60. Jahrestag DDR

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Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Axel am 05.06.2010 09:58
Hallo Uwe,
Zu Deiner Darstellung der DDR muss etwas gesagt werden. Also meine Anmerkungen:

Was es gab:
• immer Bananen, für jeden und sofort ein Auto, unbeschränkte Reisefreiheit;
Das ist beschönigend. Bananen gab es fast nie. Und viele andere Dinge gab es auch nicht. Knapp war fast alles. Auf Autos musste man bis zu 15 Jahre warten und die Reisefreiheit war so eingeschränkt, dass man überhaupt nur eine Hand voll Länder besuchen durfte.

• Arbeitslosigkeit, Obdachlose, Kinderarmut, Niedriglöhne, Hartz IV;
Arbeitslosigkeit gab es nicht. Stimmt. Obdachlosigkeit gab es deshalb nicht, weil es schlicht und einfach verboten war ohne festen Wohnsitz zu leben. Kinderarmut gab es nach den bundesdeutschen Masstäben flächendeckend. Und Niedriglöhne auch. (Mein Anfangsgehalt als Ingenieur waren 690,-DM) Hartz IV gabs natürlich nicht.

• Milliarden und Millionen für Banken und Banker, Monopole und Manager;
Es hat eben alles dem Staat gehört und der hatte auch die Milliarden.

• 2-Klassenmedizin, Praxisgebühr, Zuzahlungen;
Es gab ein Regierungskrankenhaus mit Weststandard. Die Gesundheitsversorgung war weit unter Westniveau. Manches gab es einfach nicht.

• Bildungsnotstand, Schulen in Not, Eliteschulen und Eliteuniversitäten;
Die Ausstattung der DDR-Schulen war viel schlechter als das der heutigen Schulen. Der Zugang zu Universitäten wurde ganz einfach so beschränkt, dass jeder einen Platz im Hörsaal hatte. Und wer politisch nicht linientreu genug war, bekam eh keinen Platz. In der FDJ mußte man schon sein.

• hohe Mieten, teurer Nahverkehr, üppige Preise für Kultur und Sport;
Stimmt.

• Aggression nach außen, zunehmende Repression nach innen, Beteiligung an Kriegen;
usw.
Aggressionen nach außen (z.B. SU - Afganistan) wurden durchaus unterstützt. Aktive Teilnahme gab es nicht. Repression nach innen gab es auf jeden Fall. Wie man das bestreiten kann ist mir schleierhaft.


Was es gab:
• (fast) immer Äpfel, spottbilliger Nahverkehr, FDGB-Ferienreisen fast für umsonst;
Rotkohl gabs auch noch. Viel mehr aber nicht. Die FDGB-Reisen nur begrenzt. Da mußte man warten, Glück haben und nicht negativ auffallen.

• jeder hatte eine sinnerfüllende und gut bezahlte Arbeit, Kredite für junge Eheleute (manche sogar geschenkt);
Eine sinnerfüllte Arbeit hatten nicht alle. Manche haben praktisch gar nicht gearbeitet. Die hatten nur einen Arbeitsplatz. Gut bezahlte Arbeit hatte überhaupt niemand.

• kostenlose Gesundheitsfürsorge, Betriebspolikliniken;
Die Gesundheitsfürsorge war so kostenlos wie jetzt auch. Man mußte halt Kassenbeiträge bezahlen.

• umfassende Betreuung der Kinder und Jugendlichen mit sinnvoller Lern- und Freizeitbeschäftigung;
Ja, aber nur durch staatliche und damit von der Partei gelenkte Einrichtungen. Entsprechende Indoktrination inklusive.

• billige Mieten, günstige Eintrittspreise für jeden bei Kultur, Sport und Erholung;
Stimmt. Allerdings waren die Wohnungen auch viel schlechter.

• keine Beteiligung an irgendwelchen kriegerischen Handlungen;
usw.
Hatten wir schon.

Gruß Axel

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von uwe kunze am 07.06.2010 09:44
hallo axel,
so siehts die eine hälfte - gibt aber auch ne andre hälfte
gruss uwe k.

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Tom Werth am 08.06.2010 00:30

Liebe Genossinen und Genossen,


ich bin leider erst 1981 zu Welt gekommen und dadurch konnte
die DDR nie wirklich meine Heimat werden,
aber die BRD schon garnicht.
Es freut mich das es doch noch einige Menschen gibt die eigene Erinnerungen haben
und die sich nicht von der Propaganda der herrschenden Klasse ,blenden und
manipulieren lassen.
Natürlich bekommt jemand der seine Informationen ausschließlich durch das B- magazin
und andere Hetzmedien bezieht,
ein völlig falsches Bild der DDR und seiner Menschen.
Das einzige worüber die sich all die Jahre auslassen,
sind Stasigefängnisse und Mauertote.
Diese Dinge eignen sich sehr gut um Menschen gegen einander aufzubringen und
das Proletariat so schwach und bedeutungslos zu halten.
Wer hat denn jahrelang für diese Ossi vs. Wessi Geschichten gesorgt?
Ja und wenn sowas nicht zieht, dann sind es halt mal die Ausländer gegen die
die Herrschenden aufhetzen.
Sprüche wie Kinder statt Inder und andere sauereien klingen mir da noch im Ohr.
Ganz aktuell reist jemand seinen Mund auf,
der uns noch vor kurzem mehr Netto vom Brutto versprochen hat.
Genau der hat heute mit den anderen Handlangern der Großkonzerne und Banken
beschlossen,
keine Rentenbeiträge mehr für Hartz 4 Empfänger einzuzahlen.
Unter den Hartz 4 Empfängern sind ganz viele Menschen die ihr halbes Leben
geschufftet haben und als wenn diese Menschen nicht schon genug erniedrigt werden,
jetzt noch das.
Ich bin noch relativ jung und ich weis nicht alles über die DDR,
aber was hier zur Zeit passiert,
hätte es im Sozialismus niemals gegeben.
In einer Gesellschaft wo das Kapital und dessen maximale Vermehrung und nicht
der Mensch im Fordergrund steht,
ist weder sozial noch demokratisch.
Ich meine die DDR war das bessere und freundlichere Deutschland und
mit dieser Meinung stehe ich bestimmt nicht allein.

Mit sozialistischem Gruß!

Tom


Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Axel am 09.06.2010 07:30
Hallo Uwe K.:
Dass trifft nicht zu. Welche andere Hälfte sehe ich denn nicht?
Ich bin auf die von Dir genannten Punkte konkret eingegangen.
Wenn Du da anderer Meinung bist, können wir gern darüber diskutieren.

Gruß Axel

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Uwe Kunze am 10.06.2010 12:35
hallo Axel
nun gut, wenn´s dir Spaß macht:

- "Welche andere Hälfte sehe ich denn nicht?", fragst du.

ich antworte:
+ die andere Hälfte der Menschen, die in der DDR gelebt haben.

- "immer Bananen, für jeden und sofort ein Auto, unbeschränkte Reisefreiheit";
+ habe nicht behauptet, dass es sie gab, sondern, dass es sie n i c h t gab!

- "Obdachlosigkeit gab es deshalb nicht, weil es schlicht und einfach verboten war ohne festen Wohnsitz zu leben";
+ viele würden sich freuen, wenn so was heute auch verboten wäre!

- "Kinderarmut gab es nach den bundesdeutschen Maßstäben flächendeckend"
+ was von dir noch zu beweisen wäre und: was sind denn "bundesdeutsche Maßstäbe"?

- "Milliarden und Millionen für Banken und Banker, Monopole und Manager...;
Es hat eben alles dem Staat gehört und der hatte auch die Milliarden."
+ die er eben nicht an Banken und Finanzmonopolisten verteilte, sondern in Bildung, Kultur, Sport, Erholung, Gesundheitswesen, Nahverkehr u.v.a. investierte - und: Milliardäre habe ich in der DDR auch keine kennengelernt!

- "Es gab ein Regierungskrankenhaus..."
+ es gab auch Betriebspolkliniken, warum also kein Regierungskrankenhaus als Betriebspoliklinik der Regierung?
Meinst du, dass heute ein Regierungsmitglied genauso behandelt wird wie ein Hartz-IV-Empfänger?

- über das Bildungswesen der DDR brauche ich nun wirklich nicht zu diskutieren, - selbst eine Frau Merkel durfte studieren! Zu den Kids heute - siehe PISA

- "Repression nach innen gab es auf jeden Fall. Wie man das bestreiten kann ist mir schleierhaft"
+ wo habe ich denn das bestritten? Wir hatten schließlich Diktatur des Proletariats und Klassenkampf!
Heute haben wir Diktatur der Bourgeoisie und durch diese zunehmende Repressionen nach innen - und: Kriege!

- "Was es gab: • (fast) immer Äpfel, spottbilliger Nahverkehr, FDGB-Ferienreisen fast für umsonst"
+ Entschuldigung, Rotkohl hatte ich ganz vergessen, FDGB-Reisen hätte heute gern so mancher Niedriglohnbezieher oder alleinerziehende/r Mutter/Vater mit 3 Kindern!

- "Manche haben praktisch gar nicht gearbeitet. Die hatten nur einen Arbeitsplatz."
+ darüber würden sich heute Millionen Menschen freuen!

- "Gesundheitsfürsorge war so kostenlos wie jetzt auch"
+ stimmt nicht, es gab keine Praxis-, Rezept- u. Zuzahlungsgebühren - weshalb heute viele gar nicht erst zum Arzt gehen (können)!

- "...Entsprechende Indoktrination inklusive..."
+ schön, dass die Kinder und der Rest der Gesellschaft heute nicht indoktriniert werden, ja, wer´s glaubt...!

- "waren die Wohnungen auch viel schlechter"
+ welche Massstäbe werden denn hier angesetzt?
Dass heute 2 Personen über 250 -m² haben können und andere mit 3 Kindern sich mal gerade 90 m² leisten können (müssen)?

Man kann auch nicht heutige Maßstäbe an 20 bis 30 Jahre zurückliegende Erscheinungen legen (z.B. Wohnungen, medizinische Geräte u.ä.),
weil die Entwicklung sowohl in Ost als auch in West weiter gegangen ist, bzw. weiter gegangen wäre.

