60. Jahrestag DDR

Zurück zu Diskussionsforum zum echten Sozialismus

60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Uwe.K am
Angesichts des Dauerfeuers an langen Filmen, unzähligen Fernsehbeiträgen, dicken Büchern und endlosen Berichten in den gleichgeschalteten Massenmedien mag es verwundern, dass es nach 20 Jahren immer noch sehr viele Menschen gibt, die die DDR und ihrer eigene Geschichte eben nicht so sehen, wie sie nach herrschender Sichtweise gesehen werden sollte.
Es geht nicht um "Nostalgie", "Verherrlichung" oder "Verniedlichung" - es geht um Tatsachen, Fakten und eigene Erlebnisse, welche unauslöschlich in den Köpfen und Herzen vieler sind, die sich hinstellen und sagen: "Was gab mir die DDR?" - "Was gab es in ihr nicht?"

Was gab es in ihr nicht?:

• immer Bananen, für jeden und sofort ein Auto, unbeschränkte Reisefreiheit;
• Arbeitslosigkeit, Obdachlose, Kinderarmut, Niedriglöhne, Hartz IV;
• Milliarden und Millionen für Banken und Banker, Monopole und Manager;
• 2-Klassenmedizin, Praxisgebühr, Zuzahlungen;
• Bildungsnotstand, Schulen in Not, Eliteschulen und Eliteuniversitäten;
• hohe Mieten, teurer Nahverkehr, üppige Preise für Kultur und Sport;
• Aggression nach außen, zunehmende Repression nach innen, Beteiligung an Kriegen;
usw.

Was gab es in der DDR?:

• (fast) immer Äpfel, spottbilliger Nahverkehr, FDGB-Ferienreisen fast für umsonst;
• jeder hatte eine sinnerfüllende und gut bezahlte Arbeit, Kredite für junge Eheleute (manche sogar geschenkt);
• kostenlose Gesundheitsfürsorge, Betriebspolikliniken;
• umfassende Betreuung der Kinder und Jugendlichen mit sinnvoller Lern- und Freizeitbeschäftigung;
• billige Mieten, günstige Eintrittspreise für jeden bei Kultur, Sport und Erholung;
• keine Beteiligung an irgendwelchen kriegerischen Handlungen;
usw.

Da dies alles scheinbar nicht aus den Köpfen zu kriegen ist und auch zunehmend bei vielen jungen Menschen in Ost und West Neugier erwacht, ist es unbedingt notwendig gerade ihnen von der DDR und wie man in ihr lebte, zu berichten.
Eltern und Großeltern, ihr seit Zeitzeugen, noch können Kinder und Enkelkinder von Euch hören wie es wirklich war - Aufklärung tut not!
Sagt ihnen aber bitte nicht, dass ab 1956 eh´ alles kapitalistisch war und es nichts schönes über dieses Land zu erzählen gäbe! Der Kampf vieler und manches Mal auch ihr Sterben wäre umsonst gewesen!

Wer den 3. Oktober huldigt - feiert die Konterrevolution und bebauchpinselt die Konterrevolutionäre und ihre betrogenen und irregeleiteten Mitläufer!

Wer den 7. Oktober feiert - der stößt auf die Zukunft an!

Rot Front
Uwe

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Andreas Heller am
Was es in der DDR auch gab: "Dauerfeuer[..] an langen Filmen, unzähligen Fernsehbeiträgen, dicken Büchern und endlosen Berichten in den gleichgeschalteten Massenmedien".
Wer die Geschichte des kapitalistischen Weltsystems vom ersten (England) bis zum letzten Modernisierungsregime (Nachzügler an der Peripherie, "Ostblock") aufarbeitet, dem gehört die Zukunft.
Wer weder den 3. noch den 7.Oktober feiert, hat etwas verstanden; den Ewiggestrigen wirds egal sein, Hauptsache Arbeit, Kapital, Wert, Ware, Geld, Staat, Politik...Laßt die Korken knallen.

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Paul-Alwin am
Hallo Uwe,

ich war gerade im Begriff ein Thema "60 Jahre DDR" zu eröffnen. Nun gibt es das schon, ich bin begeistert. Mit der Auflösung der DDR bin ich nun heimatlos, denn dieses Staatsgebiet war und bleibt meine Heimat. Es geht nicht darum, das alles besser war oder es nichts negatives gab. Das ist natürlich Unsinn, aber es gab vieles was ich vermisse und finde es schade, auf einiges verzichten zu müssen, was mir lieb geworden war.

