Mao war für dich wahrscheinlich auch so ein "Verbrecher" wie Stalin?), die anderen weil sie sich für die ökonomischen Tagesforderungen einsetzen. Und wo stehst DU? Organisiert bist du ja sicherlich nicht beim "winselnden Hund" - DGB, da werden/sind ja alle Revisionisten/Opportunisten oder besser ausgedrückt = Sozialdemokraten :)
wahrscheinlich sitzt du zu Hause, schimpfst auf die "Sozialdemokraten", liest "schlaue" Bücher und überlegst wie du die Revolution morgen ausrufen könntest...oder vielleicht sollten wir (die Kommunisten) uns doch vorher eher "vereinigen", das Grundsätzliche lassen wir dann aber auf einmal außen vor, Hauptsache wir "übernehmen" die Gewerkschaften und es geht gegen die "Sozialdemokratie"

dafür, dass ich nicht mehr antworten wollte, na ja, ganz schön viel Text. Aber du brauchst nicht darauf zu reagieren, ich werde, was sonst nicht(!) meine Art ist, nicht mehr reagieren! wir werden ganz allein in der Praxis(!) sehen, wie sich wer von uns beiden wo und bei was dann wie verhält! das "Urteil" fällen dann zum Glück andere :)

Stefan H.

Re: Die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft

Abgeschickt von Steffen Stein am 13.08.2010 21:35
Hallo Freunde,
wiedereinmal hat mir mein Terminkalender wenig Spielraum zu eigenen Beiträgen gelassen.
entschuldigt bitte!

Ich denke, was ihr hier in puncto Gewerkschaften herauskristalisiert habt, sind die wachsenden Konflikte der Gewerkschaftsbasis mit den Vorständen. Natürlich ist es wichtig auch den Kampf um die sogenannten "Tagesforderungen" zu unterstützen (nicht aber darauf eingrenzen).
Gerade in der Erfahrung immer häufiger werdender fauler Kompromisse liegt das Potenzial dessen, was wir Schule des Klassenkampfes nennen. Über kurz oder lang wird die Basis sich von diesen Vorständen trennen müssen, oder die Kampfkraft der Gewerkschaften wird durch Mitgliederschwund bis zur Bedeutungslosigkeit zerstört (siehe Geschichte). Genau das hat Marx schon in seinen Ausführungen verdeutlicht.
Hier sind wir wieder beim Thema Bewußtsein.
Die Gewerkschaften sind die Verbände der Mitglieder, die sich bewußt machen müssen, dass die derzeitigen Vorstände nicht für Auseinandersetzung stehen, sondern als opportunistischer Ordnungsfaktor fungieren.
Wieder einmal geht es um die Rolle des Einzelnen, um die ganz individuelle Einstellung des Einzelnen zu SEINER Gewerkschaft.
Duldung ist Opportunismus!
Das Bebot der Stunde ist die Erkämpfung des politischen Streikrechts!
Das umfasst aber auch im Vorfeld die Solidarisierung mit dem Heer der Arbeitslosen, die ganz gezielt als Streikbrecher - unter Androhung von allen möglichen Repressalien - mißbraucht werden.

Re: Die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft

Abgeschickt von Frank F. am 14.08.2010 23:51
Hallo Stefan,
ich weiß gar nicht, warum du so aggressiv wirst. Ich wollte doch nur darauf hinweisen, dass der ökonomische Kampf um Lohn und Job völlig sinnlos ist und langfristig kein einziges Problem löst. Wennn wir in diesem Punkt einer Meinung sind, dann ist doch alles bestens.

"Du kommst daher wie der "große Revolutionär", der ... die sozialdemokratisch orientierten/organisierten Kollegen mit der Sozialdemokratie (der Führung) gleichsetzt, ..."

