60. Jahrestag DDR

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Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Axel am
Hallo Uwe,
Zu Deiner Darstellung der DDR muss etwas gesagt werden. Also meine Anmerkungen:

Was es gab:
• immer Bananen, für jeden und sofort ein Auto, unbeschränkte Reisefreiheit;
Das ist beschönigend. Bananen gab es fast nie. Und viele andere Dinge gab es auch nicht. Knapp war fast alles. Auf Autos musste man bis zu 15 Jahre warten und die Reisefreiheit war so eingeschränkt, dass man überhaupt nur eine Hand voll Länder besuchen durfte.

• Arbeitslosigkeit, Obdachlose, Kinderarmut, Niedriglöhne, Hartz IV;
Arbeitslosigkeit gab es nicht. Stimmt. Obdachlosigkeit gab es deshalb nicht, weil es schlicht und einfach verboten war ohne festen Wohnsitz zu leben. Kinderarmut gab es nach den bundesdeutschen Masstäben flächendeckend. Und Niedriglöhne auch. (Mein Anfangsgehalt als Ingenieur waren 690,-DM) Hartz IV gabs natürlich nicht.

• Milliarden und Millionen für Banken und Banker, Monopole und Manager;
Es hat eben alles dem Staat gehört und der hatte auch die Milliarden.

• 2-Klassenmedizin, Praxisgebühr, Zuzahlungen;
Es gab ein Regierungskrankenhaus mit Weststandard. Die Gesundheitsversorgung war weit unter Westniveau. Manches gab es einfach nicht.

• Bildungsnotstand, Schulen in Not, Eliteschulen und Eliteuniversitäten;
Die Ausstattung der DDR-Schulen war viel schlechter als das der heutigen Schulen. Der Zugang zu Universitäten wurde ganz einfach so beschränkt, dass jeder einen Platz im Hörsaal hatte. Und wer politisch nicht linientreu genug war, bekam eh keinen Platz. In der FDJ mußte man schon sein.

• hohe Mieten, teurer Nahverkehr, üppige Preise für Kultur und Sport;
Stimmt.

• Aggression nach außen, zunehmende Repression nach innen, Beteiligung an Kriegen;
usw.
Aggressionen nach außen (z.B. SU - Afganistan) wurden durchaus unterstützt. Aktive Teilnahme gab es nicht. Repression nach innen gab es auf jeden Fall. Wie man das bestreiten kann ist mir schleierhaft.


Was es gab:
• (fast) immer Äpfel, spottbilliger Nahverkehr, FDGB-Ferienreisen fast für umsonst;
Rotkohl gabs auch noch. Viel mehr aber nicht. Die FDGB-Reisen nur begrenzt. Da mußte man warten, Glück haben und nicht negativ auffallen.

• jeder hatte eine sinnerfüllende und gut bezahlte Arbeit, Kredite für junge Eheleute (manche sogar geschenkt);
Eine sinnerfüllte Arbeit hatten nicht alle. Manche haben praktisch gar nicht gearbeitet. Die hatten nur einen Arbeitsplatz. Gut bezahlte Arbeit hatte überhaupt niemand.

• kostenlose Gesundheitsfürsorge, Betriebspolikliniken;
Die Gesundheitsfürsorge war so kostenlos wie jetzt auch. Man mußte halt Kassenbeiträge bezahlen.

• umfassende Betreuung der Kinder und Jugendlichen mit sinnvoller Lern- und Freizeitbeschäftigung;
Ja, aber nur durch staatliche und damit von der Partei gelenkte Einrichtungen. Entsprechende Indoktrination inklusive.

• billige Mieten, günstige Eintrittspreise für jeden bei Kultur, Sport und Erholung;
Stimmt. Allerdings waren die Wohnungen auch viel schlechter.

• keine Beteiligung an irgendwelchen kriegerischen Handlungen;
usw.
Hatten wir schon.

Gruß Axel

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von uwe kunze am
hallo axel,
so siehts die eine hälfte - gibt aber auch ne andre hälfte
gruss uwe k.