Und dazu zählt: "Was gab es in ihr nicht und Was gab es in der DDR", diese Aufzählung aus deinem Beitrag brauche ich nichts hinzuzufügen. Da stimme ich vollkommen mit dir überein, wie im Prinzip den dargestellten Tenor.

Natürlich werde ich auch darlegen, wieso das so ist. Es sollte ja ein produktives Thema sein, wo ein für und wider mit dem Austausch von Argumenten versucht werden sollte den tatsächlichen Fakten so nah wie möglich zu kommen. Ich werde mich dazu in mehreren Beiträgen äußern.

Zunächts erstmal dieses Thema, daß auch du in deinem Beitrag angedeutet hast "ab 1956 begann in der DDR die Umgestalltung in einen "bürokratischen Kapitalismus". Ich sage es ganz deutlich, eine derartige Definition ist völliger Blödsinn. Ersten geht es in jeder Staatsform bürokratisch zu und zweiten fehlt die Grundvoraussetzung die ja von der MLPD immer wieder betonnt wird, nämlich die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Man kann die DDR beurteilen wie man will, aber eine Ausbeutergesellschaft war es nicht.

Mir ist schon klar, warum man so eine Formulierung von der MLPD gewählt hat, das politische System in der DDR beruhte nämlich auf den Doktrien des Marxismus-Leninismus (um den Marxismus nicht zu verunglimpfen sei hinzugefügt stalinistischer Prägung) und die SED war eine sogenannte leninistische Partei neuen Typus. Anfang der 70iger Jahre habe ich eine 1/4 jählige ein Parteischule dr SED besucht. Da hat man ausdrücklich auf der Basis des Marxismus-Leninismus die Genossen geschult. Leider habe ich dort im Gegensatz zu anderen, nicht so gut abgeschnitten. Denn offensichtlich wurde bewußt, Marx falsch interprtiert und wenn man das kundtat, hatte man den Sinn der Schulung nicht richtig verstanden, was sich dann in einem schlechteren Abschlußprädikat niederschlug. Ich spare mir mal an dieser Stelle das faktische. (Nebenbei bemerkt, ich habe als junger Mensch mit 14/15 Jahren den "Anti-Düring" und den "Ursprung der Familie" von Engels gelesen. Am "Kapital" von Marx bin ich damals gescheitert, aber das hat meine Weltanschauung bis heute geprägt.)

Fazit, der Marxismus-Leninismus stalinistischer Prägung war bis zum bitteren Ende die tragende Ideologie. Und ich war über zeugt, das so eine Ideologie als gescheitert betrachtet werden muß. Wenn ich nicht auf Grund der Bundestagswahl in der Parteienlandschaft geblättert habe und die MLPD fand. Und es stimmt, die MLPD hat im wesendlichen diese unsinnige Ideologie zur Hautstrategie erkoren. Na, dann prost-mahlzeit. Wie will sie nur damit einen einzigen "Linken" hinter dem Ofen vorlocken, aussichtslos, wie man am ideologischen scheitern der DDR sehen konnte.

Zu den wirtschaftlichen Aspekten, humanistischen Anliegen in der DDR und ihre Wirkung auf die Menschen, komme ich in anderes mal. Nur soviel, es ist falsch zu denken, die Bürger der DDR bestanden nur aus Duckmäusern und Anpasser. Das ist ein total falsches Bild.

Nachmal danke Uwe für deine geniale Idee, aus Anlaß des 60. Jahrestag der DDR eine kärende Diskusion zu eröffnen, auch wenn wir dann mal hi und da nicht einer Meinung sind. Wenn das Ziel stimmt "DDR real" muß man nicht einer Meinung sein. Bis jetzt kann ich dir, was deinen Beitrag betrifft in nichts Widersprechen.

Also bis bald.