Gruß Uwe K.

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Axel am 11.06.2010 15:15
Hallo Uwe K.
damit es nicht so lang wird geb ich nur immer ein Stichwort zu jedem Thema an:

Welche Hälfte der Menschen in der DDR ich sehe und welche nicht versteh ich immer noch nicht. Aber ist vielleicht auch nicht so wichtig.

Zu „Bananen..."
Ich empfinde Deine Darstellung als beschönigend. „Es gab nicht immer Bananen" hört sich an als wenn es meistens Bananen gab und alles andere sowieso. In Wirklichkeit gab es fast nie Bananen und Kiwi und Mango waren völlig unbekannt.
„Es gab nicht für jeden und sofort ein Auto" hört sich an als wenn man ein paar Wochen warten mußte.
„Es gab keine unbeschränkte Reisefreiheit" hört sich an als wenn es nur ein paar Beschränkungen gab. In Wirklichkeit konnte man nur Polen und Tschechien relativ problemlos bereisen. Bulgarien und Ungarn wenn man brav war und dann wurde es schon sehr schwierig.

Zu „Obdachlosigkeit":
Ja wenn man alle Obdachlosen einsperren würde, hätten sie natürlich ein Dach über dem Kopf. Ich bezweifel aber, dass sie sich freuen würden.

Zu „Kinderarmut":
Nach bundesdeutschen Maßstäben gilt ein Kind als arm, wenn das Einkommen seiner Eltern weniger als 60% des Durchschnittseinkommens beträgt. Wenn man das in absolute Zahlen umrechnet ergibt sich immer noch ein Lebensstandard, den in der DDR kaum jemand hatte.

Zu „Milliarden für Banken"
Klar haben die DDR-Banken auch Milliarden bekommen. Und nicht nur die. Kein Betrieb konnte pleite gehen, egal wie schlecht er gearbeitet hat.. Alles wurde ausgeglichen.
Die meisten Banken die in der Finanzkrise gerettet werden mußten waren Staatsbanken. Klar muß man die retten. Zwei Privatbanken wurden auch gerettet und in diesem Zuge verstaatlicht. Die Eigentümer der Bank haben alles verloren. Das war doch alles richtig so. Oder?
Für Bildung, Kultur, Sport usw. Gibt jeder Staat Geld aus.

- Zu „Regierungskrankenhaus":
Das hab ich angeführt, weil Du behauptet hast in der DDR habe es keine 2-Klassenmedizin gegeben. Die meisten waren gleich, aber die oberen Parteigenossen waren auch in der Medizin ein Klasse für sich.

- Zu „Bildungswesen":
Was meinst Du warum Frau Merkel in der FDJ war? Weil sie zur Kampfreserve der Partei gehören wollte? Oder weil sie studieren wollte? Ohne FDJ wär es wohl nichts geworden.
Meine Schwester durfte nicht mal zur EOS.
Wie die DDR-Schüler bei PISA abgeschnitten hätten ist eine offenen Frage.

- Zu „Repressionen"
Klar hast Du die bestritten. Unter der Rubrik „Was gab es in ihr nicht?" hast Du aufgeführt:"...zunehmende Repression..."
Also wir sind uns einig. Es gab Repression.

- Zu „FDGB-Reisen"
Naja, vielleicht. Ich geb Dir einfach mal recht.

- Zu „Arbeitsplatz"
Ja klar, Arbeitsplätze für alle ist gut und wichtig. Das ist aber nicht der Punkt. Ich will nur klarstellen, dass die Arbeitsplätze eben nicht alle sinnerfüllt waren.

- Zu „Gesundheitsfürsorge":
Stimmt die Gebühren gabs nicht.

- Zu „Indoktrination":
Ich wohne in einer kleinen Stadt. Da gibt es aber über 100 Vereine bei denen man mitmachen kann. Kaum einer davon ist irgendwie politisch oder ideologisch ausgerichtet.

- Zu „Wohnungen":
Da kenn ich mich aus, weil ich im Bauwesen arbeite. Solche minderwertigen Türen, wie sie in die WBS70-Wohnungen eingebaut wurden, gibs heute gar nicht mehr. Und Bäder ohne Fliesen auch nicht. Von der Dämmung ganz zu schweigen usw. Und das waren die neuen Wohnungen. Was noch so an Altbauwohnungen in Gebrauch war würde man teilweise heute als völlig unzumutbar einstufen.
Klar sind inzwischen 20 Jahre vergangen, aber in den letzten Jahren der DDR wurde der Qualitätsstandard auch nicht verbessert sondern zurückgeschraubt. Zum Schluss gabs beim WBS70 ja nicht einmal mehr Fensterbänke. Vor der Badewanne war nur noch ein Blech usw. Es wurde also nicht besser.

Ich war froh als es mit der DDR vorbei war. Mancher hat das anders empfunden. Da kann ich natürlich keinem was vorschreiben, aber ein realistischer Blick auf die DDR muss schon sein.

Gruß Axel

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Uwe Kunze am 16.06.2010 20:26
Hallo Axel,

"Welche Hälfte der Menschen in der DDR ich sehe und welche nicht versteh ich immer noch nicht."
+ beantwortest du doch selbst, indem du schreibst:
"Ich war froh als es mit der DDR vorbei war. Mancher hat das anders empfunden."
Ja und es war eine große Hälfte der Menschen, die es anders empfunden haben als du!

In manchen Fragen sind wir uns ja nun schon mal einig, aber zu folgenden habe ich noch ein paar Bemerkungen:

„Obdachlosigkeit":
+ in der DDR wurden keine Obdachlosen eingesperrt! Im Gegenteil, Haftentlassenen wurde Wohnraum und Arbeit beschafft und vom Arbeitskollektiv wurden sie auch noch betreut!

„Kinderarmut":
+ in der DDR gab es keine Kinder deren Eltern weniger als 60% des Durchschnittseinkommens verdienten!

„Milliarden für Banken":
+ das Thema ist doch nun wirklich unumstritten, da haben ja selbst so manche CDU-ler ne` klarere Meinung als du!
"Die Eigentümer der Bank haben alles verloren. Das war doch alles richtig so. Oder?"
Mit so einer Meinung solltest du dich wirklich mal sachkundiger machen!

Gruß Uwe K.

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Uwe Kunze am 17.06.2010 11:56
Hallo Axel,
hier noch ein kleiner Nachschlag zu "Bildung" und "Armut"

Laut neuesten Bildungsbericht von Bund und Länder hat jeder sechste junge Mensch im Alter zwischen 20 und 30 Jahren keinen Berufsabschluß und befindet sich auch nicht in einer Bildungsmaßnahme.
Mit 17 % in der Altersgruppe der 20- bis 30jährigen hat der Anteil der Ungelernten offenbar den höchsten jemals gemessenen Stand in der Bundesrepublik erreicht – wobei die Lage aktuell sogar noch verheerender sein könnte. Der Bund-Länder-Bericht bezieht sich auf das Jahr 2008, damals nahm die Wirtschaftskrise erst Fahrt auf. Ein früherer Regierungsreport weist die Quote mit 15,2 Prozent für das Jahr 2007 aus, was seinerzeit 1,5 Millionen Menschen entsprach.
Verlierer sind nach dem Bildungsbericht vor allem Hauptschüler. Nach ihrem Abschluß befinden über 50 Prozent in einer sogenannte Warteschleife des Übergangssystems. Von den Hauptschülern ohne Abschluß werden mehr als drei Viertel in dieser Grauzone abseits der Erwerbslosenstatistik »geparkt«.
Der Bericht stellt weiter fest, dass fast jeder dritte Schüler in einer »sozialen, finanziellen und kulturellen Risikolage« aufwachse. Knapp ein Viertel davon entstammen einem Elternhaus, das arm ist.

Gruß Uwe K.

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Hans am 17.06.2010 17:30
"Ich war froh als es mit der DDR vorbei war. Mancher hat das anders empfunden. Da kann ich natürlich keinem was vorschreiben, aber ein realistischer Blick auf die DDR muss schon sein."

Sehr richtig Axel, aber ich glaube kaum, dass Du im MLPD Sozialismusforum irgendwelche Realisten erwarten kannst!

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Paul am 17.06.2010 20:21
Hallo Frank,
ich denke das "wie" und das "warum " kann man so, wie du es erklärst nicht voneinander trennen. Die marx. Theorie und Praxis bilden eine Einheit. Wenn das "warum" geklärt ist, nämlich, dass es aus der kap. Fäulnis keinen anderen Ausweg als den Sozialismus gibt, muss gleichzeitig auch erklärt werden, wie dies zu bewerkstelligen ist, nämlich durch die soz. Revolution. Sowohl Marx, als auch Lenin legten die Antworten auf beide Fragen dar. Die Sowjets waren die Partei der Bolschewiki und dies war eine revolutionäre Partei. Ohne revolutionären Vortrupp kann die Ak nicht zum Sieg geführt werden. Der DGB ist eine breite Gewerkschaft, in der zum Beispiel GEW, Verdi und andere zusammengeschlossen sind. Die gewerkschaftliche Bewegung ist die wichtigste Organisationsform der Arbeiter und Angestellten zur Durchsetzung ökonomischer Forderungen.( Lohnforderungen, Arbeitszeitverkürzung, unbefristete Arbeitsverträge, Übernahme der Auszubildenden nach der Lehre...) Diese werden auf einer bestimmten Entwicklungsstufe zu politischen Forderungen oder schlagen in diese um ( Gesetz der Anhäufung von Quantität und Umschlagen in eine neue Qualität). Dadurch kann eine revolutionäre Situation heranreifen. Nicht umsonst werden aktive und vorwärtsdrängende Gewerkschafter gemaßregelt und sind als erste von Arbeitslosigkeit bedroht. Das Kapital reagiert sensibel auf derart fortschrittliche Menschen, geht es doch letztendlich um die Macht der Kapitalisten. Diese wird das Kapital bis zum äussersten und mit allen Mitteln verteidigen. Das es so ist, beweist gegenwärtig der Krieg in Afghanistan anschaulich.
Die gesellschaftliche Entwicklung vollzieht sich nicht allmählich und eins nach dem anderen. Es kann in ihr zu Sprüngen kommen, in denen 1 Tag mehr bewegt als 20 Jahre. Wenn das "warum " geklärt ist, reicht dies längst nicht aus, denn die Massen bewegen sich nicht, wenn nicht klar ist, "wie" vorgegangen werden muss, dazu ist die praktische Schule des Arbeitskampfes unerlässlich und somit die Organisation der Gewerkschaften..