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Tom Werth am

Liebe Genossinen und Genossen,


ich bin leider erst 1981 zu Welt gekommen und dadurch konnte
die DDR nie wirklich meine Heimat werden,
aber die BRD schon garnicht.
Es freut mich das es doch noch einige Menschen gibt die eigene Erinnerungen haben
und die sich nicht von der Propaganda der herrschenden Klasse ,blenden und
manipulieren lassen.
Natürlich bekommt jemand der seine Informationen ausschließlich durch das B- magazin
und andere Hetzmedien bezieht,
ein völlig falsches Bild der DDR und seiner Menschen.
Das einzige worüber die sich all die Jahre auslassen,
sind Stasigefängnisse und Mauertote.
Diese Dinge eignen sich sehr gut um Menschen gegen einander aufzubringen und
das Proletariat so schwach und bedeutungslos zu halten.
Wer hat denn jahrelang für diese Ossi vs. Wessi Geschichten gesorgt?
Ja und wenn sowas nicht zieht, dann sind es halt mal die Ausländer gegen die
die Herrschenden aufhetzen.
Sprüche wie Kinder statt Inder und andere sauereien klingen mir da noch im Ohr.
Ganz aktuell reist jemand seinen Mund auf,
der uns noch vor kurzem mehr Netto vom Brutto versprochen hat.
Genau der hat heute mit den anderen Handlangern der Großkonzerne und Banken
beschlossen,
keine Rentenbeiträge mehr für Hartz 4 Empfänger einzuzahlen.
Unter den Hartz 4 Empfängern sind ganz viele Menschen die ihr halbes Leben
geschufftet haben und als wenn diese Menschen nicht schon genug erniedrigt werden,
jetzt noch das.
Ich bin noch relativ jung und ich weis nicht alles über die DDR,
aber was hier zur Zeit passiert,
hätte es im Sozialismus niemals gegeben.
In einer Gesellschaft wo das Kapital und dessen maximale Vermehrung und nicht
der Mensch im Fordergrund steht,
ist weder sozial noch demokratisch.
Ich meine die DDR war das bessere und freundlichere Deutschland und
mit dieser Meinung stehe ich bestimmt nicht allein.

Mit sozialistischem Gruß!

Tom


Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Axel am
Hallo Uwe K.:
Dass trifft nicht zu. Welche andere Hälfte sehe ich denn nicht?
Ich bin auf die von Dir genannten Punkte konkret eingegangen.
Wenn Du da anderer Meinung bist, können wir gern darüber diskutieren.

Gruß Axel

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Uwe Kunze am
hallo Axel
nun gut, wenn´s dir Spaß macht:

- "Welche andere Hälfte sehe ich denn nicht?", fragst du.

ich antworte:
+ die andere Hälfte der Menschen, die in der DDR gelebt haben.

- "immer Bananen, für jeden und sofort ein Auto, unbeschränkte Reisefreiheit";
+ habe nicht behauptet, dass es sie gab, sondern, dass es sie n i c h t gab!

- "Obdachlosigkeit gab es deshalb nicht, weil es schlicht und einfach verboten war ohne festen Wohnsitz zu leben";
+ viele würden sich freuen, wenn so was heute auch verboten wäre!

- "Kinderarmut gab es nach den bundesdeutschen Maßstäben flächendeckend"
+ was von dir noch zu beweisen wäre und: was sind denn "bundesdeutsche Maßstäbe"?

- "Milliarden und Millionen für Banken und Banker, Monopole und Manager...;
Es hat eben alles dem Staat gehört und der hatte auch die Milliarden."
+ die er eben nicht an Banken und Finanzmonopolisten verteilte, sondern in Bildung, Kultur, Sport, Erholung, Gesundheitswesen, Nahverkehr u.v.a. investierte - und: Milliardäre habe ich in der DDR auch keine kennengelernt!

- "Es gab ein Regierungskrankenhaus..."
+ es gab auch Betriebspolkliniken, warum also kein Regierungskrankenhaus als Betriebspoliklinik der Regierung?
Meinst du, dass heute ein Regierungsmitglied genauso behandelt wird wie ein Hartz-IV-Empfänger?

- über das Bildungswesen der DDR brauche ich nun wirklich nicht zu diskutieren, - selbst eine Frau Merkel durfte studieren! Zu den Kids heute - siehe PISA

- "Repression nach innen gab es auf jeden Fall. Wie man das bestreiten kann ist mir schleierhaft"
+ wo habe ich denn das bestritten? Wir hatten schließlich Diktatur des Proletariats und Klassenkampf!
Heute haben wir Diktatur der Bourgeoisie und durch diese zunehmende Repressionen nach innen - und: Kriege!

- "Was es gab: • (fast) immer Äpfel, spottbilliger Nahverkehr, FDGB-Ferienreisen fast für umsonst"
+ Entschuldigung, Rotkohl hatte ich ganz vergessen, FDGB-Reisen hätte heute gern so mancher Niedriglohnbezieher oder alleinerziehende/r Mutter/Vater mit 3 Kindern!

- "Manche haben praktisch gar nicht gearbeitet. Die hatten nur einen Arbeitsplatz."
+ darüber würden sich heute Millionen Menschen freuen!

- "Gesundheitsfürsorge war so kostenlos wie jetzt auch"
+ stimmt nicht, es gab keine Praxis-, Rezept- u. Zuzahlungsgebühren - weshalb heute viele gar nicht erst zum Arzt gehen (können)!

- "...Entsprechende Indoktrination inklusive..."
+ schön, dass die Kinder und der Rest der Gesellschaft heute nicht indoktriniert werden, ja, wer´s glaubt...!

- "waren die Wohnungen auch viel schlechter"
+ welche Massstäbe werden denn hier angesetzt?
Dass heute 2 Personen über 250 -m² haben können und andere mit 3 Kindern sich mal gerade 90 m² leisten können (müssen)?