Paul-Alwin





Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Uwe.K am
Hallo Paul-Alwin,

freut mich, dass du dich freust, weil ich mich freue, weil du dich freust :)

Spaß beiseite - schau dir doch auch mal zum Thema "bürokratischer Kapitalismus" die nun inzwischen sehr "dick gewordene" Diskussion zum Thema "DDR-kapitalistisch???" an.
Vielleicht sollten wir dort zum Thema "bürokr. Kap." diskutieren und hier uns auf die Argumente konzentrieren, die für die DDR sprechen - und für eine künftige sozialistische Gesellschaft mitnehmenswert sind und was wir unbedingt vermeiden sollten oder nicht mitnehmen, damit nicht wieder alles der Konterrevolution zum Opfer fällt.
Natürlich fällt das leichter, wenn man die Jahre ab 1956 bis 1989/90 auch "sozialistisch mehr oder weniger wertvoll", aber objektiv und sachlich diskutieren könnte. Ich glaube nicht, dass die MLPD jetzt eine "Kehrtwende" machen müßte - du hast Recht, es ist eine ihrer Hauptstrategien - und sie wird im Verlaufe ihrer Entwicklung bestimmt diese oder jene Programmpunkte schöpferisch überdenken (müssen) - wir geben als befreundete "(noch) Nichtmitglieder Denkanstöße.

Wie schon gesagt, hier sollten wir versuchen den Mamas und Papas, Omas und Opas aus der (ex-DDR) zu sagen: "Schämt Euch nicht, dass Ihr aus der DDR seit - es war ein schönes Land - redet darüber mir Euren Kindern und Enkeln! Tut Ihr das nicht, dann glauben sie den anderen "Wahrheitsbesitzern", weil ihnen dann nichts anderes übrigbleibt.

Rot Front
Uwe

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Hermann am
Hallo Uwe K.,

du wackerer Streiter für die DDR! Vielleicht würde ich ähnlich argumentieren wenn ich in der DDR gelebt hätte? Ich habe den Eindruck, dass wir bei der Beurteilung der DDR (kapitalistisch, stalininistisch/sozialistisch?) von verschiedenen Kriterien ausgehen.
Deswegen mache ich dir folgenden Vorschlag: es wäre nicht schlecht, wenn du das Buch "Sozialismus am Ende?" lesen würdest. Das Buch ist im April 1992 im Verlag Neuer Weg erschienen und bringt unsere Kritik an der Entwicklung in der DDR gut auf den Punkt. Dann hätten wir eine konkretere Grundlage für unserer Disput!

Mit revolutionärem Gruß

Hermann

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Paul-Alwin am
Hi Uwe,

ich gebe dir wiedermal recht, die Historie der DDR wiederspiegelt ein wesentlich größeren Themenkomplexe, als es an dem Ereignis 60. Jahrestag zu diskutieren. Da es für mich ein bemerkenswertes Ereignis war, wollte ich mich dazu äußern. Ich bin ja neu in diesem Forum und habe mich deshalb noch nicht mit vielen Thematiken beschäftigt.

Also was die DDR betrifft, treffen wir uns in Thema "DDR kapitalistisch???"

Die Empfehlung von Herrmann das Buch "Sozialismus am Ende" habe ich mir bestellt, die 4,60 € läßt mein HartzIV-Etat noch zu.

Der Titel ist zwar schei... auf deutsch gesagt, denn was es nicht gegeben hat kann ja nicht enden. Aber vielleicht ist der Inhalt besser als sein Titel. Da bin ich nicht voreingenommen.

Ich kann Hermann aber auch ein Buch empfehlen, das ich sehr aufmerksam und verständnisvoll gelesen habe, "Geschichte des Kommunismus und Linkssozialismus" erschienen im Dietzverlag 2002.

Also wir sehen (lesen) uns in den anderen Themen und wie ich bemerkt habe kann ich dir in vielen Aussagen nicht recht geben.

Bis gleich!

Paul-Alwin

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von rene am
Ich denke mal wir müssen uns in jedem konkreten Falle vor Überspitzungen hüten.
So ist die Aussage

"... was es nicht gegeben hat kann ja nicht enden." in Bezug auf den Sozialismus historisch nicht haltbar.

Allerdings wage ich zu hoffen, dass die Diskussion über die negativen Seiten in der DDR in dem "DDR- kapitalistisch"-Blog weitergeführt wird und in diesem hier, wie´s so schön angefangen hat, auch endlich (und leider erstmalig) auch über die positiven Seiten der DDR ausgiebig und detailliert diskutiert wird.