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Wolf-Dieter Rote Fahne Redaktion am 25.06.2010 18:00

@Hans Hansen:

Warum meinst du, dass im Sozialismusforum der MLPD keine Realisten zu erwarten sind? Warum beteiligst du dich dann dort überhaupt. Die DDR ist zurecht untergegangen und damit auch der Betrug über einen angeblichen Sozialismus, der nach 1956 nicht mehr bestanden hat. Kennst du die Kritik der MLPD an der Restauration des Kapitalismus?


Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Uwe Kunze am 26.06.2010 10:01
@Hans
zu deiner Aussage: "ich glaube kaum, dass Du im MLPD Sozialismusforum irgendwelche Realisten erwarten kannst!"

Ich bin kein Mitglied der MLPD und vertrete also hier nicht die Meinung der Partei.
Ich bin hier im Forum, weil ich viele Anschauungen mit ihnen teile, aber eine andere Meinung zur DDR habe. Darüber möchte ich eigentlich mit Mitgliedern der MLPD diskutieren.
Dabei antworte ich natürlich auch einem vermutlichem Nichtmitglied Axel.

In der MLPD gibt es bestimmt viele Realisten mit denen man sachlich diskutieren kann.
Auch Axel kann hier Realisten erwarten.
Aber auch Realitäten zu betrachten, hängt sehr vom jeweiligen politischem Standpunkt und der ideologischen Brille die man trägt, ab.

Gruss Uwe.K

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Axel am 26.06.2010 19:33
Hallo Uwe K.
ich hab an unserem Bildungssystem auch viel zu kritisieren. Das heisst aber nicht, dass es in der DDR besser war. Hier wird das Bildungssystem wenigstens diskutiert und kritisiert. In der DDR war immer alles super. Ich schreib mal auf was aus meiner Sicht in der DDR-Bildung besser war und was schlechter:

Gut war:
- Leistungsorientierung.
- Unterricht wurde stichprobenartig kontrolliert.
- Kostengünstiges Mittagessen für alle.
- Nachmittagsbetreuung in AG (gibs heute auch, aber ich glaube damals gab es noch mehr)
- Ferienbetreuung.
- Effektive Eliteförderung.

Schlecht war:
- Schlechter baulicher Zustand der Schulen.
- Schlechte Lehrmitte.
- Ideologische Ausrichtung (eine eigenen Meinung war weder Lehrern noch Schülern gestattet)
- Militarisierung
- Inflationäre Vergabe guter Noten

Wie die DDR-Schüler beim PISA-Test abgeschnitten hätten, werden wir nie erfahren. Wahrscheinlich nicht so gut wie die Bayern aber besser als die Bremer.

Gruß Axel

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Schorschy am 27.06.2010 17:32
Hallo Axel,
obwohl ich selbst für derart Aufzählungen überhaupt nicht zu begeistern bin, kann ich als ehemaliger DDR-Bürger das so nicht stehenlassen. Immerhin bin ich in der DDR groß geworden und habe 28 Jahre in diesem Staat (auch die BRD erkennt neuerdings die DDR als Staat an!)gelebt.

Gut war: da gibt es von mir keinerlei Einwände!

Schlecht war:
- Schlechter baulicher Zustand der Schulen.
Das entspricht überhaupt nicht der Wahrheit. Die alten Schulbänke flogen bei uns Ende der 60er raus und es wurde alles modernisiert. Außerdem entstanden immer mehr Neubauten.
Wo gibt es heute noch Schul-Neubauten?
- Schlechte Lehrmittel.
Der Verlg "Volk und Wissen" gab einheitliche und pädagogisch wertvolle Schulbücher heraus. Damals wie heute arbeiteten die Schüler mit Hilfsmitteln (wie Hausaufgabenheft, Schnellhefter und entsprechende Stifte)
- Ideologische Ausrichtung (eine eigenen Meinung war weder Lehrern noch Schülern gestattet)
Warum sollten wir uns eine andere Meinung bilden als die Lehren des Sozialismus?
- Militarisierung
. Ist es wirklich eine so schlechte Sache die Errungenschaften des Sozialismus zu schützen? Auch die antikommunistische Bundeswehr zog in die Schulen um für ihre Dienste zu werben.
- Inflationäre Vergabe guter Noten
Dann habe ich also inflationäre Einsen und Zweien bekommen? Geschenkt hat man uns nichts. Aber was ist so schlimm daran seine Lernziele hart zu erkämpfen?

Ich habe nichts dagegen, wenn man uns nachträglich dem PISA-Test ausliefern würde. Das Ergebnis kann ich im vorneherein leider nicht beurteilen. Aber ich bin mir sicher, wir hatten ein gutes sozialistisches Bildungswesen.

Rote Grüsse
Schorschy

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von rene am 27.06.2010 19:23
Zum Stichwort "Ideologische Ausrichtung" kurz folgende grundsätzliche Feststellung:

Eine solche Ausrichtung gibt es definitiv auch im heutigen Schulunterricht!
Oder wie soll es anders bezeichnet werden, wenn den Schülern - so wie mir es einige berichteten in den letzten Jahren - permanent und systematisch ein einseitig negatives Bild der ehemals sozialistischen Staaten des Ostblocks insgesamt und der DDR im konkreten vermittelt wird?

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Frank am 27.06.2010 21:51
Gut,alles in allem war die DDR so.Und nicht anders.Wie weiter?
Gab es da nicht was,was wir jetzt haben?Nun haben wir gelernt,was wir falsch gemacht haben.Und was nicht.
Wir wissen auch was Marx,Engels,Lenin u.a. festgestellt haben.
Ist es nicht an der Zeit aktiv zu handeln?Warten bis auch der letzte Bundesbürger
endlich begriffen hat,wie und unter welcher Gesellschaftsordnung er "leben kann und darf"?Und will!Das ist eigentlich schon weit über 50% der Bürger klar.Im Kopf.
Da keine Führung (Partei,Gewerkschaft u.u.u.)aufruft,zum offenen Kampf gegen Regierungführung und Monopolkapitalisten,werden die Bürger sich selbst,auch ohne "Führung" wehren,wehren müssen.Momentan wird diese Möglichkeit immer wahrscheinlicher.
Dann brauchen wir nicht lernen,was die Führungen falsch gemacht haben.Dann wissen wir, daß viel zulange gewartet,veralbert,diskutiert wurde.Wir wissen doch das ein Verhandeln, Diskutieren und Demonstrieren gegen das bestehende Gesellschaftssystem,
keine Änderung hervorruft.Eine verstärkte organisierung,zur Gegenwehr von z.B.
Volksaufstände,die,in welcher weise auch immer auftreten werden,der Regierung ist die Folge.
Soviel zur allgemeinen guten Diskussion zur DDR.
Nur muss ein Anfang gemacht werden.Und wenn es das vorläufige Ende wäre.
Soviel zu meiner Meinung.Überheblich und Anmassend bin ich bestimmt nicht,wenn ich behaupte,nicht nur die meine.

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Karsten am 28.06.2010 10:06
Natürlich war in der DDR vieles auch gut organisiert und dem Volk ging es lange gut unter den etwas repressiven Umständen, die geherrscht haben. Letzendlich hilft es aber nicht über von den billigen Preisen in der DDR zu schwärmen, wenn man weiß, dass der Staat im Grunde bankrott war und das System zu scheitern verurteilt war.

Natürlich gibt es heute auch viel Negatives, ich bin eben gerade auf der Suche nach einer Wohnung oder einem Haus in Kassel auf http://www.immobilienscout24.de/immobiliensuche/haeuser-kaufen/hessen/kassel.htm , und ja die aktuellen Miet- und Immobilienpreise sind unglaublich, obwohl sich der Markt nach der Immoblase schon etwas nach unten reguliert hat. Die Bankenkrise ist auch eine Konsequenz des ungezügelten Kapitalismus, ich hoffe nur, dass wir aus all den Dingen gelernt haben.

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Axel am 01.07.2010 07:17
Hallo Uwe K.
ich habe gerade bemerkt, dass ich auf einen Beitrag von Dir nicht geantwortet habe.

Also hier meine Antwort:

„Obdachlosigkeit":
Ohne festen Wohnsitz zu leben galt als "Asozial" Dafür gab es den §249.

"Kinderarmut"
Wenn Du Armut generel als relative Armut definierst, dann gab es in der DDR keine Armut. Nach dieser Definition gibt es aber auch in Somalia keine Armut. Da haben alle ganz wenig. Also ich finde: Lieber relativ arm in Deutschland als Durchschnitt in Somalia. Oder anders gesagt: Die relativ Armen in der BRD haben immer noch deutlich mehr als die relativ nicht Armen in der DDR hatten.

„Milliarden für Banken":
Was ist falsch an meiner Meinung?

Gruß Axel

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von rene am 04.07.2010 18:39
wenn nun auch hier so viel über die DDR und was da alles im konkreten schief lief debattiert wird, warum wird dann hier eigentlich, ähnlich wie in der offiziellen Geschichtsschreibung der sogenannten BRD ständig ausgelassen, dass eine erhebliche Mitschuld am realen Leben in der DDR auch in der BRD zu suchen ist?

- Reparationszahlungen nach dem II. WK - da hat sich "der Westen" weitestgehend rausgehalten und die DDR schön für die BRD mitbezahlt - Will heute keiner mehr hören
- BRD wurde mit Marshalplan von den Westalliierten aufgebaut, auch als Speerspitze gegen den Sozialismus - Will heute keiner mehr hören
- langjährige Embargopolitik des Westens gegen die DDR - Will heute keiner mehr hören

Weitere Aufzählungen gefällig?