Man kann auch nicht heutige Maßstäbe an 20 bis 30 Jahre zurückliegende Erscheinungen legen (z.B. Wohnungen, medizinische Geräte u.ä.),
weil die Entwicklung sowohl in Ost als auch in West weiter gegangen ist, bzw. weiter gegangen wäre.

Gruß Uwe K.

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Axel am
Hallo Uwe K.
damit es nicht so lang wird geb ich nur immer ein Stichwort zu jedem Thema an:

Welche Hälfte der Menschen in der DDR ich sehe und welche nicht versteh ich immer noch nicht. Aber ist vielleicht auch nicht so wichtig.

Zu „Bananen..."
Ich empfinde Deine Darstellung als beschönigend. „Es gab nicht immer Bananen" hört sich an als wenn es meistens Bananen gab und alles andere sowieso. In Wirklichkeit gab es fast nie Bananen und Kiwi und Mango waren völlig unbekannt.
„Es gab nicht für jeden und sofort ein Auto" hört sich an als wenn man ein paar Wochen warten mußte.
„Es gab keine unbeschränkte Reisefreiheit" hört sich an als wenn es nur ein paar Beschränkungen gab. In Wirklichkeit konnte man nur Polen und Tschechien relativ problemlos bereisen. Bulgarien und Ungarn wenn man brav war und dann wurde es schon sehr schwierig.

Zu „Obdachlosigkeit":
Ja wenn man alle Obdachlosen einsperren würde, hätten sie natürlich ein Dach über dem Kopf. Ich bezweifel aber, dass sie sich freuen würden.

Zu „Kinderarmut":
Nach bundesdeutschen Maßstäben gilt ein Kind als arm, wenn das Einkommen seiner Eltern weniger als 60% des Durchschnittseinkommens beträgt. Wenn man das in absolute Zahlen umrechnet ergibt sich immer noch ein Lebensstandard, den in der DDR kaum jemand hatte.

Zu „Milliarden für Banken"
Klar haben die DDR-Banken auch Milliarden bekommen. Und nicht nur die. Kein Betrieb konnte pleite gehen, egal wie schlecht er gearbeitet hat.. Alles wurde ausgeglichen.
Die meisten Banken die in der Finanzkrise gerettet werden mußten waren Staatsbanken. Klar muß man die retten. Zwei Privatbanken wurden auch gerettet und in diesem Zuge verstaatlicht. Die Eigentümer der Bank haben alles verloren. Das war doch alles richtig so. Oder?
Für Bildung, Kultur, Sport usw. Gibt jeder Staat Geld aus.

- Zu „Regierungskrankenhaus":
Das hab ich angeführt, weil Du behauptet hast in der DDR habe es keine 2-Klassenmedizin gegeben. Die meisten waren gleich, aber die oberen Parteigenossen waren auch in der Medizin ein Klasse für sich.

- Zu „Bildungswesen":
Was meinst Du warum Frau Merkel in der FDJ war? Weil sie zur Kampfreserve der Partei gehören wollte? Oder weil sie studieren wollte? Ohne FDJ wär es wohl nichts geworden.
Meine Schwester durfte nicht mal zur EOS.
Wie die DDR-Schüler bei PISA abgeschnitten hätten ist eine offenen Frage.

- Zu „Repressionen"
Klar hast Du die bestritten. Unter der Rubrik „Was gab es in ihr nicht?" hast Du aufgeführt:"...zunehmende Repression..."
Also wir sind uns einig. Es gab Repression.

- Zu „FDGB-Reisen"
Naja, vielleicht. Ich geb Dir einfach mal recht.

- Zu „Arbeitsplatz"
Ja klar, Arbeitsplätze für alle ist gut und wichtig. Das ist aber nicht der Punkt. Ich will nur klarstellen, dass die Arbeitsplätze eben nicht alle sinnerfüllt waren.

- Zu „Gesundheitsfürsorge":
Stimmt die Gebühren gabs nicht.

- Zu „Indoktrination":
Ich wohne in einer kleinen Stadt. Da gibt es aber über 100 Vereine bei denen man mitmachen kann. Kaum einer davon ist irgendwie politisch oder ideologisch ausgerichtet.

- Zu „Wohnungen":
Da kenn ich mich aus, weil ich im Bauwesen arbeite. Solche minderwertigen Türen, wie sie in die WBS70-Wohnungen eingebaut wurden, gibs heute gar nicht mehr. Und Bäder ohne Fliesen auch nicht. Von der Dämmung ganz zu schweigen usw. Und das waren die neuen Wohnungen. Was noch so an Altbauwohnungen in Gebrauch war würde man teilweise heute als völlig unzumutbar einstufen.
Klar sind inzwischen 20 Jahre vergangen, aber in den letzten Jahren der DDR wurde der Qualitätsstandard auch nicht verbessert sondern zurückgeschraubt. Zum Schluss gabs beim WBS70 ja nicht einmal mehr Fensterbänke. Vor der Badewanne war nur noch ein Blech usw. Es wurde also nicht besser.