Es nützt niemandem von uns wenn jede neue DDR-Diskussion in spätestens dem vierten Beitrag damit "endet", dass sie ja eh bürokratisch entartet wäre und dann wieder die Diskussion über die positiven Seiten vom Tisch ist.

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von rene am

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Wolfgang am
Die Punkte

-was gab es nicht in der DDR

-was gab es in der DDR

sind als ZIELVORSTELLUNG innerhalb eines neuen Anlaufs zur Schaffung einer sozialistischen Gesellschft in Ordnung.
Ich würde sogar sagen, *lach* Bananen IMMER muß nicht sein , sie sollten aber erschwinglich und nicht pestizidbelastet sein.
Freilich würden einiger der Punkte
sicher durchfallen bei einer Prüfung durch die ehemaligen Werktätigen der DDR, undzwar als unreale Verklärung der damaligen Wirklichkeit gegen Ende der DDR-Geschichte:

zB. jeder hatte eine sinnerfüllende und gut bezahlte Arbeit, KEINE zunehmende Repression nach innen




Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Jürgen Binder am
Hallo Uwe,

die DDR, nahm historisch gesehen, sicherlich einen guten Anfang. Allein der Volksentscheid von 1946 in der damaligen Sowjetzone, und die Umsetzung und Realisierung desselbigen in der späteren DDR, legen ein beredtes Beispiel dafür ab, dass die DDR nicht nur einen antikapitalistischen, sonderen auch einen demokratischeren Anfang als die BRD vorzuweisen hat.

Galt doch zumindest 1946 der Kapitalismus, bei der Mehrheit der Deutschen, durch die nationalsozialistische Herrschaft als diskreditiert. Man wollte als definitiv eine antikapitalistische Gesellschaftsordung, ja gar den Sozialismus.

War doch eine der wesentlichen Forderungen des Volksentscheids (der nicht nur im späteren Sachsen, sonderen auch in Hessen durchgeführt wurde), die Verstaatlichung der Schlüsselindustrien und die Enteignung der Kapitalisten und Kriegsverbrecher.

Aber die amerikanische Militärverwaltung, verstand es, auch mit Hilfe von Dekreten, diesen mehrheitlichen Willen des Volkes zu unterdrücken. Und dies obwohl durch diese Politik,eindeutig ein Verstoß gegen das völkerrechtlich bindende Potdamer Abkommen darstellte.

Aber auch wenn die Anfangsjahre der DDR eindeutig positiv zu beurteilen (bis 53) gilt, muß festhalten werden, dass die DDR nicht nur von außen kaputt gemacht wurrde, sondern auch an ihren eigenen Fehlern krankte.

Gruß - Jürgen Binder

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von markus buber am
@ Rot Front Uwe

ich hab das gefühl du gehst an die ganze Sache nicht wirklich Objektiv ran! Deine "Ideologie" blendet Dich meines Erachtens....
Ist Dir die Freiheit des Menschen (Meinungsfreiheit, Reisefreiheit, etc.) so Unwichtig, dass man Sie mit Füßen treten kann/darf???
Warum eine Mauer bzw Grenze, wenn es doch im Großen und Ganzen ganz Gut war??? (Bitte jetzt nicht das Argument des Antifaschistischen-Schutzwalls, denn das Ding hat mehr Menschen am Abhauen aus der DDR gehindert als anders herum)
Der "Kapitalismus mit dem Messer zwischen den Zähnen" ist schlecht, da gebe ich Euch recht! Aber der Kommunismus kann nicht funktionieren, da der Mensch so ist wie er ist! Der Mensch nutzt seinen Vorteil wo er nur kann!!! Das wird immer so bleiben! Deswegen ist eine Traumwelt wo jeder mit jedem teilt (leider) nicht möglich!!!

P.s. Ich komme aus der ehemaligen DDR

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Petra Rocke am
"Mit der Auflösung der DDR bin ich nun heimatlos, denn dieses Staatsgebiet war und bleibt meine Heimat."

Hallo Paul-Alwin, genau das ist es! Es ist einem Dauerschmerz gleich, allgegenwärtig, dem man, man muß es sich eingestehen, derzeit hilflos ausgeliefert ist. Alles wird negiert, ignoriert, was einmal unser Leben ausgemacht hat. Es ist, als wpürde man uns unsere Vergangenheit nehmen wollen.
Lest, wenn ihr wollt meine gedanken in meinem Weblog "Reichtum und Verlust" : http://www.kommitter.de

Ich würde mich sehr freuen, mich mit Gleishgesinnten austauchen zu können.
Petra, die ganz neu hier ist

Euch allen ein gesundes Neues Jahr!