Das soll kein Versuch sein, die DDR-Realität einfach mal schönzureden. Nur einmal mehr die Aufforderung: Zur Darstellung der Realität ist eine UMFASSENDE und ALLSEITIGE darstellung der Verhältnisse zwingend notwendig. Sonst taugt sie nichts.

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Axel am 07.07.2010 07:38
Hallo Schorschy,
ich habe Deinen Beitrag heute erst entdeckt, deshalb die verspätete Antwort.
- Schlechter baulicher Zustand der Schulen.
Naja, in meiner Heimatstadt wurden nach der Wende alle Schulen von Grund auf baulich saniert. War wohl notwendig. Zwei Schulen wurden neu gebaut. Eine ist gegenwärtig in Planung. Die Bibliothek der TU Dresden (damals "höchste technische Bildungseinrichtung der DDR") war in einer Baracke untergebracht. Im übrigen war die Qualität im Bauwesen in der DDR sowieso miserabel. Ich weiß wovon ich spreche.

- Schlechte Lehrmittel
Was wir an Lehrmittteln hatten war teilweise uralt. Die Ausstattung der Fachkabinette (teilweise gab es aber gar keine) war so mangelhaft wie fast alles in der DDR.

- Ideologische Ausrichtung
Du fragst wieso man andere Meinungen überhaupt zulassen sollte. Das will ich Dir sagen: Weil die einzig zulässige Meinung falsch war. Der Sozialismus hat eben nicht gesiegt. Wir befanden uns offenbar nicht in der Epoche des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus. Es gab offensichtlich doch nicht die vollkommene Einheit von Volk und Partei. Von der Sowietunion lernen war doch nicht unbedingt siegen lernen. usw. usw.

- Militarisierung
Meiner Meinung nach ist ein Staat der überhaupt nur existieren kann, wenn er seine Leute einsperrt nicht wert geschützt zu werden. Es war auch nicht so, dass nur für den Militärdienst geworben wurde (damit hätte ich noch kein Problem), die Schüler wurden zu militärischen Übungen gezwungen. Das ging schon los mit dem Handgranatenwerfen im Sportunterricht, dann Wehrkundeunterricht, der "Marsch der Bewehrung" usw.

- Inflationäre Vergabe guter Noten
Das gab es auf jeden Fall. Die Schulnoten mußten immer besser werden (wie ja alles immer besser wurde). Zum Schluss wurden schon für höchst durchschnittliche Leistungen Bestnoten vergeben. Im ganzen Abiturjahrgang hat keiner schlechter als mit 2 abgeschlossen. Das war lächerlich.
Du fragst, was schlimm daran ist seine Lernziele hart zu erkämpfen. Nichts. Aber das Gegenteil war in der DDR der Fall (jedenfalls in der Spätphase).

Gruß Axel

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Monique Djata am 12.07.2010 15:01
Hallo zusammen,
ich finde diese Diskussion richtig und wichtig.

Das wir "Einfachen", Marx würde jetzt sagen das PROLETARIAT,
herbe Niederlagen einstecken müssen, bedeutet auch
Chance aus Fehlern zu lernen.
Und ihr Lieben das müssen wir!
Die Hauptmethode ist dabei genaustens zu
analysieren was diese Fehler waren.
Es wurde hier auf verschiedene Bücher des
REVOLUTIONÄREN WEG`es hingewiesen.
Das es sie in verschiedenen Sprachen gibt, ist ein Schatz.
Es sind die gesammelten Erfahrungen der Arbeiterklasse.
Hier werden sie verarbeitet und ausgewertet.
Das hört sich eventuell für manchen banal an,
ist mal trocken und manchmal auch schwer zu verstehen
(gerade aus der Hektik des Alltages heraus)
es ist doch so lohnenswert sich an das Werk zu machen.

Wieviel herbe Niederlagen erleben wir momentan im Kapitalismus?
Von Umweltkatastrophen, Kriegen, Not und Elend, Krankheiten,
bis hin, wer soll diese Weltwirtschaftkrise zahlen?
Arbeitsplatzverlußt, Angst um die Zukunft von uns, unseren Kindern,
Selbstzweifeln bis hin zur Selbstzerstörung.
Und warum das alles?
Fürs Kapital? Großkonzerne? Korrupte Regierungen?
Es reicht doch irgendwann! Oder?
Wir befinden uns mitten drinnen in
einer historischen Umbruchphase.

Diese Chance dürfen wir uns nicht entgehen lassen, um unserer
Erde willen!!!
Und z.B: eine Stärke der Menschen, die in der DDR
aufgewachsen sind, gelebt und gearbeitet (auch gestorben sind)
haben, ist das Zusammengehörigkeitsgefühl.
All ihre Sehnsüchte und Erfahrungen in der DDR werden gebraucht.
Das ist ein Wert, der in die Wagschale der Geschichte gehört,
im Kampf um UNSEREN echten Sozialismus.
Gemeinsam mit den Sehnsüchten und Erfahrungen der Menschen in der BRD,
Europas, der andern Länder weltweit!
Allen voran die Arbeiterklasse.
DENN: DIESE WELT muß UNSER SEIN!
PROLETARIER ALLER LÄNDER VEREINIGT EUCH!

Bis bald Monique


Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Steffen Stein am 01.08.2010 13:57
Ich bin auch ein "Ossi",
hatte eine wunderschöne Kindheit, Schule, Ausbildung,
ein erfülltes Arbeitsleben, ein gesichertes Einkommen, kein Auto, keinen Farbfernseher,musste manchmal für gewisse Dinge anstehen usw.
Politisch bin ich durch meine Mutter und den "Staatsbürgerkundeunterricht" geprägt worden, war in der FDJ und im FDGB aktiv.
Das ich später nicht Mitglied der SED geworden bin, lag an meiner frühen Erkenntnis der Widersprüche zwischen Theorie und Praxis, was zwar zum Bruch mit den "real existierenden Sozialismus" führte, aber zu keiner Zeit zu einer Abkehr von meiner kommunistischen Grundeinstellung. Im Gegenteil, um so intensiver beschäftigte ich mich vor allem mit den Werken von Marx, Engels und Lenin.

Wenn auch erst 1956 geboren, sehe meine Mitverantwortung für die Entwicklung in der DDR und hoffe, dass sich auch andere besinnen:

Schlicht und einfach - wir haben es vermasselt!

Das hat auch ganz und gar nichts mit einer Schuld zu tun und beschränkt sich nicht auf die DDR, sondern bezieht sich auch auf die internationale Entwicklung.
Aber ich will hier speziell auf unsere Entwicklung in der DDR eingehen.

Als wir im Ergebnis des 2.Weltkrieges die Chance bekamen, eine von Ausbeutung befreite Gesellschaft zu errichten, geschah das nicht aufgrund einer im Volk verwurzelten und bewussten Entscheidung für den sozialistischen Aufbau.
Der großte Teil der Bevölkerung war von Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus und den Kriegsereignissen geprägt.
Der Russe und der Kommunist waren jahrelang eingetrichterte Feindbilder.

Der Wiederaufbau vollzog sich, trotz enormer Schwierigkeiten, bis zur Erfüllung der Grundbedürfnisse und der Intaktsetzung der Volkswirtschaft recht zügig.

Aber noch während dieses Prozesses wurde die Entwicklung von im Endeffekt revisionistischer Machtstrukturen nicht verhindert. Völlig unkritisch wurden Entscheidungen der "guten Genossen" geduldet und umgesetzt. In alter Manier wurde wieder Kadavergehorsam geleistet. Geduldet wurde auch, dass Einzelne für nichts als das Aussprechen ungeliebter Wahrheiten verurteilt wurden. Wieder einmal biederte man sich bei den "Machthabern" an und erhoffte sich daraus persönliche Vorteile.

Als für die ökonomische Entwicklung entscheidendes Problem stellte sich der Umgang mit dem Volkseigentum dar.
Wie geht man mit dem - was allen gehört - um?
Welche Rolle spiele ich an meinem Arbeitsplatz?
Das eigentlich normale und notwendige Bewußtsein, dass jedes Bedürfniss erst durch seine Erwirtschaftung befriedigt werden kann, wurde teilweise völlig verdrängt und wich der kleinbürgerlichen Selbstbefriedigung.
Es wurden Erfolge gemeldet, die eigentlich keine waren! Selbst Mißwirtschaft wurde "korrigiert" bis zur Erfolgsmeldung! Und je höher die Ebene der Berichterstattung wurde, desto schöner klang alles.
Die Berichte der Medien konnte keiner mehr hören, weil sie im Gegensatz zur Realität nur so vor Schmalz trieften.

Über Sätze wie "Aus unseren Betrieben ist mehr rauszuholen" haben wir gelacht!
Eigentlich eine zynische Interpretation - oder?

Jetzt haben wir das, was wir uns erarbeitet hatten auch noch verloren!
Und das besonders Schlimme:
Jetzt kann das Kapital wieder weltweit wüten, bis sich die Menschen wieder erheben!

Geben wir unsere Erfahrungen selbstkritisch, fern von Schuldzuweisungen und Verklärungen mit auf den gemeinsamen Weg.

Sehen wir die DDR-Geschichte als ein Mahnmal dafür, wie man es nicht macht!

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Gerno am 01.10.2010 13:10


Meinungsbildung und
Meinungsfreiheit in der DDR

Die Grundhaltung der DDR war immer, Mitgestaltung in der Gesellschaft. Eine politische Bewertung von Ereignissen ist aber nur möglich, wenn der Einzelne politisches Wissen besitzt. Dieses politische Wissen vermittelten die Parteiorganisationen und gesellschaftliche Organisationen sowie vor allen die Arbeitskollektive in den Betrieben und Einrichtungen gleichfalls die Schulen, Universitäten und Volkshochschulen. Alles wurde ergänzt durch Parteilehrjahr, Gewerkschaftsschulungen und FDJ-Lehrjahr auf allen Ebenen der sozialistischen Gesellschaft. Die Politik zu unserer Zeit hatte kein Interesse an der Verdummung der Menschen, wie es heute üblich ist. Heute heißt es, nur Unwissende sind ein gutes Stimmvolk bei Wahlen.