Ich war froh als es mit der DDR vorbei war. Mancher hat das anders empfunden. Da kann ich natürlich keinem was vorschreiben, aber ein realistischer Blick auf die DDR muss schon sein.

Gruß Axel

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Uwe Kunze am
Hallo Axel,

"Welche Hälfte der Menschen in der DDR ich sehe und welche nicht versteh ich immer noch nicht."
+ beantwortest du doch selbst, indem du schreibst:
"Ich war froh als es mit der DDR vorbei war. Mancher hat das anders empfunden."
Ja und es war eine große Hälfte der Menschen, die es anders empfunden haben als du!

In manchen Fragen sind wir uns ja nun schon mal einig, aber zu folgenden habe ich noch ein paar Bemerkungen:

„Obdachlosigkeit":
+ in der DDR wurden keine Obdachlosen eingesperrt! Im Gegenteil, Haftentlassenen wurde Wohnraum und Arbeit beschafft und vom Arbeitskollektiv wurden sie auch noch betreut!

„Kinderarmut":
+ in der DDR gab es keine Kinder deren Eltern weniger als 60% des Durchschnittseinkommens verdienten!

„Milliarden für Banken":
+ das Thema ist doch nun wirklich unumstritten, da haben ja selbst so manche CDU-ler ne` klarere Meinung als du!
"Die Eigentümer der Bank haben alles verloren. Das war doch alles richtig so. Oder?"
Mit so einer Meinung solltest du dich wirklich mal sachkundiger machen!

Gruß Uwe K.

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Uwe Kunze am
Hallo Axel,
hier noch ein kleiner Nachschlag zu "Bildung" und "Armut"

Laut neuesten Bildungsbericht von Bund und Länder hat jeder sechste junge Mensch im Alter zwischen 20 und 30 Jahren keinen Berufsabschluß und befindet sich auch nicht in einer Bildungsmaßnahme.
Mit 17 % in der Altersgruppe der 20- bis 30jährigen hat der Anteil der Ungelernten offenbar den höchsten jemals gemessenen Stand in der Bundesrepublik erreicht – wobei die Lage aktuell sogar noch verheerender sein könnte. Der Bund-Länder-Bericht bezieht sich auf das Jahr 2008, damals nahm die Wirtschaftskrise erst Fahrt auf. Ein früherer Regierungsreport weist die Quote mit 15,2 Prozent für das Jahr 2007 aus, was seinerzeit 1,5 Millionen Menschen entsprach.
Verlierer sind nach dem Bildungsbericht vor allem Hauptschüler. Nach ihrem Abschluß befinden über 50 Prozent in einer sogenannte Warteschleife des Übergangssystems. Von den Hauptschülern ohne Abschluß werden mehr als drei Viertel in dieser Grauzone abseits der Erwerbslosenstatistik »geparkt«.
Der Bericht stellt weiter fest, dass fast jeder dritte Schüler in einer »sozialen, finanziellen und kulturellen Risikolage« aufwachse. Knapp ein Viertel davon entstammen einem Elternhaus, das arm ist.

Gruß Uwe K.

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Hans am
"Ich war froh als es mit der DDR vorbei war. Mancher hat das anders empfunden. Da kann ich natürlich keinem was vorschreiben, aber ein realistischer Blick auf die DDR muss schon sein."

Sehr richtig Axel, aber ich glaube kaum, dass Du im MLPD Sozialismusforum irgendwelche Realisten erwarten kannst!

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Paul am
Hallo Frank,
ich denke das "wie" und das "warum " kann man so, wie du es erklärst nicht voneinander trennen. Die marx. Theorie und Praxis bilden eine Einheit. Wenn das "warum" geklärt ist, nämlich, dass es aus der kap. Fäulnis keinen anderen Ausweg als den Sozialismus gibt, muss gleichzeitig auch erklärt werden, wie dies zu bewerkstelligen ist, nämlich durch die soz. Revolution. Sowohl Marx, als auch Lenin legten die Antworten auf beide Fragen dar. Die Sowjets waren die Partei der Bolschewiki und dies war eine revolutionäre Partei. Ohne revolutionären Vortrupp kann die Ak nicht zum Sieg geführt werden. Der DGB ist eine breite Gewerkschaft, in der zum Beispiel GEW, Verdi und andere zusammengeschlossen sind. Die gewerkschaftliche Bewegung ist die wichtigste Organisationsform der Arbeiter und Angestellten zur Durchsetzung ökonomischer Forderungen.( Lohnforderungen, Arbeitszeitverkürzung, unbefristete Arbeitsverträge, Übernahme der Auszubildenden nach der Lehre...) Diese werden auf einer bestimmten Entwicklungsstufe zu politischen Forderungen oder schlagen in diese um ( Gesetz der Anhäufung von Quantität und Umschlagen in eine neue Qualität). Dadurch kann eine revolutionäre Situation heranreifen. Nicht umsonst werden aktive und vorwärtsdrängende Gewerkschafter gemaßregelt und sind als erste von Arbeitslosigkeit bedroht. Das Kapital reagiert sensibel auf derart fortschrittliche Menschen, geht es doch letztendlich um die Macht der Kapitalisten. Diese wird das Kapital bis zum äussersten und mit allen Mitteln verteidigen. Das es so ist, beweist gegenwärtig der Krieg in Afghanistan anschaulich.
Die gesellschaftliche Entwicklung vollzieht sich nicht allmählich und eins nach dem anderen. Es kann in ihr zu Sprüngen kommen, in denen 1 Tag mehr bewegt als 20 Jahre. Wenn das "warum " geklärt ist, reicht dies längst nicht aus, denn die Massen bewegen sich nicht, wenn nicht klar ist, "wie" vorgegangen werden muss, dazu ist die praktische Schule des Arbeitskampfes unerlässlich und somit die Organisation der Gewerkschaften..