Ich glaube, es ist etwas blauäugig von dir, alleine die Führungen von Sozialdemokratie und Gewerkschaften für den Opportunismus verantwortlich machen zu wollen, den Mitgliedern jedoch ein potentiell kommunistisches Bewußtsein anzudichten. Und - obwohl du auf diesem Gebiet mit Sicherheit mehr Erfahrung hast - warum gehen dann diese Kollegen nicht zu den kommunistischen Parteien? Warum wählen sie keine kommunistischen Gewerkschaftsführer? Warum stellt die Basis keine kommunistischen Forderungen? Ich kann nicht glauben, dass nur die Führung der Gewerkschaften sozialdemokratisch sein soll. Und erzähle uns doch einfach mal, was deine Kollegen zum politischen Generalstreik sagen - der ihnen/euch von den Bürgerlichen verboten wurde. Was sagen deine Kollegen zu solidarischen Streiks, dass heißt, würden die Bauarbeiter auch streiken, wenn die Metaller streiken - und umgedreht? Weder habe ich jemals eine politische Forderung gesehen, noch haben die einzelnen Gewerkschaften auch nur den Finger gerührt, wenn andere in den Kampf gezogen sind. Das Bürgertum beherrscht NOCH die deutschen Gewerkschaften, zu einem anderen Ergebnis kann ich nicht kommen.

"... nebenbei: in jedem ökonomischen kampf stecken Keime des politischen kampfes!"

Das kann nicht stimmen. Die vollständige Ohnmacht der deutschen Gewerkschaften, ihr branchenbezogen absolut unsolidarisches Verhalten, ihre völlige Ignoranz den Millionen Arbeitslosen gegenüber beweist, dass sie nur auf ihren begrenzten ökonomischen Erfolg aus sind und nicht den Hauch einer politischen Absicht verfolgen. Nicht einmal gegen die Rente mit 67 (im Grunde auch nur eine ökonomische Forderung) haben die deutschen Gewerkschaften den leisesten Mucks von sich gegeben, wogegen in Frankreich und Griechenland Generalstreiks organisiert wurden. Lieber Stefan, du siehst deine Gewerkschaften wirklich durch eine rosa-rote Brille. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sind die deutschen Gewerkschaften und der DGB geradezu reaktionär.

"Ja sicher müssen wir die Scheinheiligkeit der SPD-Führung in der Opposition entlarven ... und wenn du hier aktiv wärst, dann wüßtest du, dass dies u.a. die Montagsdemonstranten seit nunmehr 6 Jahren auch tun"

Sei bitte nicht sauer, aber als ostdeutscher Kommunist stellen die "Montagsdemos" den Inbegriff der Konterrevolution dar. In ihnen haben seinerzeit in Leipzig die von den westdeutschen Unternehmern aufgehetzten Arbeiter nach der Kapitalistenherrschaft geschrien - mit Erfolg. Nun werden sie vom deutschen Kapital beherrscht, betrogen und ausgebeutet. Mir kann heute niemand erklären, dass ausgerechnet in diesen Montagsdemonstrationen plötzlich die Herrlichkeit der Kommunisten besungen wird. Ihr mögt ja an euren Montagen die SPD kritisieren, aber sicher nicht mit den Kommunisten als Alternative.

"Du wirfst allen vor, dass sie mit ihrer Politik objektiv gesehen an der Seite derjenigen stehen, die der Verewigung des kapitalismus dienen." - Genau! Natürlich außer den Kommunisten.

"Die Einen, weil sie sich gegen den Verrat am Sozialismus wenden ..."

EINEN VERRAT AM SOZIALISMUS HAT ES NIE GEGEBEN!!!!

"... die anderen, weil sie sich für die ökonomischen Tagesforderungen einsetzen."