Der Ausgangspunkt für diese Thematik war ein Gespräch mit einer Bekannten in diesen Tagen über Meinungsbildung in der heutigen Zeit. Sie setzt sich ins Auto, macht den Informationssender an, und hört die suggerierten Meinungen. Das war es. Ach halt, die Zeitung hätte ich fast vergessen
.
Wie war es zu DDR-Zeiten?

Zu Beginn der Arbeit oder der Schule wurden die politischen Gedanken ausgetauscht. Es gab einen intensiven Meinungsaustausch. Die Argumente wurden hin und her gewendet und es entstand ein Meinungsbild, wie ein Meinungsmosaik. Vielfach waren die Meinungen kontrovers und jeder übernahm die Gedanken und Argumente, die er für richtig hielt

Die Smalltalks von heute bringen gar nichts. Ich glaube, wir waren beide erschrocken, wie primitiv sich heute Meinungsbildung vollzieht.

Hohe Achtung habe ich vor den Millionen DDR- Bürgern, die jeden Tag den Willen bekundeten, durch politisches Wissen und aktive Taten für den Sozialismus die Arbeiter und Bauernmacht zu stärken.
Eine andere Seite war das gefährlichste Schlachtfeld des Kalten Krieges, die ideologische Diversion. Die Einwirkung des Westens durch die Medien auf die Bürger der DDR war breit angelegt.


Warum entschied sich die Mehrheit trotz täglicher Einflussnahme des Westens immer wieder für das Leben in der DDR?

• Weil, das DDR-Fernsehen und das BRD-Fernsehen Tag für Tag eine politische Entscheidung abverlangte
• Weil, ihre Lebenserfahrung im Sozialismus, ihre gelebte Wahrheit ihnen einen Vergleich ermöglichten
• Weil, das Schaufenster Westen und die Sensationshascherei erkennen ließen, wie oberflächlich und dendenziös die Darstellungen waren
• Weil, die Darlegungen über den DDR-Alltag den Leben im Sozialismus nicht entsprach
• Weil, sie spürten, dass im Westen für die soziale Sicherheit und soziale Gerechtigkeit der arbeitenden Menschen nichts getan wurde

In der täglichen Diskussion mussten wir oft auf viele Fragen antworten, die uns der Westen aufdrückte. Diese Diskussionen gab es jeden Tag in vielen Familien, in vielen Arbeitskollektiven, in Gewerkschaftsversammlungen und Parteiveranstaltungen. Hervorheben muss man immer wieder der Hauptinhalt war die Überzeugungsarbeit für den Sozialismus. Die Meinungsbildung war derartig intensiv und kontrovers, wie es sich die Westler und die jüngeren DDR-Bürger nicht vorstellen können.

Diese Meinungsbildung wäre ohne Meinungsfreiheit nicht möglich gewesen. Die intensive politische Meinungsbildung in der DDR war eine Kraft, brachte Stabilität, brachte Vertrauen, war Ausdruck eines gesunden Selbstvertrauens bei der Mitgestaltung der Gesellschaft.
Das Schwierigste war, zwischen ehrlichen Meinungsaustausch und feindlichen Absichten zu unterscheiden.

Was bringt der Small Talk außer, dass er alles verdeckt, das Unwesentliche zum Wesentlichen macht und von Auseinandersetzungen und Meinungsbildung abhält. Es ist die Verlogenheit und Oberflächlichkeit in hoher Potenz. Ja keine politische Meinung preisgeben, kein Anecken zulassen und keine Möglichkeit geben, einen Standpunkt auszustreiten.
Es ist die Methode, Meinungsfreiheit zu verhindern! Es gibt keine Meinungsfreiheit ohne Meinungsbildung. Meinungsbildung vollzieht sich heute in der Hauptsache über Indoktrination (Bevormundung,Belehrung)

Da war der kalte Krieg gegen die DDR brutaler. Jeden Tag konnten sich die DDR-Bürger zwischen 2 Fernsehprogrammen entscheiden.

Und mussten jeden Tag entscheiden, bin ich für die DDR oder gegen die DDR. Sie mussten sich jeden Tag eine Meinung bilden, ausgehen von der Wirklichkeit in der DDR und den Verdrehungen des Westfernsehens.

„Ein außerordentlicher hoher Anspruch“

Es war immer eine Entscheidung im Krieg der Systeme.

In Deutschland war es besonders leicht aber auch besonders schwierig durch die gemeinsame Sprache und die gemeinsame Kultur. Dieser politisch ideologische Krieg, das Schlachtfeld ideologischer Diversionen erdrückte auch viele Menschen
. Man könnte Goethes Faust zitieren:
„ Das ist der Weisheit letzter Schluss: Nur der verdient
sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern
muss.“

Warum entschieden sich die DDR-Bürger immer wieder für die DDR?

Ich will einmal versuchen, es an den heutigen Amokläufen an den Schulen darzustellen. Darüber bestehen auch bei denen Kenntnisse, die die DDR und den Kalten Krieg nicht erlebt haben.
Die Berliner Zeitung schreibt (10.03.2010):
Die Lehren aus Winnenden sind andere Türschlösser, mehr Schulpsychologen
und strengere Waffenkontrollen.
Verhaltensbroschüren, Lautsprecheranlagen, Handyparks für Lehrerverbindungen können die Amokläufe nicht verhindern.
Es sind alles Nebenschauplätze, Nebenfelder oder Nebenmaßnahmen die Amokläufer nicht abhalten. Wer Amok laufen will, lässt sich von diesen Maßnahmen nicht beeindrucken. In Hamburg bildet man Krisenteams aus Schülern und betreibt Amoktraining in den Schulen. Freiwillige Waffenabgabe (10000) soll helfen. Dabei kommt auf 5500 Schüler nur ein Psychologe. Auf die Ursachen geht niemand ein, auch der Bundespräsident nicht, weil die Ursachen durch die ökonomischen Bedingungen, die Marktwirtschaft hervorgerufen und nicht beseitigt werden können oder sollen.

Die Winnenden Schüler sind besser und ihre Schulleiterin Frau Hahn bringt es zum Ausdruck: „Ich habe einen Traum, dass wir dem Leben wieder trauen
und Freude wieder spüren können. Von den Schülern entworfene Symbole – ein Herz, ineinander verschlungene Ringe, Fußabdrücke – stehen für Gefühle und Hoffnungen wie achtbares Zusammenleben, Hilfsbereitschaft und Vertrauen.“

Aber keiner sagt, dass wir das 40 Jahre in der DDR erlebt oder gelebt haben. Es wird deutlich, die ökonomischen Bedingungen müssten sich ändern.

Die Ursachen sind:
• Prestigedenken der Eltern und dadurch Überforderung der Kinder
• Die Verehrung der Amokläufer wie Helden, weil das Geld einbringt (massenhafte Bilder, Mittelpunkt der Gesellschaft, Filme, usw.)
• Für die Probleme junger Menschen hat keiner Zeit und Geld. (zu wenig Lehrer, kein Vertrauen zu den Lehrern, keine Jugendorganisation, die vieles richten kann, zu wenig Jugendclubs usw.)
• Kein Zurückdrängen des Geltungsbedürfnisses und Verhinderung falscher Vorbilder
• Keine Beseitigung der Ellenbogengesellschaft, die Rücksichtslosigkeit und Gewalt gegenüber anderen fördert.

Das Hauptproblem und die Ursachen sind:

Wenn die Ellenbogen in der Ellenbogengesellschaft nicht mehr ausreichen, ist der Amoklauf die einzige Möglichkeit, seinen Geltungsdrang, seinen Größenwahn, seinen Egoismus so zu verwirklichen. Und das mit wenig Geld. Sich selber zu verwirklichen ist die Devise. Nur dadurch erhält der Amokläufer Presse- und Medieninteresse oder später sogar einen Film über sein Verbrechen. Seine Bild und seine Tat gehen um die Welt, und das immer wieder, weil die Sensationsberichte eine der besten Einnahmequellen sind. Er wird zum negativen Helden, indem er für sein Versagen anderen die Schuld gibt. Für sein Versagen rächt er sich an Unschuldigen.

Diese Auswirkungen der Ellenbogengesellschaft erlebten die DDR-Bürger in ausreichendem Maße in vielfacher Weise im Westfernsehen. Sie wussten in der DDR ist so was nicht möglich. Sie spürten jeden Tag den kalten Krieg und seine Auswirkungen auf die Menschen. Vieles ist heute bereits in Vergessenheit geraten und das will die heutige Politik. Die Solidarität der Menschen untereinander und die gesellschaftlichen Möglichkeiten zu verändern aber auch zu verhindern, bestimmten bei Millionen DDR-Bürgern ihre Denkhaltung und ihr Vertrauen in den Sozialismus.
Im Streit der Meinungen in der DDR wurden auch Wege zu Veränderungen gesucht. Danach wurde über die Staatsorgane und den Parteiorganen solange umgesetzt, bis die Ursachen der Probleme beseitigt waren. Heute wird nur geredet und nichts verändert. An Stelle der Ursachenbereinigung werden Reden über alles Mögliche gehalten und unverantwortliche Zielstellungen formuliert zum Beispiel:

Die Delegitimierung der DDR, ein Staatsauftrag der BRD, ein Werk der Antikommunisten und DDR-Hasser ist die Fortsetzung des Kalten Krieges.

Wenn die heutige Politik ehrlicher wäre, müsste sie eingestehen, die Politik der Delegitimierung ist zum Scheitern verurteilt bzw. ist schon gescheitert.