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Wolf-Dieter Rote Fahne Redaktion am

@Hans Hansen:

Warum meinst du, dass im Sozialismusforum der MLPD keine Realisten zu erwarten sind? Warum beteiligst du dich dann dort überhaupt. Die DDR ist zurecht untergegangen und damit auch der Betrug über einen angeblichen Sozialismus, der nach 1956 nicht mehr bestanden hat. Kennst du die Kritik der MLPD an der Restauration des Kapitalismus?


Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Uwe Kunze am
@Hans
zu deiner Aussage: "ich glaube kaum, dass Du im MLPD Sozialismusforum irgendwelche Realisten erwarten kannst!"

Ich bin kein Mitglied der MLPD und vertrete also hier nicht die Meinung der Partei.
Ich bin hier im Forum, weil ich viele Anschauungen mit ihnen teile, aber eine andere Meinung zur DDR habe. Darüber möchte ich eigentlich mit Mitgliedern der MLPD diskutieren.
Dabei antworte ich natürlich auch einem vermutlichem Nichtmitglied Axel.

In der MLPD gibt es bestimmt viele Realisten mit denen man sachlich diskutieren kann.
Auch Axel kann hier Realisten erwarten.
Aber auch Realitäten zu betrachten, hängt sehr vom jeweiligen politischem Standpunkt und der ideologischen Brille die man trägt, ab.

Gruss Uwe.K

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Axel am
Hallo Uwe K.
ich hab an unserem Bildungssystem auch viel zu kritisieren. Das heisst aber nicht, dass es in der DDR besser war. Hier wird das Bildungssystem wenigstens diskutiert und kritisiert. In der DDR war immer alles super. Ich schreib mal auf was aus meiner Sicht in der DDR-Bildung besser war und was schlechter:

Gut war:
- Leistungsorientierung.
- Unterricht wurde stichprobenartig kontrolliert.
- Kostengünstiges Mittagessen für alle.
- Nachmittagsbetreuung in AG (gibs heute auch, aber ich glaube damals gab es noch mehr)
- Ferienbetreuung.
- Effektive Eliteförderung.

Schlecht war:
- Schlechter baulicher Zustand der Schulen.
- Schlechte Lehrmitte.
- Ideologische Ausrichtung (eine eigenen Meinung war weder Lehrern noch Schülern gestattet)
- Militarisierung
- Inflationäre Vergabe guter Noten

Wie die DDR-Schüler beim PISA-Test abgeschnitten hätten, werden wir nie erfahren. Wahrscheinlich nicht so gut wie die Bayern aber besser als die Bremer.

Gruß Axel

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Schorschy am
Hallo Axel,
obwohl ich selbst für derart Aufzählungen überhaupt nicht zu begeistern bin, kann ich als ehemaliger DDR-Bürger das so nicht stehenlassen. Immerhin bin ich in der DDR groß geworden und habe 28 Jahre in diesem Staat (auch die BRD erkennt neuerdings die DDR als Staat an!)gelebt.

Gut war: da gibt es von mir keinerlei Einwände!

Schlecht war:
- Schlechter baulicher Zustand der Schulen.
Das entspricht überhaupt nicht der Wahrheit. Die alten Schulbänke flogen bei uns Ende der 60er raus und es wurde alles modernisiert. Außerdem entstanden immer mehr Neubauten.
Wo gibt es heute noch Schul-Neubauten?
- Schlechte Lehrmittel.
Der Verlg "Volk und Wissen" gab einheitliche und pädagogisch wertvolle Schulbücher heraus. Damals wie heute arbeiteten die Schüler mit Hilfsmitteln (wie Hausaufgabenheft, Schnellhefter und entsprechende Stifte)
- Ideologische Ausrichtung (eine eigenen Meinung war weder Lehrern noch Schülern gestattet)
Warum sollten wir uns eine andere Meinung bilden als die Lehren des Sozialismus?
- Militarisierung
. Ist es wirklich eine so schlechte Sache die Errungenschaften des Sozialismus zu schützen? Auch die antikommunistische Bundeswehr zog in die Schulen um für ihre Dienste zu werben.
- Inflationäre Vergabe guter Noten
Dann habe ich also inflationäre Einsen und Zweien bekommen? Geschenkt hat man uns nichts. Aber was ist so schlimm daran seine Lernziele hart zu erkämpfen?