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von fritz am
Hallo Freunde!Ich möchte mal einen Gesichtspunkt ansprechen,der noch nicht vorkam hier.Der Sozialismus im Ganzen ist nicht am Ende gewesen sondern nur derjenige,der von Moskau installiert un geführt wurde.Gescheitert ist er nicht an irgendwelchen wirtschaftlichen Problemen oder am Fehlen von ein paar Freiheiten sondern an seiner Erstarrung.Es fehlte die gesellschaftliche Dynamik und das Entscheidente:wir waren vom objektiven gesamtmenschlichen Entwicklungsprozess abgeschnitten!Das Sowietsystem hatte den Kampf um die Führung in diesem Prozess verloren und mit ihm die zu ihm gehörigen Staaten des Warschauer Vertrages.Zur simplen Prüfung - alle sozialistischen Staaten,die ihre Revolution selbst gemacht haben sind noch da,auser denen die sich selbst für etwas anderes entschieden haben.

60 Jahre DDR sind 60 Jahre Identität,Vater und Mutterland,eine gewachsene Volksseele,eine Idee die sich seit 1989 dankenswerterweise mit sich selbst auseinandersetzen muß.

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Jens-Uwe am
Hallo Uwe K.

Ich finde es gut sich auch über die Zeit der DDR nach 1956 zu unterhalten und die positiven und negativen Seiten zu erörtern als Grundlage für einen neuen Anlauf zum Sozialismus.
Bereits in deiner Gegenüberstellung von dem was es gab oder nicht gab fällt allerdings auf dass du gerade auf ganz wesentliche Seiten verzichtest.

"""Was gab es in ihr nicht?:

• immer Bananen, für jeden und sofort ein Auto, unbeschränkte Reisefreiheit;
• Arbeitslosigkeit, Obdachlose, Kinderarmut, Niedriglöhne, Hartz IV;
• Milliarden und Millionen für Banken und Banker, Monopole und Manager;
• 2-Klassenmedizin, Praxisgebühr, Zuzahlungen;
• Bildungsnotstand, Schulen in Not, Eliteschulen und Eliteuniversitäten;
• hohe Mieten, teurer Nahverkehr, üppige Preise für Kultur und Sport;
• Aggression nach außen, zunehmende Repression nach innen, Beteiligung an Kriegen;
usw.

Was gab es in der DDR?:

• (fast) immer Äpfel, spottbilliger Nahverkehr, FDGB-Ferienreisen fast für umsonst;
• jeder hatte eine sinnerfüllende und gut bezahlte Arbeit, Kredite für junge Eheleute (manche sogar geschenkt);
• kostenlose Gesundheitsfürsorge, Betriebspolikliniken;
• umfassende Betreuung der Kinder und Jugendlichen mit sinnvoller Lern- und Freizeitbeschäftigung;
• billige Mieten, günstige Eintrittspreise für jeden bei Kultur, Sport und Erholung;
• keine Beteiligung an irgendwelchen kriegerischen Handlungen;
usw."""

So stellst du nicht die Frage nach der Diktatur des Proletariats und der sozialistsichen Produktionsweise als wesentliche Merkmale für jeden sozialistischen Staat. Sobald diese Merkmale nicht mehr erfüllt werden können kann es sich auch nicht mehr um einen sozialistsichen Staat handeln.
Bei dem Punkt was es nicht gegeben haben soll erwähnst du u.a. zunehmende Repression nach innen. Wie nennst du denn die Behandlung von Kritikern in der DDR, die entweder der Stasi zum Opfer gefallen sind oder in Gefängnissen landeten oder anderweitigen repressalien ausgesetzt waren ?
Ich bin mir nicht Sicher dass es in der DDR keine 2-Klassenmedizin gab. Mitte der 1980ziger jahre habe ich als Rettungswagenfahrer geearbeitet und in der zeit u.a. eine Ing. der DDR in die Rehaklinik gefahren, der sich im Westen hat am Herzen operieren lassen müssen, weil die Wartezeit für nicht SED-Mitglieder so lange dauerte das es für ihn den sicheren Tod bedeutet hätte.
Es gab wohl keine sog. Eliteschulen aber der Zugang zu höheren Schulen war bekanntlich nur FDJ bzw. Parteimitgledern möglich. Kritikern wurde der zumindest höhere Bildung verwehrt.
Diese Punkte sind zugleich auch merkmale dafür dass die Diktatur des Proletariats entweder starke schwächen aufweist oder schon nicht mehr existiert.