Die Emnid-Umfrage vom 15.03.2010 besagt, dass

80 % der Ostdeutschen und

72 % der Westdeutschen

sich vorstellen können, im Sozialismus zu leben, wenn Arbeitsplätze, Solidarität und Sicherheit gewährleistet werden. Diese Forderung kann der Sozialismus erfüllen.
• Arbeitsplätze für alle Bürger
• Solidarität auf allen Ebenen der Gesellschaft
• Sicherheit in sozialer Hinsicht – Verhinderung von Gewalt und Abzocke

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam die Emnid-Umfrage 2009 (veröffentlich in der Zittauer Zeitung vom 26.06.2009).

89 % der Ostler sind der Auffassung, man konnte in der
DDR leben, wenn auch
32 % davon sagen, es gab viele Probleme, aber zur Not
konnte man damit fertig werden.
57 % davon hielten die DDR für gut und lebenswert,
nur
8 % hatten die Meinung, die DDR hatte ganz überwiegend schlechte Seiten, in vielen Bereichen herrschte Mangel und sie lebten in einer Diktatur. .

Erstaunlich ist, wie die Westler die DDR sehen, die sie nie erlebt haben. Die Indoktrination hat hier prägende Wirkung. Die Obrigkeit muss doch Recht haben (siehe Anlage 1).
Meinungsfreiheit schließt Veränderungen ein. Was leider in Deutschland nicht möglich ist.

70 % der Deutschen sind gegen den Afghanistan – Einsatz und
80 % für den Sozialismus.
Über den EU Beitritt hat man die Bevölkerung lieber nicht abstimmen lassen.

Wie viel gilt die Meinung des Volkes?
Wann kommen Veränderungen?

Was das Obrigkeitsdenken betrifft, das in einer entpolitisierten Gesellschaft zunimmt, gefiel mir die Aussage von Herrn Birnbach in der 3-teiligen Dokumentation zum 2. Weltkrieg (2005 im 3. Teil – Ende des Krieges)da sagt er:
„ Gehorsam ist die Kultur der Deutschen“

Herr Birnbach ist Niederländer und war Häftling in vier Konzentrationslagern der NAZIS. Eine erstaunliche Feststellung.






Anmerkung vom 20.Mai 2010

Kollateralschäden im Kalten Krieg


Manch einer wollte den Kriegstreiben des Kalten Krieges entfliehen. Welche Möglichkeiten gab es?
• Einmal den Kriegsgetümmel sich durch Flucht zu entziehen, durch Überlaufen auf die andere Seite (Fluchtlawinen)
• Einmal durch die Formulierung „Mich interessiert die Politik nicht“, aber ausweichen konnte man trotzdem nicht, weil das Leben, die Arbeit und Diskussionen jeden einbezogen hat.
• Einmal sich in die Nischen zurückzuziehen. Die Datsche und die Kirchen waren günstige Rückzugsgebiete, sie wurden von allen genutzt, auch von den Aktivisten des Kalten Krieges.

Wie in jedem Krieg trifft es auch Unschuldige. Heute nennt man dies Kollateralschaden und trotzdem bin ich mir sicher, dass die große Mehrheit der im Kalten Krieg Verurteilten zu Recht verurteilt worden sind.

Wer ist eigentlich schuld an den Fernsehschlachten?

Wer ist schuld an den Kollateralschäden?

Jeden Tag wurden die Bürger der DDR indirekt und direkt aufgefordert, Straftaten gegen die DDR zu begehen und das 40 Jahre lang. Eigentlich müssten
die Anstifter von Straftaten genauso vor Gericht kommen, wie die gefassten Täter.

Die DDR-Bürger wurden immer wieder aufgefordert:
• Die DDR zu verlassen
• Tunnel zu bauen,
• Stacheldraht zu überwinden
• Mit Luftballons zu fliehen
• Mit Boot und Auto die Grenze zu durchbrechen
• Auf fahrende Züge aufzuspringen
Manch einer, der diesen Aufforderungen nach kam, ist zu Tode gekommen und das immer mit dem beliebten Wort „ FREIHEIT“.
Heute werden den Kollateralschäden des Kalten Krieges, Kreuze und Denkmäler gesetzt, aber nicht geschrieben, es waren Kollateralschäden im Kalten Krieg. Das ist die Welt auf den Kopf gestellt. Das ist im Prinzip beispielgebend für die extreme Linke, die unter der Losung „FREIHEIT und GERECHTIGKEIT“ Autos abfackelt, was ich verurteile und für keine berechtigte Kampfform der Arbeiterbewegung halte. Eigentlich müsste sie wissen, dass die bürgerliche Gesellschaft sie nicht zu Helden erklären wird. Das wäre anders, wenn sie die Autos im Sozialismus abgefackelt hätte. Dann wäre sie, wie die Tunnelbauer u.a. zu Helden geworden.

Diese verfluchte Beispielwirkung und falsche Heldenverehrung ist fatal.

Was haben eigentlich die Tunnelbauer, Autorambos, Bootsbesetzer und die Abfackler von Autos gemeinsam? Sie begangen oder begehen Straftaten unter der Losung „FREIHEIT“ aus Protest oder Egoismus. Ein Unterschied gibt es, die Freiheitsrambos der Vergangenheit haben die Gefährdung von Leben bewusst in Kauf genommen. Die extremen Linken verursacht materielle Schäden.


Goethe hatte Recht. Er formulierte:

„ Das Wort Freiheit klingt so schön, dass man es nicht entbehren könnte, und wenn es einen Irrtum bezeichnete.“
Johann Wolfgang von Goethe



Anlage 1 Emnid-Umfrage 2009

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Uwe K. am 04.10.2010 12:27
Für alle, die in der "Feierlaune" - 20 Jahre einig Deutschland - einiges nicht vergessen sollten:

Im Osten, dessen Bewohner 20 Prozent der deutschen Bevölkerung ausmachen, sind im Verhältnis doppelt so viele Menschen arbeitslos wie im Westen. Der Verdienst der Ostdeutschen ist um 17 Prozent geringer als der, den die Westdeutschen erhalten. Das Minus der ostdeutschen Reallöhne gegenüber den westdeutschen beträgt (dies jeweils im Durchschnitt) 9,5 Prozent. Der Niedriglohnsektor ist im Osten jedoch doppelt so groß und die Löhne dieser Kategorie betragen durchschnittlich 4,86 Euro, im Westen nahezu sieben. Der Anteil der so genannten Hartz-IV-Aufstocker ist ebenfalls doppelt so hoch und der der jugendlichen Arbeitslosen beträgt nahezu das Doppelte.

Angela Merkel ist die einzige Ostdeutsche am Kabinettstisch in Berlin. Frau Johanna Wanka gibt die einzige Ostdeutsche in einer Landesregierung im Westen, während 18 Westdeutsche als Minister an Kabinettstischen der fünf Neuländer (also ohne Berlin) sitzen. Von 30 Dax-Unternehmen wird keines von einem Ostdeutschen geleitet. In Ost wie in West stellen die Westdeutschen 95 Prozent der Professoren der Geistes- und Sozialwissenschaften. Es existiert kein ostdeutscher Intendant eines Fernsehsenders und kein Chefredakteur eines einflußreichen Magazins. In Jena, wo es die Friedrich-Schiller-Universität, drei Max-Planck- und ein Fraunhofer-Institut sowie Forschungseinrichtungen von Jenoptik gibt, bestätigt sich dieses Bild vollständig. Die Direktorenposten besetzen Kolonialherren/damen.

In der Bundeswehr gab es 2009 200 Generale, von ihnen war einer ein(e) Ostdeutsche(r) (eine Generalärztin), was, wie sich leicht errechnen läßt, 0,5 Prozent ausmacht. Anders, je näher man der Kategorie der Muschkoten kommt. Auf eine 2009 im Bundestag gestellte Anfrage wurde die Auskunft erteilt: Im Auslandseinsatz befänden sich insgesamt 6391 Angehörige der Bundeswehr, von denen 3143 Ostdeutsche seien, also annähend 50 Prozent, bei den unteren Dienstgraden erhöht sich der Prozentsatz auf sechzig.

Soziologen, die die Hand am Puls der Ostdeutschen hatten, haben deren Ansicht über ihr Befinden in Deutschland-einig-Vaterland in Zahlen so ausgedrückt: 64 Prozent fühlen sich als Bürger zweiter Klasse, 77 Prozent meinen, verglichen mit den Westdeutschen »weniger als ihren gerechten Anteil« zu bekommen, und drei Viertel sehen sich schlicht benachteiligt.

Bei der Erwähnung von 1,6 Billionen Euro, die in den Osten geflossen sein sollen, bleibt unangemerkt, daß die Gewinne der Einheit privatisiert, die Kosten hingegen sozialisiert worden sind, was gerade dazu beigetragen hat, das gewünschte Bild vom maroden und unproduktiven Osten unter die westdeutschen Spießbürger zu bringen.

Der weitaus größte Teil (ca. 92 %) der den Arbeitern in Ost und West abgeknöpften 1,6 Billionen Euro floß wieder in die Taschen von West-Unternehmen!
So weit zum angeblichen "Fass ohne Boden im Osten".

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Ulf Lee am 28.12.2010 23:59
... eine Unterhaltung gestern "der Kommunismus hat in der DDR nicht funktioniert" ...wir hatten keinen Kommunismus in der DDR.Das Gespräch war sehr interessant. In Schule hatten wir mal gelernt esg :::? Entwickelte Sozialistische Gesellschaft. Ja die DDR was war sie jedenfalls nicht eine Gesellschaft wo es hartz 4 gab wo jeder "Mensch" aus seiner Wohnung fliegen konnte und wo nicht ständig alles Preislich angepasst wurde... hier nur Energie, ÖPNV , Mieten usw.das alles gab es nicht.
und die Leute wollten Wohlstand ...Autos Reisen ...doch sie viele haben wohl nicht die Kapitalistische Gesellschaft in der BRD erkannt.
...was sie hatten in der DDR erahnten sie erst als alles Vernichtet war... bloß wo ist der
Ausweg daraus darüber streiten sich viele linke , linke und linke jeder für sich das ist leider so , das hat man jetzt in den 20 Jahren hier gesehen. Eine ist im Bundestag und man könnte denken die erhalten sich da nur selber (es gibt nur sehr wenige Ausnahmen) die wirklich alles geben. Ja wohin geht die Reise , es gibt da wohl kein Rezept. oder ?