Ich habe nichts dagegen, wenn man uns nachträglich dem PISA-Test ausliefern würde. Das Ergebnis kann ich im vorneherein leider nicht beurteilen. Aber ich bin mir sicher, wir hatten ein gutes sozialistisches Bildungswesen.

Rote Grüsse
Schorschy

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von rene am
Zum Stichwort "Ideologische Ausrichtung" kurz folgende grundsätzliche Feststellung:

Eine solche Ausrichtung gibt es definitiv auch im heutigen Schulunterricht!
Oder wie soll es anders bezeichnet werden, wenn den Schülern - so wie mir es einige berichteten in den letzten Jahren - permanent und systematisch ein einseitig negatives Bild der ehemals sozialistischen Staaten des Ostblocks insgesamt und der DDR im konkreten vermittelt wird?

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Frank am
Gut,alles in allem war die DDR so.Und nicht anders.Wie weiter?
Gab es da nicht was,was wir jetzt haben?Nun haben wir gelernt,was wir falsch gemacht haben.Und was nicht.
Wir wissen auch was Marx,Engels,Lenin u.a. festgestellt haben.
Ist es nicht an der Zeit aktiv zu handeln?Warten bis auch der letzte Bundesbürger
endlich begriffen hat,wie und unter welcher Gesellschaftsordnung er "leben kann und darf"?Und will!Das ist eigentlich schon weit über 50% der Bürger klar.Im Kopf.
Da keine Führung (Partei,Gewerkschaft u.u.u.)aufruft,zum offenen Kampf gegen Regierungführung und Monopolkapitalisten,werden die Bürger sich selbst,auch ohne "Führung" wehren,wehren müssen.Momentan wird diese Möglichkeit immer wahrscheinlicher.
Dann brauchen wir nicht lernen,was die Führungen falsch gemacht haben.Dann wissen wir, daß viel zulange gewartet,veralbert,diskutiert wurde.Wir wissen doch das ein Verhandeln, Diskutieren und Demonstrieren gegen das bestehende Gesellschaftssystem,
keine Änderung hervorruft.Eine verstärkte organisierung,zur Gegenwehr von z.B.
Volksaufstände,die,in welcher weise auch immer auftreten werden,der Regierung ist die Folge.
Soviel zur allgemeinen guten Diskussion zur DDR.
Nur muss ein Anfang gemacht werden.Und wenn es das vorläufige Ende wäre.
Soviel zu meiner Meinung.Überheblich und Anmassend bin ich bestimmt nicht,wenn ich behaupte,nicht nur die meine.

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Karsten am
Natürlich war in der DDR vieles auch gut organisiert und dem Volk ging es lange gut unter den etwas repressiven Umständen, die geherrscht haben. Letzendlich hilft es aber nicht über von den billigen Preisen in der DDR zu schwärmen, wenn man weiß, dass der Staat im Grunde bankrott war und das System zu scheitern verurteilt war.

Natürlich gibt es heute auch viel Negatives, ich bin eben gerade auf der Suche nach einer Wohnung oder einem Haus in Kassel auf http://www.immobilienscout24.de/immobiliensuche/haeuser-kaufen/hessen/kassel.htm , und ja die aktuellen Miet- und Immobilienpreise sind unglaublich, obwohl sich der Markt nach der Immoblase schon etwas nach unten reguliert hat. Die Bankenkrise ist auch eine Konsequenz des ungezügelten Kapitalismus, ich hoffe nur, dass wir aus all den Dingen gelernt haben.

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Axel am
Hallo Uwe K.
ich habe gerade bemerkt, dass ich auf einen Beitrag von Dir nicht geantwortet habe.

Also hier meine Antwort:

„Obdachlosigkeit":
Ohne festen Wohnsitz zu leben galt als "Asozial" Dafür gab es den §249.

"Kinderarmut"
Wenn Du Armut generel als relative Armut definierst, dann gab es in der DDR keine Armut. Nach dieser Definition gibt es aber auch in Somalia keine Armut. Da haben alle ganz wenig. Also ich finde: Lieber relativ arm in Deutschland als Durchschnitt in Somalia. Oder anders gesagt: Die relativ Armen in der BRD haben immer noch deutlich mehr als die relativ nicht Armen in der DDR hatten.

„Milliarden für Banken":
Was ist falsch an meiner Meinung?

Gruß Axel

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von rene am
wenn nun auch hier so viel über die DDR und was da alles im konkreten schief lief debattiert wird, warum wird dann hier eigentlich, ähnlich wie in der offiziellen Geschichtsschreibung der sogenannten BRD ständig ausgelassen, dass eine erhebliche Mitschuld am realen Leben in der DDR auch in der BRD zu suchen ist?