Du ignorierst einfach den Unterschied zwischen der Sozialdemokratie, die das kapitalistische System trägt und stützt, und den Kommunisten, die es durch den Sozialismus ersetzen wollen. Diese SOZIALDEMOKATISCHEN "ökonomischen Tagesforderungen" sind, je öfter du sie wiederholst, nur ein Alibi für dich, um im Sumpf der deutschen Sozialdemokratie untertauchen zu können. Ob du nun den Kampf absichtlich auf die sinnlosen "ökonomischen Tagesforderungen" der SPD beschränkst oder dich nur schulterzuckend an ihm beteiligst, ist objektiv doch völlig belanglos. Du bist, sobald du sie aktiv ohne weiteren Kommentar unterstützt, ein Sozialdemokrat und sicherst das Weiterbestehen des Kapitalismus. Ein Kommunist macht jedoch das genaue Gegenteil!

viele Grüße,
Frank F.

Re: Die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft

Abgeschickt von Jens-Uwe Springer am 15.08.2010 14:30
Schön dass wir Frank und seinen Kampf gegen die Phrasen haben und nun wissen

"es muss das Privateigentum an Produktionsmittel als alleinige Ursache dargestellt und der Hass auf die Großaktionäre und Unternehmer entwickelt werden. Denn was glaubt Ihr wohl, was ein "revolutionäres Bewußtsein" der Arbeitermassen anderes ist als der Hass auf den Klassenfeind?"

Wenn das revolutionäre Bewusstsein sich auf Hass auf den Klassenfeind beschränken würde, wäre das Bewusstsein nicht revolutionär und bliebe der Sozialismus eine Utopie.

Frank sollte sich dann doch lieber nochmal die 11. Feuerbachthese bei Marx anschauen.
Der "Hass" ist eher eine unvermeidliche Nebenerscheinung der Revolution, da sich die Herrschenden nunmal dem gesellschaftlichen Fortschritt entgegenstellen.
Revolutionär ist aber erst was nicht nur die Wirklichkeit erkennt sondern sie positiv verändern will und auch tut."

Da lobe ich mir doch die Herangehensweise von Steffen, der nach der Stellung des Einzelenen fragt und sie Herausfordert, um die Wirklichkeit zu verändern. Wir brauchen, wie Steffen im Eingangsbeitrag erwähnt, wirklich Massenverbände, um den Massen zu helfen, sich mehr und mehr mit den revolutionären Zielen identifizieren zu können.

Ich denke aber das wir eine etwas differenziertere Sicht dafür brauchen als Steffen uns vorschlägt.
"Wieder einmal geht es um die Rolle des Einzelnen, um die ganz individuelle Einstellung des Einzelnen zu SEINER Gewerkschaft.
Duldung ist Opportunismus!"
Es gibt bestimmt diejenigen, die opportunistisch sind und sich den herrschenden Verhältmnissen unterwürfig und anbiedernd anpassen, um selber vielleicht ihre Karriere zu machen. Die Masse der Gewerkschafter ist damit aber wohl kaum zu qualifizieren.
Was Steffen als "Duldung" vorkommt ist z.B. auch eine Art wie seit Jahrzehnten eingeimpft und gelehrt wurde. (Alle vier Jahr wählen, ansonsten den gewählten "Führern" die Sache überlassen. "Verhandeln" statt kämpfen, Kompromissbereitschaft statt voller Durchsetzung der Forderungen)
Da stemmt sich jetzt mehr und mehr eine andere Haltung entgegen, wie sie in der "Dortmunder Erklärung" zum Ausdruck kommt.
Das erwachende Klassenbewusstsein festigt sich immer mehr und zeigt punktuell bereits revolutionäre Züge wie zuletzt in Sindelfingen.
Allgemeiner Linkstrend in der Bevölkerung.
Schweigen bedeutet im allgemeinen Zustimmung, so sagt man.
Tatsächlich gibt unter der Oberfläche aber auch das Abwarten und Hoffen auf den passenden Moment, denen da oben mal richtig eine überbraten zu können,
es gibt die zur Explosion neigende Stimmung,
der nur das Ventil fehlt.
Wenn in Umfragen der Sozialismus als positive Perspektive angesehen, aber seine MÖGLICHKEIT bezweifelt wird. Dann ist dies für uns DER Hinweis darauf worauf es ankommt.
Den Massen zu helfen die richtigen Schlüsse aus den Erfahrungen des Sozialismus und der Restauration des Kapitalismus zu ziehen.
Eine Auseinandersetzung die wir im Massenumfang aber auch mit jedem Einzelnen zu führen haben.