So weit erst mal.

schöne Grüße
Jens-Uwe

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Frank Angerstein aus Braunschweig am
Sechzig Jahre BRD
Sechzig Jahre nach dem zweiten
Weltkrieg begann in der
Nachkriegszeit in der BRD
der Aufschwung.
Das Wirtschaftswunder wurde
mit der Hilfe der USA ermoeglicht.
Es viel vom Himmel, einfach
so.Die Rosienenbomber und der
Marshall Plan brachten
Wohlstand im Nachkriegsdeutschland.
Kein Wort ueber die Reparations
Zahlungen der DDR an die
Sowjetunion,die durch den
Hitler Faschismus gelitten
hatten.Die junge DDR musste
auf eigenen Fuessen stehen.
Von der Sowjetunion war nichts
zu erwarten.Zu schwer hatte
es diese getroffen und die
DDR konnte davon nicht
profitieren
Sie musste es aus eigener Kraft
schaffen und noch ihre eigene
Wirtschaft in Gang setzen.
Keine Care Pakete auf das
Territorium der DDR.
Keinen Marshall Plan fuer die
DDR.
Sie schaffte es aus eigener
Kraft und setzte somit Zeichen
fuer den Sozialismus auf
deutschen Boden.
Dennoch wurde der kalte Krieg
zu einer Extrembelastung fuer
die junge DDR
Der Antikommunismus des
Imperialismus duldete keinen
sozialistischen Staat auf
deutschen Boden.
Roll the Back,hieß das Zauberwort.
Dennoch hielt die DDR trotz
massiver Angriffe des Westens
ihre Eigenstaendigkeit stand,
Es reichte.Es musste etwas
gefunden werden um das ausbluten
der DDR zu verhindern.
Die Grenze wurde gezogen und
beendete die Aggressionen
des Imperialismus.
Man fand sich munmehr ab mit
der Teilung in der BRD.
Die Einfuehrung der D Mark
durch die Adenauer Clique
wurde die Spaltung Deutschlands
vollzogen.
Nicht die SED traegt dafuer
die Verantwortung,sondern
die agressivsten Kraefte
des Nato Imperialismus.
Auf dieses Nato Buendniss
folgte dann auch die Antwort.
Der Warschauer Vertrag.
Sie Spaltung war nun umumkehrbar
geworden.
Erich Honecker brachte es
auf den Punkt:
Zitat:"Die Mauer wird solange
bestehen bleiben,bis die
Ursachen beseitigt sind,die
zu ihrer Errichtung gefuehrt
haben." Zitat Ende.
Doch die Wirtschaft der DDR
ging schnell voran.
In den Siebzigern wurde ein
beispielloses Wohnungsbau
Programm durchgeguehrt,dass
vielen Menschen eine guenstige
Wohnung ermoeglichten.
Das ist auch der Verdienst
von Erich Honecker.
Vieles wurde voran gebracht
und die DDR begann zu leben.
1983 begannen die Imperialisten
eine neue Eskalation,
Der Nato Doppelbeschluss;
heizte den kalten Krieg weiter
an.
"Jetzt erst Recht fuer den
Frieden" so Erich Honecker
damals.
Auf jeden Fall ist die
DDR nicht daran gescheitert,
dass sie den Mut und die
Entschlossenheit hatte,
Leistungen zu vollbrigen,
die nur im Sozialismus
moeglich sind,sondern an
der Unfaeigkeit such andere
mit in diesen Prozess einzubeziehen
Dies ist ein Defizit.

Sechzig Jahre BRD.
Arbeitslosigkeit,soziale
Kaelte,Ausbeutung,Hartz IV
und die Ausgrenzung vieler
Millionen Menschen,die an
den Rand dieser Gesellschaft
gedrueckt werden
Ganz zu schweigen, dass
wenige hier fuer ihre Faulheit
und Arroganz Millionen von
Abfindungen erhalten und
Arbeitsplaetze vernichten.
Menschen die in der ehemaligen
DDR Leistungen erbracht haben
und jetzt nichts mehr wert
sind.