- Reparationszahlungen nach dem II. WK - da hat sich "der Westen" weitestgehend rausgehalten und die DDR schön für die BRD mitbezahlt - Will heute keiner mehr hören
- BRD wurde mit Marshalplan von den Westalliierten aufgebaut, auch als Speerspitze gegen den Sozialismus - Will heute keiner mehr hören
- langjährige Embargopolitik des Westens gegen die DDR - Will heute keiner mehr hören

Weitere Aufzählungen gefällig?

Das soll kein Versuch sein, die DDR-Realität einfach mal schönzureden. Nur einmal mehr die Aufforderung: Zur Darstellung der Realität ist eine UMFASSENDE und ALLSEITIGE darstellung der Verhältnisse zwingend notwendig. Sonst taugt sie nichts.

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Axel am
Hallo Schorschy,
ich habe Deinen Beitrag heute erst entdeckt, deshalb die verspätete Antwort.
- Schlechter baulicher Zustand der Schulen.
Naja, in meiner Heimatstadt wurden nach der Wende alle Schulen von Grund auf baulich saniert. War wohl notwendig. Zwei Schulen wurden neu gebaut. Eine ist gegenwärtig in Planung. Die Bibliothek der TU Dresden (damals "höchste technische Bildungseinrichtung der DDR") war in einer Baracke untergebracht. Im übrigen war die Qualität im Bauwesen in der DDR sowieso miserabel. Ich weiß wovon ich spreche.

- Schlechte Lehrmittel
Was wir an Lehrmittteln hatten war teilweise uralt. Die Ausstattung der Fachkabinette (teilweise gab es aber gar keine) war so mangelhaft wie fast alles in der DDR.

- Ideologische Ausrichtung
Du fragst wieso man andere Meinungen überhaupt zulassen sollte. Das will ich Dir sagen: Weil die einzig zulässige Meinung falsch war. Der Sozialismus hat eben nicht gesiegt. Wir befanden uns offenbar nicht in der Epoche des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus. Es gab offensichtlich doch nicht die vollkommene Einheit von Volk und Partei. Von der Sowietunion lernen war doch nicht unbedingt siegen lernen. usw. usw.

- Militarisierung
Meiner Meinung nach ist ein Staat der überhaupt nur existieren kann, wenn er seine Leute einsperrt nicht wert geschützt zu werden. Es war auch nicht so, dass nur für den Militärdienst geworben wurde (damit hätte ich noch kein Problem), die Schüler wurden zu militärischen Übungen gezwungen. Das ging schon los mit dem Handgranatenwerfen im Sportunterricht, dann Wehrkundeunterricht, der "Marsch der Bewehrung" usw.

- Inflationäre Vergabe guter Noten
Das gab es auf jeden Fall. Die Schulnoten mußten immer besser werden (wie ja alles immer besser wurde). Zum Schluss wurden schon für höchst durchschnittliche Leistungen Bestnoten vergeben. Im ganzen Abiturjahrgang hat keiner schlechter als mit 2 abgeschlossen. Das war lächerlich.
Du fragst, was schlimm daran ist seine Lernziele hart zu erkämpfen. Nichts. Aber das Gegenteil war in der DDR der Fall (jedenfalls in der Spätphase).

Gruß Axel

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Monique Djata am
Hallo zusammen,
ich finde diese Diskussion richtig und wichtig.

Das wir "Einfachen", Marx würde jetzt sagen das PROLETARIAT,
herbe Niederlagen einstecken müssen, bedeutet auch
Chance aus Fehlern zu lernen.
Und ihr Lieben das müssen wir!
Die Hauptmethode ist dabei genaustens zu
analysieren was diese Fehler waren.
Es wurde hier auf verschiedene Bücher des
REVOLUTIONÄREN WEG`es hingewiesen.
Das es sie in verschiedenen Sprachen gibt, ist ein Schatz.
Es sind die gesammelten Erfahrungen der Arbeiterklasse.
Hier werden sie verarbeitet und ausgewertet.
Das hört sich eventuell für manchen banal an,
ist mal trocken und manchmal auch schwer zu verstehen
(gerade aus der Hektik des Alltages heraus)
es ist doch so lohnenswert sich an das Werk zu machen.

Wieviel herbe Niederlagen erleben wir momentan im Kapitalismus?
Von Umweltkatastrophen, Kriegen, Not und Elend, Krankheiten,
bis hin, wer soll diese Weltwirtschaftkrise zahlen?
Arbeitsplatzverlußt, Angst um die Zukunft von uns, unseren Kindern,
Selbstzweifeln bis hin zur Selbstzerstörung.
Und warum das alles?
Fürs Kapital? Großkonzerne? Korrupte Regierungen?
Es reicht doch irgendwann! Oder?
Wir befinden uns mitten drinnen in
einer historischen Umbruchphase.