Beste Grüße
Jens-Uwe



Re: Die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft

Abgeschickt von Jens-Uwe Springer am 16.08.2010 10:10
Frank und sein
kleiner Pseudomarxismus

Ich wollte doch nur darauf hinweisen, dass der ökonomische Kampf um Lohn und Job völlig sinnlos ist (...)
"... nebenbei: in jedem ökonomischen kampf stecken Keime des politischen kampfes!"
Das kann nicht stimmen.

Ein Marxist der den ökonomischen Kampf für sinnlos erklärt hört auf Marxist zu sein !!!

"Andererseits ist aber jede Bewegung, worin die Arbeiterklasse als Klasse den herrschenden Klassen gegenübertritt und sie durch Druck von aussen zu zwingen sucht, eine politische Bewegung. Z.B. der Versuch, sich in einer einzelnen Fabrik oder auch nur in einem einzelnen Gewerk durch streiks usw. von den einzelnen Kapitalisten eine beschränkung der Arbeitszeit zu erzwingen, ist eine rein ökonomische Bewegung; dagegen die Bewegung, ein Achtstundentag usw. Gesetz (heute z.B. Mindestlohngesetz der Verf.) zu erzwingen, ist eine politische Bewegung.
Und in diesr Weise wächst überall aus den vereinzelten ökonomischen Bewegungen der Arbeiter eine politische Bewegung hervor (...)"
Brief von Marx an Bolte 1871

Ich glaube, es ist etwas blauäugig von dir, alleine die Führungen von Sozialdemokratie und Gewerkschaften für den Opportunismus verantwortlich machen zu wollen, den Mitgliedern jedoch ein potentiell kommunistisches Bewußtsein anzudichten.

Nunja Frank, es gehört ein wenig mehr als platte SED Dialektik dazu, um den Unterschied zwischen sozialdemokratischer Führung in den Gewerkschaften und der Masse der Mitglieder zu erfassen. Wer nur zwischen Opportunismus und kommunistischen Bewußtsein unterscheiden kann und die feinen Übergänge vom einen zum anderen nicht versteht, ist lediglich ein Idealist.
Da sei dir die Broschüre
von Mao Tse Tung "Über den Widerspruch" ans Herz gelegt.

Sei bitte nicht sauer, aber als ostdeutscher Kommunist stellen die "Montagsdemos" den Inbegriff der Konterrevolution dar. In ihnen haben seinerzeit in Leipzig die von den westdeutschen Unternehmern aufgehetzten Arbeiter nach der Kapitalistenherrschaft geschrien - mit Erfolg.

Hier sehen wir dann als Gipfel dein persönliches Verhältnis zum Protest der Massen gegen Unterdrückung.

EINEN VERRAT AM SOZIALISMUS HAT ES NIE GEGEBEN!!!!

Schau in den Spiegel.

beste Grüße
Jens-Uwe

Re: Die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft

Abgeschickt von Stefan am 18.08.2010 20:30
@ Steffen Stein

Hallo Steffen,

zu deinem letzten Beitrag "Das Gebot der Stunde ist die Erkämpfung des politischen Streikrechts" nur einige Ausschnitte aus unserem aktuellen Vertrauensleute-Info (sicherlich! kann man das ein oder andere hier kritisieren, man darf ja nicht vergessen, dass es sich um ein gewerkschaftliches VL-Gremium handelt, aber ich finde: guter Kompromiss!?),also:

