Marxisten-Leninisten und Kommunisten ?

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Marxisten-Leninisten und Kommunisten ?

Abgeschickt von Stefan am 04.09.2010 15:02
Im antifaschistischen Aufruf der MLPD Dortmund ist mir aufgefallen,

dass dort von der notwendigen Aktionseinheit (das sehe ich auch so, nicht dass es zu Missverständnissen kommt!) aller antifaschistischen Kräfte, unter anderem von Marxisten-Leninisten UND Kommunisten kommen muss ???

Sind nicht ALLE (richtigen) Kommunisten auch Marxisten-Leninisten?

Wenn sie, die "angeblichen" Kommunisten die Lehren von Marx und Lenin nicht anerkennen = dann sind es doch auch keine Kommunisten, oder?

Ich will hier keine Wortklauberei betreiben, aber der Unterschied liegt für mich immer noch zwischen Kommunisten und Revisionisten und nicht darin ob man Mitglied der MLPD ist oder nicht!

Stefan H.

Re: Marxisten-Leninisten und Kommunisten ?

Abgeschickt von Jürgen Binder am 17.09.2010 21:13
Also, mal ganz von vorne. Die Ideologie von Kommunisten ist die Lehre des Marxismus-Leninismus. Und die MLPD definierte sich seit ihrer Gründung ganz bewußt als Marxisten-Leninisten, weil es seit dem KPD-Verbot von 1956 es nämlich verboten war, sich als KPD zu betiteln.

Aber bei weitem nicht alle Kommunisten verstehen sich als Marxisten-Leninisten. Gibt es doch im Spektrum der "Radikalen Linken" ganze Organisationen, die sich als Anti-Leninisten verstehen, und dies auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit herauskehren. Viele sehen sich auch in der Tradition der Rätekommunisten, bzw. der KAPD (Kommunistische Arbeiter Partei Deutschlands). Dies war eine Abspaltung von der KPD in den 20er Jahren. Im groben bestanden die Unterschiede zur KPD, im ihren Antiparlamentarismus und in ihrer Ablehnung zur Mitarbeit in den bürgerlichen Gewerkschaften. Statt dessen gründeten sie eigene sogenannte "revolutionäre" Gewerkschaften namens AAU (Allgemeine Arbeiter Union)u. später die AAU-E (Allgemeine Arbeiter Union - Einheit).

All diese Organisationen, die nach ihrem Selbstverständnis die bessere Alternative zur KPD sein wollten, wurden aber nach einiger Zeit von linksradikalen Kinderkrankheiten wie der Zellenspaltung heimgesucht. Und 1932/33, zerfielen die Reste vollends. Und viele, wie Max Hölz kehrten auch zur KPD zurück.

Nun sollte man diese Richtung aber nicht als unbedeutende Sektierer abtun. Dafür brachten sie die KPD in allzu große Schwierigkeiten im Laufe ihres Bestehens. Deshalb setzte sich auch Lenin mit dieser linksradikalen Richtung in einem ganzen Buch auseinander. Es heißt, wie könnte es anders sein: Der Linksradikalismus, die Kinderkrankheit des Kommunismus. Das ich hiermit zur Lektüre empfehlen möchte.

Trotzdem finde ich es falsch irgendwelchen Kommunisten aufgrund ihres Linksradikalismus oder ihres Revisionismus ihre Identität als Kommunisten absprechen zu wollen. Denn dies schadet der Aktionseinheit. Und es schadet noch vielmehr bei dem Vorhaben, die Uneinigkeit der Kommunisten untereinander überwinden zu wollen.

Re: Marxisten-Leninisten und Kommunisten ?

Abgeschickt von Schorschy Böhme am 17.09.2010 22:30
Lieber Genosse Stefan,

wir müssen die Sache offen betrachten. Wir sind uns einig, wenn ich schreibe, wir alle sind Antifaschisten!?

Bei dem Begriff Kommunisten wird es schon schwieriger. Nicht alle Kommunisten sind Marxisten-Leninisten.

Die Marxisten-Leninisten sehen es so:
Der Leninismus ist die Wiederbelebung der revolutionären Elemente des Marxismus der 40er Jahre des 19. Jahrhunderts. Lenin hat den revolutionären Inhalt des Marxismus wiederbelebt. Die Opportunisten der II. Internationale hatten ihn in Vergessenheit geraten lassen. Lenin ist sogar noch einen Schritt weiter gegangen. Er hat den Marxismus unter den neuen Bedingungen des Kapitalismus und des Klassenkampfes des Proletariats weiterentwickelt. Lenin steht also im unzertrennbaren Zusammenhang mit den revolutionären Lehren von Karl Marx.