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Karl-Heinz Schulze am 26.01.2011 13:50
Ideologischer Nebel kann nicht für Klarsicht dienen. Ich habe mir einige der Youtube Videos angesehen. Über so viel Unfug könnte man nur lächeln wenn damit nicht neue Vorurteile, Ängste und falsche Gedanken verbunden wären.
Ja, auch ich bin mit schuldig daran, dass es die DDR nicht mehr gibt. Für einen Kommunisten, Marxisten-Leninisten und ehmaligem SED Mitglied war diese Entwicklung schmerzhaft und mancher hatte Selbsttötung begangen. Wir waren plötzlich heimatlos und die Partei, ein Zusammenschluss von Gleichgesinnten, zerfiel an dieser Lüge. Es wird immer gern mit den Fingern zur Ablenkung auf Andere gezeigt, aber das erklärt noch nicht warum wir als Parteimitglieder, warum die Kommunisten in der Partei ihre Verantwortung nicht gerecht geworden sind. In den Grundorganisationen und in den Parteigruppen gab es Mitglieder welche ehrlich und aufopferungsvoll gearbeitet, ja gekämpft hatten. Im kleinen Rahmen konnte man sich auch gegenseitig die Meinung sagen, nur es änderte nichts. Das kennen wir doch von Heute, oder?
Komplizierter wurde es mit der Kritik an Vorgesetzte Parteileitungsmitglieder. Warum hatten wir das Zugelassen, dass es diese Dinge gab, die im Buch "Sozialismus am Ende?" so wunderbar dargestellt wurden? Warum hatten nur Wenige den Mut dagegen anzugehen und hatten dafür Parteistrafen bis zu Inhaftierungen in Kauf genommen? Waren diese Genossen deswegen Helden? Nein, es waren keine Helden, eher auch Angsthasen. Nein, es waren Kommunisten welche sich vieles nicht erklären konnten, Widersprüche entwickelten und keine Antworten auf ihre Fragen bekamen. Sehr viele ehemalige Genossen sind daran zerbrochen. Das hatten nicht einmal die Nazis in den KZ geschafft. Und nun müsste doch bei Allen die Kommunisten sein wollen das große Nachdenken beginnen. Wann und wo begann das Unheil oder sind wir wirklich nur Träumer? Heute machen wir zuweilen den Fehler und machen etwas starr an Erscheinungen fest, obwohl Brüche nur ein relativer Abschluss einer Entwicklung ist ist nicht der Beginn. Anerkannt unter vielen Linken ist die Kritik am XX. Parteitag der KPdSU. Wer die Entwicklung so versteht, als sei ein Schalter umgelegt worden und eine absolut neue Realität ist da, der verkennt den schleichenden Charakter einer Konterrevolution von Oben. Weiterhin war die DDR ein Kind der Sowjetunion, wie man bei uns sagte. Ostdeutschland hatte 1945/46 die meisten Kriegsschäden, es existierte faktisch keine Wirtschaft mehr und das was noch da war wie Eisenbahngleise wurde als Widergutmachung an die ebenfalls stark zerstörte Sowjetunion für ganz Deutschland gezahlt. In der jungen DDR bestand noch eine lange Zeit das Besatzungsstatut und somit eine eingeschränkte Souveränität. Warum frage ich nun sind 1989/90 ausnahmslos alle sogenannten realsozialistische Staaten dem Ende der Konterrevolution zum Opfer gefallen? Ja, es waren die Verarbeitung der Ergebnisse des XX.Parteitages der KPdSU und die damit falsche Weichenstellung. Auch das hatte wiederum verschiedene Ursachen. Eine davon war die Verschärfung des kalten Krieges durch die Remilitarisierung in der Bundesrepublik. Statt zu Agieren wurde mehr auf die Politik des Westens reagiert und es blieb keine Zeit zu ernsthaften Diskussionen in der Abeiterbewegung. Mit dem Ende des kalten Krieges, der seinem Wesen nach der kalte III. Weltkrieg war, verschwand auch die Sowjetunion, "das Vaterland aller Proletarier", von der geschichtlichen Landkarte. Der von uns nicht erkannte Revisionismus hatte solche Leute wie Gorbatschow, Chauschesku, Jelzin und andere hervorgebracht und für einen ideologischen Scherbenhaufen gesorgt.
Ist es heute nicht unsere Pflicht das Bewahrenswerte aus 70 Jahren sozialistischer Geschichte zu erhalten? Damit meine ich die Geschichte aller Menschen, welche auf den Planeten Erde für eine menschliche von Ausbeutung und Unterdrückung befreite Gesellschaft kämpfen. Wir haben in vielen Ländern positive wie auch negative Erfahrungen gesammelt. Was hat sich bewährt, was nicht? Was sind Allgemeinheiten und was sind Besonderheiten. Welche Rolle wird der Umweltschutz in Zukunft spielen müssen und wie wird das Zusammenwirken der Arbeiterklasse zwischen verschiedenen Ländern organisiert werden?
Leute, und wir hauen uns manchmal Dige um die Ohren die längst geklärt sein müssten. In künftigen Geschichtsbüchern wird einmal stehen, "Der Aufbau des Sozialismus/Kommunismus war ein schwerer, schmerzvoller aber auch erkenntnisreicher Weg und Kampf mit den alten überlebten Verhältnissen, Traditionen und Prägungen. Es war kein Weg auf Rosenblätter aber ein notwendiger Weg zum überleben der ganzen Menschheit. Auch hier mein Aufruf, stärkt die revolutionäre Partei in Deutschland und klärt die ideologischen Differenzen im Interesse der kommenden Revolution.

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Schorschy Böhme am 27.01.2011 20:43
Lieber Genosse Schulze,
du sprichst mir in vielen Dingen vom Herzen. Dafür erst einmal herzlichen Dank!

Schuldig, das es die DDR nicht mehr gibt? Die Menschen, die 1989 auferstanden sind wollten am Anfang (nur) eine bessere DDR, also einen besseren Sozialismus. Doch mit Hilfe zahlreicher Reaktionäre aus der BRD (Zeitung, Fernsehen aber auch Politiker!) entwickelte sich daraus eine echte Konterrevolution. Der Feind war zur (für ihn!) richtigen Zeit an der richtigen Stelle.

Auch für mich als Kommunist und ehemaliges SED Mitglied war diese Entwicklung äußerst schmerzhaft. Heimatlos war ich jedoch nie. Ich fühle mich jedoch seit dem 3. Oktober 1990 staatenlos.

Leider waren in der Partei nicht nur ehrliche menschen. Viele hatten diesen Zug bis dahin nur genutzt um aufzuspringen um auf ihrer Karriereleiter vorwärts zu kommen. Nicht alle SED-Mitglieder waren Kommunisten, (nicht alle FDJ-Funktionäre Jungsozialisten).

Wer traut sich denn heute noch etwas zu sagen? Die meisten menschen halten doch das Maul in der Hoffnung so nur nicht negativ aufzufallen. Nur wir kommunisten sind in der Lage ihnen den richtigen Weg zu zeigen und mit ihnen den richtigen Weg zu gehen!

Wenn der kalte Krieg seinem Wesen nach der (kalte) III. Weltkrieg war dann müssen wir uns endlich eingestehen, das wir diesen Krieg verloren haben. Doch das gibt uns noch lange nicht das Recht ein für alle Mal aufzugegeben. Wir müssen jede Chance nutzen unserem Ziel - der Befreiung der Menschheit vom Kapitalismus! - ein Stück näher zu kommen. Lange hatten wir Zeit neue Kräfte zu sammeln. Nun gilt es auf der Grundlage unserer bisherigen Erfahrungen unseren Kampf aktiv fortzusetzen. Bauen wir endlich eine starke linke Einheitfont auf! Einen einzelnen Finger kann man leicht brechen, nicht aber eine ganze Faust!

Uns ist klar, das wir einen sehr langen und steinigen Weg vor uns haben. Gemeinsam mit allen friedliebenden Menschen wird es uns gelingen. Nur wenn wir mit den Massen eine starke Front bilden wird es uns gelingen unser Ziel zu erreichen. Machen wir uns endlich auf den Weg!