Überschrift: Machen wir`s wie die Franzosen?!
...und immer öfter hört man in diesem Zusammenhang das Reizwort "Generalstreik" oder das verträumte "Ach, hätten wir doch Verhältnisse wie in Frankreich!" Hinter all diesen Äußerungen steckt wohl einerseits das Gefühl einer unbestimmten Wut auf die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse und andererseits die Gewissheit, dass man mit traditionellen Formen gewerkschaftlicher Auseinandersetzungen nichts Grundlegendes ändern kann....
über die Notwendigkeit massiver Proteste gibt es sicher keinen Streit - bleibt die Form.
....sagt der Bedenkenträger "wir können doch unseren Betrieb nicht lahmlegen, da sägen wir ja selbst den Ast ab auf dem wir sitzen"
....sagt der Bedenkenträger: "politische Streiks sind bei uns verboten, und ich bin ein gewissenhafter Staatsbürger"
....sagt der Bedenkenträger: "wir müssen abwarten was unsere Organisation plant und sagt"
Ins Stammbuch geschrieben: dies ist nicht die Zeit der Bedenkenträger!
....emanzipiert Euch von den Juristen, Recht ist immer eine Machtfrage - erst recht, wenn es wie beim Thema "Politischer Streik" nicht um nominiertes, sondern lediglich um Richterrecht handelt....baut auf euren tarifpolitischen Erfolgen auf! Setzt diese Erfahrungen und eure (betriebliche) Macht um in politische Aktion!
(Zitat-Ende)

und an anderer Stelle zur Gesundheitspolitik: "...machen wir uns als "Experten" nicht so viele Gedanken über die Probleme des Kapitals. Unsere Forderungen...(Tagesforderungen wie Abschaffung des Sonderbeitrages, keine Zusatzbeiträge, keine Eigenbeteiligung....)
(Zitat-Ende)

Steffen, ich wollte damit nur verdeutlichen: es tut sich bereits "schon einiges" auch innerhalb der Gewerkschaften!

Viele Grüße

Stefan H.

Re: Die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft

Abgeschickt von Steffen Stein am 24.08.2010 01:04
Hallo Stefan H,
natürlich weiß ich, das diese Themen heiß umkämpft werden.
Ich weiß auch, wie schwierig sich die Auseinandersetzung mit den - wie im Beitrag formuliert- Bedenkenträgern gestaltet.
Besonders gut finde ich die losgetretene Auseinandersetzung mit dem Recht.
Für überzeugte und kämpferische Gewerkschaftler sind diese Dinge längst klar, aber der Kampf um die Köpfe ist unhgeheuer wichtig.
Es geht darum, eine Einheit zwischen der Basis und der Gewerkschaftsführung zu formieren.
Das die Basis auch ohne "Genehmigung" der Gewerkschaftsführung ihren Forderungen Nachdruck verleihen kann, haben zahlreiche Aktionen bewiesen. Du wirst aber zugeben müssen, dass diese Aktionen spontan waren, und von der Gewerkschaftsführung bisher recht wenig getan wurde, gewerksachftlich koordinierte und branchenübergreifende Streiks zu organisieren. Insofern muß man immer wieder die Ausrichtung auf die "Tagesthemen" kritisch hinterfragen.
Aber noch einmal: Sie sind unabdingbarer Bestandteil der Schule des Klassenkampfes!
In diesen Kampfen werden vor allen Dingen Selbstbewußtsein und Solidarität trainiert.
Hier formiert sich auch ein über die kleinbürgerlichen Forderungen hinausgehendes gesamtgesellschaftliches Bewußtsein.

Aber ich stimme dir zu: Es tut sich schon Einiges - dran bleiben!



Zur Auseinandersetzung mit dem Opportunismus möchte ich anmerken,
dass es unsinnig ist, opportunistisches Verhalten grundsätzlich irgendwelchen "Schubladen" zuzuorden.
Opportunismus ist Bestandteil des kleinbürgerlichen Sicherheitsbedürfnisses und zieht sich durch fast alle "Bevölkerungsschichten".

Gerade wenn es um die Gestaltung einer echten sozialistischen Gesellschaft geht, ist Opportunismus ein Dolchstoß! Eine derartige Gesellschaft kann sich nur entwickeln, wenn sie durch die Masse getragen wird.

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