Ergo,der
Kapitalismus ist falsch
Dieses System ist falsch.

Und dies ist meine Ueberzeugung.

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Karsten am
@markus buber

"@ Rot Front Uwe

ich hab das gefühl du gehst an die ganze Sache nicht wirklich Objektiv ran! Deine "Ideologie" blendet Dich meines Erachtens....
Ist Dir die Freiheit des Menschen (Meinungsfreiheit, Reisefreiheit, etc.) so Unwichtig, dass man Sie mit Füßen treten kann/darf???
Warum eine Mauer bzw Grenze, wenn es doch im Großen und Ganzen ganz Gut war??? (Bitte jetzt nicht das Argument des Antifaschistischen-Schutzwalls, denn das Ding hat mehr Menschen am Abhauen aus der DDR gehindert als anders herum)
Der "Kapitalismus mit dem Messer zwischen den Zähnen" ist schlecht, da gebe ich Euch recht! Aber der Kommunismus kann nicht funktionieren, da der Mensch so ist wie er ist! Der Mensch nutzt seinen Vorteil wo er nur kann!!! Das wird immer so bleiben! Deswegen ist eine Traumwelt wo jeder mit jedem teilt (leider) nicht möglich!!!

P.s. Ich komme aus der ehemaligen DDR"

Und das soll bedeuten... was? Immer weiter so! Oder wie?

Genau aus diesem Grunde sagen die Klassiker muß sich die Arbeiterklasse als solche erkennen, sprich Klassenbewußtsein entwickeln und als Klasse handeln!
Ich weiß es ist in der heutigen gesellschaftlichen Praxis schwer vorstellbar, aber es muss zeitweilig in verschiedenen sozialistischen Staaten ansatzweise schon funktioniert haben!

Auch ich bin ein Kind der DDR Jahrgang '68.

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Mike am
Hallo
bin eher zufällig hier gelandet sprich kein Kommunist.
Ihr setzt euch meiner Meinung nach nicht komplett mit der Ex DDR auseinander.

Wenn doch ein System so toll ist, wieso sind denn die Menschen zum "kapitalistischen Aggressor" "übergelaufen", haben da nicht die Menschen mit ihren Füßen abgestimmt?

Wo bleibt der 17. Juni Erhöhung des Arbeitssoll ohne Lohnanpassung, heute heißt das Lohndumping, ist aber min. ähnlich.

keine Aggression?
s.o.
aus Wiki:...Die Nationale Volksarmee der DDR nahm an der Besetzung nicht teil, allerdings standen zwei ihrer Divisionen an der Grenze bereit. Nur etwa 30 Soldaten einer NVA-Nachrichteneinheit weilten auf Grund der Militäraktion im Führungsstab der Invasionstruppen auf dem Truppenübungsplatz Milovice...
http://de.wikipedia.org/wiki/Prager_Fr%C3%BChling#Einmarsch_der_Truppen_der_Warschauer-Pakt-Staaten

Afghanistan? ohne UN Mandat
StellvertreterKriege von beiden Seiten USA u UDSSR

Haben nicht die Bürger selbst zum Ende der DDR geführt?
Ich war leider erst 95 auf dem Boden der Ehemaligen DDR, ich fand es sehr rückständig, massiv verschmutzt, die Menschen empfand ich als genauso normal wie bei den "Wessis" nur waren die "Ossis" einfalls und erfindungsreicher (selbstgebaute Radios usw)

Ich bin froh das es die Wiedervereinigung gegeben hat.

gruß Mike

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Petra am
"Gescheitert ist er nicht an irgendwelchen wirtschaftlichen Problemen oder am Fehlen von ein paar Freiheiten sondern an seiner Erstarrung."

Betrachtet es mal von einer ganz anderen Seite - "gescheitert"? - Woran?

Bitte lest mal von Daniele Gnaser die wiss. Arbeit: "NATO Geheimarmeen in Europa" - Dadurch und nur dadurch sind die soz. Länder kaputtgegangen. Stay behind Armeen haben das 40 Jahre lang systematisch vorbereitet, Unmengen von Geld dafür ausgegeben. Es gibt immer und überall käufliche Subjekte, die alles tun, wenn die Summe stimmt.