Diese Chance dürfen wir uns nicht entgehen lassen, um unserer
Erde willen!!!
Und z.B: eine Stärke der Menschen, die in der DDR
aufgewachsen sind, gelebt und gearbeitet (auch gestorben sind)
haben, ist das Zusammengehörigkeitsgefühl.
All ihre Sehnsüchte und Erfahrungen in der DDR werden gebraucht.
Das ist ein Wert, der in die Wagschale der Geschichte gehört,
im Kampf um UNSEREN echten Sozialismus.
Gemeinsam mit den Sehnsüchten und Erfahrungen der Menschen in der BRD,
Europas, der andern Länder weltweit!
Allen voran die Arbeiterklasse.
DENN: DIESE WELT muß UNSER SEIN!
PROLETARIER ALLER LÄNDER VEREINIGT EUCH!

Bis bald Monique


Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Steffen Stein am 01.08.2010 14:57
Ich bin auch ein "Ossi",
hatte eine wunderschöne Kindheit, Schule, Ausbildung,
ein erfülltes Arbeitsleben, ein gesichertes Einkommen, kein Auto, keinen Farbfernseher,musste manchmal für gewisse Dinge anstehen usw.
Politisch bin ich durch meine Mutter und den "Staatsbürgerkundeunterricht" geprägt worden, war in der FDJ und im FDGB aktiv.
Das ich später nicht Mitglied der SED geworden bin, lag an meiner frühen Erkenntnis der Widersprüche zwischen Theorie und Praxis, was zwar zum Bruch mit den "real existierenden Sozialismus" führte, aber zu keiner Zeit zu einer Abkehr von meiner kommunistischen Grundeinstellung. Im Gegenteil, um so intensiver beschäftigte ich mich vor allem mit den Werken von Marx, Engels und Lenin.

Wenn auch erst 1956 geboren, sehe meine Mitverantwortung für die Entwicklung in der DDR und hoffe, dass sich auch andere besinnen:

Schlicht und einfach - wir haben es vermasselt!

Das hat auch ganz und gar nichts mit einer Schuld zu tun und beschränkt sich nicht auf die DDR, sondern bezieht sich auch auf die internationale Entwicklung.
Aber ich will hier speziell auf unsere Entwicklung in der DDR eingehen.

Als wir im Ergebnis des 2.Weltkrieges die Chance bekamen, eine von Ausbeutung befreite Gesellschaft zu errichten, geschah das nicht aufgrund einer im Volk verwurzelten und bewussten Entscheidung für den sozialistischen Aufbau.
Der großte Teil der Bevölkerung war von Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus und den Kriegsereignissen geprägt.
Der Russe und der Kommunist waren jahrelang eingetrichterte Feindbilder.

Der Wiederaufbau vollzog sich, trotz enormer Schwierigkeiten, bis zur Erfüllung der Grundbedürfnisse und der Intaktsetzung der Volkswirtschaft recht zügig.

Aber noch während dieses Prozesses wurde die Entwicklung von im Endeffekt revisionistischer Machtstrukturen nicht verhindert. Völlig unkritisch wurden Entscheidungen der "guten Genossen" geduldet und umgesetzt. In alter Manier wurde wieder Kadavergehorsam geleistet. Geduldet wurde auch, dass Einzelne für nichts als das Aussprechen ungeliebter Wahrheiten verurteilt wurden. Wieder einmal biederte man sich bei den "Machthabern" an und erhoffte sich daraus persönliche Vorteile.

Als für die ökonomische Entwicklung entscheidendes Problem stellte sich der Umgang mit dem Volkseigentum dar.
Wie geht man mit dem - was allen gehört - um?
Welche Rolle spiele ich an meinem Arbeitsplatz?
Das eigentlich normale und notwendige Bewußtsein, dass jedes Bedürfniss erst durch seine Erwirtschaftung befriedigt werden kann, wurde teilweise völlig verdrängt und wich der kleinbürgerlichen Selbstbefriedigung.
Es wurden Erfolge gemeldet, die eigentlich keine waren! Selbst Mißwirtschaft wurde "korrigiert" bis zur Erfolgsmeldung! Und je höher die Ebene der Berichterstattung wurde, desto schöner klang alles.
Die Berichte der Medien konnte keiner mehr hören, weil sie im Gegensatz zur Realität nur so vor Schmalz trieften.

Über Sätze wie "Aus unseren Betrieben ist mehr rauszuholen" haben wir gelacht!
Eigentlich eine zynische Interpretation - oder?

Jetzt haben wir das, was wir uns erarbeitet hatten auch noch verloren!
Und das besonders Schlimme:
Jetzt kann das Kapital wieder weltweit wüten, bis sich die Menschen wieder erheben!

Geben wir unsere Erfahrungen selbstkritisch, fern von Schuldzuweisungen und Verklärungen mit auf den gemeinsamen Weg.

Sehen wir die DDR-Geschichte als ein Mahnmal dafür, wie man es nicht macht!

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