In diesem Sinne hoch die Faust
Schorschy

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Karl-Heinz Schulze am 29.01.2011 20:47
Hallo Genosse Schorchy,
Danke für diesen ehrlichen und solidarischen Beitrag. Dennoch einige Gedanken von mir dazu. 1989 war in der Tat in der DDR eine gesellschaftliche Situation eingetreten, welche Veränderungen im Interesse der DDR Bürger zwingend notwendig machten. Die inneren Bedingungen für eine Revolution wie sie Lenin in seiner Revolutionstheorie begründete waren herangereift. Auf Grund der revisionistischen Entartung der gesamten SED und nicht nur der Führung, wurde die SED sprachlos. Sie verstand schlicht das Volk nicht mehr. Da die gesellschaftliche Krise den ganzen sogenannten Ostblock erfasste konnte diese auch nicht mehr im Rahmen der DDR oder der einzelnen anderen sogenannten sozialistischen Staaten gelöst werden. Die Öffnung der Staatsgrenze zum Natobereich war kein Lapsus oder Dummheit von Schabowsky wie man uns später einreden wollte, sondern eine Flucht vor dem Volk nach vorn. Erst danach war die Luft raus, die DDR vielleicht im sozialistischem Sinne zu reformieren. Das Aufbegehren des Volkes war berechtigt und gerechtfertigt, das Ergebnis der zeitweilige Sieg der Konterrevolution und die Beseitigung der Ergebnisse und gesellschaftlicher Realitäten nach dem II.Weltkrieg. Auch das Ergebnis der großen sozialistischen Oktoberrevolution wurde rückgängig gemacht. Ja, wir müssen uns eingestehen, wir hatten den kalten III. Weltkrieg verloren.
Viele ehemalige SED Mitglieder hatten sich den neuen Bedingungen angepasst, angebiedert oder gar die Seite nicht nur gefühlsmäßig gewechselt. Aber schon 1989 fanden sich Genossen welche Lehren und Schlussfolgerungen aus dieser Entwicklung ziehen wollten. Inzwischen sind über 20 Jahre vergangen und die Diskussion über Kommunismus, gesellschaftliche Perspektiven, über Zukunft und Erhalt des Planeten Erde sind wie Phönix aus der Asche auferstanden. Innnerhalb von nur 20 Jahren haben wir in Deutschland wieder eine kampferprbte, zwar relativ kleine, dafür aber eine putzmuntere revolutionäre Partei. Seit letzten Herbst haben wir wieder eine internationale Kampfgemeinschaft in Form der ICOR. Ich möchte sagen, dass manche aus ihrer Trauerarbeit, dem Wundenlecken und des Selbstmitleides nicht herauskommen und Andere sich auf den Weg gemacht hatten. Wir hatten gelernt mit Sektierertum, mit kleinbürgerlichen Denken und Handeln fertig zu werden. Wir sind Suchende und Lernende zugleich ohne alle Fragen beantworten zu können.
Die Genossen aus West und Ost waren zuerst neugierig aufeinander und mussten sich in jeder Hinsicht kennen lernen. Hier entstand tatsächlich eine neue Einheit und die kann in der Praxis überprüft werden.
Heute stehen wir vor gewaltigen Herausforderungen und die relative Organisationsschwäche verhindert die Inangriffnahme mancher notwendiger Aufgaben. Der Klassenkampf von Oben bestimmt noch zu sehr den Takt. Dennoch werden wir in den nächsten Jahren aus den Puschen kommen müssen. Dabei werden zwei Fragen von entscheidender Bedeutung sein. Wie gelingt es uns die Umweltfrage mehr auf die Agenda zu setzen und wie gelingt es uns die soziale mit der Umweltfrage untrennbar miteinander zu verbinden? Der Kapitalismus wird ohne seinen Sturz die Erde verbrennen. Hätten die Urmenschen an Stelle des Feuers zuerst Atomkraftwerke gebaut, dann würden wir uns Heute noch mit diesen Strahlenmüll umherärgern müssen.
Die Menscheit hat nur eine Überlebenschanse wenn der alles zerstörende Kapitalismus beseitigt wird.
Für das was danach kommt sind aber unsere Erfahrungen aus den sozialistischen Aufbau aus allen ehemaligen sozialistischen Staaten, die Erfahrungen der Nationalen Befreiungsbewegungen bis hin zum Kampf um das Wasser in manchen Ländern schöpferisch anzuwenden. Genau das vertritt die MLPD. Darum mögen die Zweifler, die Unsicheren Mitstreiter sich die eine Frage beantworten, was spricht gegen eine Mitgliedschaft in der MLPD, was spricht gegen eine Stärkung der revolutionären Kräfte in Deutschland und in der Welt? Ich habe mir diese Frage schon vor 20 Jahren im Herbst 1989 beantworten müssen, damit ich politisch nicht heimatlos blieb.

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Jens-Uwe Springer am 30.01.2011 12:18
Hallo Karl-Heinz,

deine Beiträge lese ich immer wieder gerne, auch wenn ich nicht mit allem einverstanden sein kann.
Du schaust immer wieder mit einer gewissen Wehmut zurück an die Zeit der DDR, was verständlich ist, da vieles was dort aufgebaut und entwickelt wurde wertvoll und erhaltenswert war. Die DDR hat wenn man so will einen Doppelcharakter.
Die eine Seite repräsentiert durch die sozialistischen Errungenschaften, Erfahrungen, Lebensart usw. (diese positiven Erfahrungen und Ergebnisse müssen sicher noch mehr ausgewertet und gesichert werden -- Buch ??? Seminar mit entsprechender Dokumentation???)
Die andere Seite repräsentiert durch die revisionistische Entartung mit all ihren zerstörerischen Folgen für den sozialisischen Aufbau und Weg.
Die Revisionistische Seite hat sich sehr schnell zur Hauptseite entwickelt.
Denn entweder es wäre unmittelbar nach dem XX.Parteitag in der SU zum Machtkampf gekommen um die Diktatur des Proletariats wieder herzustellen, was aber aufgrund der Entwicklung davor nicht realistsich erscheint. Oder der gesamte Revisionistische Block als Zerrbild des Sozialismus musste verschwinden.
Die Beseitigung des Revisionistischen Blocks hätte sich entweder durch eine neue sozialistische Revolution oder durch den Zusammenbruch mit folgender Anpassung an den "westlichen" Kapitalismus ergeben können. Das erstere ohne eine Erkenntnis über den Revisionismus unmöglich.
Nun, die Geschichte hat die Antwort bereits geliefert.

"Ja, auch ich bin mit schuldig daran, dass es die DDR nicht mehr gibt."

Auf keinen Fall trifft den werktätigen Massen und ehrlichen Sozialisten die SCHULD für das Ende der DDR. Wenn dann ist die Schuld bei den revisionistischen Bürokraten und Parteifürsten zu suchen.

War es wirklich so wie du denkst ?

"Die inneren Bedingungen für eine Revolution wie sie Lenin in seiner Revolutionstheorie begründete waren herangereift."

Ich denke das dafür auf jeden Fall unabdingbare Faktoren fehlten.
1. das nötige Klassenbewußtsein, Erkenntnis über den revisionistischen Verrat, Todesverachtung und Kampfwille für ein soozialistisches Ziel ---> die Diktatur des Proletariats wier herstellen !!!
2. eine revolutionäre Partei mit entsprechender qualitativer (ideologisch-politisch)und quantitativer (Masseneinfluß/Mitglieder) Stärke

Eine sozialistische Revolution war also alles andere als zu erwarten.
Als notwendig erwies sich einzig und allein die schnellstmögliche Ausweitung der Parteiorganisation MLPD auf das Gebiet der ehemaligen DDR mit entsprechender Aufklärungs und Überzeugungsarbeit in Verbindung damit den Kampf gegen die Folgen der wirtschaftlichen Einverleibung zu organisieren und zu führen.
(Eine Klasse ein Gegner ein Kampf)

Die Frage die man sich stellen muss ist, gab es überhaupt noch eine Existenzberechtigung für die DDR bzw. dem Reviosnistischen Block insgesamt ?
War die Wieder-Herstellung eines einheitlichen Weltmarktes nicht eine Notwendigkeit, um den Weg frei zu machen für die Vorbereitung einer internationalen sozialistischen Revolution ?
Die idelogisch-politische Vereinheitlichung der ML Organisationen und Parteien und Arbeiterbewegung sowie die Gründung der ICOR war erst nach dem Zusammenbruch des "Ostblocks" praktisch möglich. In dieser Hinsicht ist bereits einiges geschehen.

Betse revolutionäre Grüße
Jens-Uwe










Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Schorschy Böhme am 30.01.2011 23:22
Lieber Genosse Schulze,
gern geschehen! oder "Hier stehe ich, ich kann nicht anders!" Lügen ist nicht mein Ding! Ich bin überzeugter Kommunist, also kann man von mir Ehrlichkeit und Solidarität erwarten.

Was das Jahr 1989 betrifft, so sind wir uns also einig! Niemand hätte jedoch zu diesem Zeitpunkt geglaubt, das die Revolution nach hinten losgeht.

Du schreibst "...Die Genossen aus West und Ost waren zuerst neugierig aufeinander und mussten sich in jeder Hinsicht kennen lernen. Hier entstand tatsächlich eine neue Einheit und die kann in der Praxis überprüft werden...." Meine Meinung? Du schreibst zu sehr partei-intern! Im Volk sieht das leider etwas anders aus. Da sind die "Wessis" wütend auf die "ossis", die Arbeitnehmer wütend auf die Hartz !V, die Deutschen wütend auf die Ausländer u.s.w.. Hass, der geschürt wird von den Kapitalisten. Solange sich das Volk uneinig ist, solange werden sie die Macht über uns haben! Unsere Aufgabe ist es aufzuklären und Solidarität und Frieden unter den Menschen zu schaffen. Erst wenn das Volk das verstanden hat, wird es richtig vorwärts gehen!

Eins ist doch klar: Dort wo es einzig und allein um den Profit geht, wird es für die Menschheit keine Zukunft geben!Ich glaube es gehört zur Evolution der Menschheit, das der Kapitalismus von einer menschlicheren und friedlichen Gesellschaft abgelöst wird. Die menschliche Entwicklung darf nicht im eigenen Untergang enden! Deshalb laßt uns kämpfen für Frieden und Sozialismus! Es lebe der Kommunismus!

Was gegen eine Mitgliedschaft in der MLPD spricht? Das will ich dir gern beantworten, Genosse. Da gibt es zwei wichtige Gründe:
1. die MLPD sympathisiert mit dem Stalinismus.
Stalin aber war der Anfang vom Ende auf dem Weg zum Kommunismus
2. die MLPD verhält sich sehr negativ gegenüber anderer linker Parteien in Deutschland.
Dabei kommt es mehr als je zuvor darauf an, dass sich alle linken Parteien, Gewerkschaften, Organisationen und Vereine miteinander verbünden und gemeinsam den Kampf gegen Imperialismus und Krieg führen.

Wir brauchen endlich eine starke Einheitsfront aller friedliebenden und linksdenkenden Menschen Deutschlands. Es darf keine Rolle spielen, ob die Ausgebeuteten Kommunisten, Sozialisten, Sozialdemokraten oder Christen sind! Wir dürfen dabei also kein Parteiinteresse, das neben dem Klasseninteresse des Arbeiters steht kennen. Die einzigste Politik der Partei muß die Politik der Arbeiterklasse sein. Wir müssen imstande sein, uns mit dem Ruf nach der kämpfenden Einheitsfront an die proletarischen Massen zu wenden, ohne Hintergedanken, ohne taktische Manöver, ohne Vorbehalt und ohne Bedingungen, außer der einen; daß die wirkliche Einheitsfront geschmiedet wird zum Kampf für die Interessen des Proletariats, zum Kampf gegen das Kapital, gegen die Bourgeoisie, gegen den Klassenfeind!
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