Die "reinen" Marxisten (auch Rätekommunisten genannt) aber sehen es so:
Die Oktoberrevolution war eine "bürgerliche" Revolution. Die Macht wurde von einer Partei kleinbürgerlicher Intel­lektueller ergriffen, um den Kapi­talismus im feudalen Rußland einzuführen. Sobald die Arbeiterräte auf der Bühne der Geschichte aufgetaucht sind, war die Organisationsform der Partei überholt und gar konterrevolutionär geworden. Eine neue Arbeiterbewegung war erschienen. Es gab einen radikalen Bruch mit den Par­teien der 2. und 3. Internationalen. Die Marxisten kehrten zu einem "reinen Mar­xismus" zurück. Dieser war von den "leninistischen Verunstaltungen" gesäubert. Es kam zum kommunistischen Anarchismus.

Die Lehren von Marx und Lenin stehen für die Einen im unzertrennlichen Zusammenhang. Für die Anderen aber gibt es nur den Marxismus.

Nun kann ich nicht ausschließen, das es noch weitere Formen der Ideologie vom Kommunismus gibt aber die o.g. dürften die Wesentlichen sein.

Rote Grüsse
Schorschy

Re: Marxisten-Leninisten und Kommunisten ?

Abgeschickt von Stefan am 18.09.2010 07:29
Danke für eure Antworten,

sicherlich kenne ich die Broschüre Jürgen, habe selbst schon an anderer auf sie verwiesen :)

okay, im "Namen" von Aktionseinheiten....aber für mich sind Kommunisten auch weiterhin nur dann Kommunisten, wenn sie die Weiterentwicklung des Marxismus anerkennen, also wenn sie Marxisten-Leninisten sind !

Viele Grüße

Stefan H.

Re: Marxisten-Leninisten und Kommunisten ?

Abgeschickt von stefan am 18.09.2010 17:35
" Viele sehen sich auch in der Tradition der Rätekommunisten, bzw. der KAPD (Kommunistische Arbeiter Partei Deutschlands). Dies war eine Abspaltung von der KPD in den 20er Jahren. Im groben bestanden die Unterschiede zur KPD, im ihren Antiparlamentarismus und in ihrer Ablehnung zur Mitarbeit in den bürgerlichen Gewerkschaften."

@ Jürgen

Die KAPD hatte doch extrem unterschiedliche Flügeln, von "Nationalbolschewisten" über "antileninistische Ultralinke" über "Halbanarchisten" über "Rätekommunisten" bis zu Anhänger des individuellen Roten Terror in Deutschland. usw etc

Ist wohl kaum eine linke Massenpartei, ( die hatten am Anfang zwischen 80 000 oder 60 000 Mitglieder) so schnell zerbrochen wie die KAPD, nach 6 Jahren gab es wahrscheinlich nur mehr 60 Mitglieder.

LG

Stefan K.

Re: Marxisten-Leninisten und Kommunisten ?

Abgeschickt von Schorschy Böhme am 19.09.2010 11:30
Hallo Genossen,

im Interesse einer starken Einheitsfront bin ich auch für die Aktzeptanz solcher Splittergruppen. Nur wenn alle linken Kräfte sich zu einer revolutionären Einheitsfront vereinigen werden wir wirklich etwas erreichen!

Deshalb haben wir auch auf YT eine Gruppe der SPARTAKUSGRUPPE gebildet. wir möchten damit erreichen das sich alle kommunistischen Parteien Deutschlands in einer großen revolutionären Partei vereinigen.

Nur so wird es uns gelingen im höchsten Parlament wieder präsent zu sein, so wie 1932 (100 Mitglieder im Reichstag = 16,9%!)!

Rote Grüsse
Schorschy

Re: Marxisten-Leninisten und Kommunisten ?

Abgeschickt von reinhold am 05.10.2010 19:12
zur KAPD lesenswert:
hans manfred bock: syndikalismus und linkskommunismus von 1918 bis 1923
siehe: http://syndikalismus.wordpress.com/2010/08/04/ein-klassiker-zur-geschichte-des-anarcho-syndikalismus-und-unionismus-in-deutschland-jetzt-als-pdf/
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