Natürlich wurden Fehler gemacht, das bestreitet niemand Aber: geht die westliche Welt etwa an ihren Fehlern kaputt?

Die Pro-Kopf Verschuldung in der DDR war einiges niedricger als zum selben Zeitpunkt die in der BRD. Ist die Bundesrepublik etwa Pleite gegangen?

"Die Bürger selbst"?
Ja, die von den Stay behind Armeen gekaperten. Habt ihr mit offenen Augen und Ohren wahrgenommen, was auf der Welt geschah nach Einverleibung der DDR? - Nach ganz genau demselben Schema wurden andere Länder mit pro-westlichen Regierungen bestückt.
Pezra

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Uwe.K am
lesens- und überlegenswert zu:

- DDR sozialistisch?
- Mauer
- Staatssicherheit
- Irrtümer und Fehler

http://www.jungewelt.de/2010/01-26/007.php

Grüße von Uwe

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Hermann Rupp am
Liebe Petra,

bei allem Verständnis für dein Bemühen, "Dein" Land DDR "rehabilitieren" zu wollen kann man dieses aber auch übertreiben! Ein Land in welchem der Sozialismus fest in den Massen der Wertätigen verankert ist kann nicht durch äußere Einflüsse zerstört werden.
Trotz Westfernsehen, westlich-kapitalistischer Hetzsender, "Stay behind" Armeen, trotz Sabotage und aller fortwährenden antikommunistischen Hetze geht ein Gesellschaftssystem mit einer auf Vertrauen basierenden Massenbasis im Innern NICHT dadurch kaputt. Äußere Widersprüche, Gegensätze (um in der wissenschaftlichen Ausdrucksweise zu bleiben) können den Aufbau des Sozialismus erschweren aber ausschlaggebend für die Existenz eines Landes sind sie nicht! Erst wenn sich die unvermeidlichen INNEREN Widersprüche zu antagonistischen Widersprüchen entwickeln besteht die Gefahr, dass negative Wechselbeziehungen zwischen der inneren Situation und äußeren Einflüssen entstehen, welche eine konterrevolutionäre Entwicklung fördern und beschleunigen können.
Mit anderen Worten: wenn wie in der DDR der hoffnungsvolle Beginn des sozialistischen Aufbaus durch die Schuld einer konterrevolutionären Partei,- Staats- und Wirtschaftsbürokratie sabotiert wird und der Sozialismus nur noch nominell existiert, ist das System im Inneren so verfault und morsch, dass der Übergang zum westlichen Privatkapitalismus unvermeidlich ist. Die Konterrevolution in China durch eine revisionistische Funktionärsclique, verlief ähnlich. Die alles entscheidende Frage ist und bleibt, ob die Partei bzw. der Sozialismus eine stabile Massenbasis besitzt oder nicht. Ob der demokratische Zentralismus im wesentlichen funktioniert oder nicht.
Eine wichtige Frage für die Zukunft ist: was lernen WIR daraus? Auch und gerade weil für jeden die Kritik an dem Land das seine Heimat war, schmerzhaft ist, MÜSSEN wir für den notwendigen neuen Anlauf zum Sozialismus entsprechende Konsequenzen ziehen!

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Petra Rocke am
@Hermann Setz mal Deine Farbbrille auf - Du siehst ja alles nur schwarz-weiß! Wenn nicht, dann träum weiter. Auf der Basis kann und will ich nicht diskutieren.
Petra

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Petra Rocke am
Ergänzung:
Aus der Ferne die DDR einschätzen wollen ohne dort gelebt zu haben - welch Arroganz und Überheblichkeit!

Niemand, der anfangs zur Montagsdemo ging, wollte die DDR an sich abschaffen. Man wollte Fehler korrigieren, wollte wieder mehr Nähe zwischen Regierung und Volk, wollte so manches einfach verbessern, wieder in die richtige Richtung bringen.

Doch dann, das lesen wir bei Marx - schwappte alles in eine andere Richtung, weil es Kräfte gab, unvorhersehbare, in den Reihen des Volkes, in den Reihen der eigenen Regierung und, nicht zu vergessen die Rolle Gorbatschows und Schewardnadses, die dann das Abtriften in eine vollkommen andere, nicht beabsichtigte Richtung kippen ließ - nämlich in die Einhait Deutschlands.

Danch lief alles nach Protokoll...

Nein, Hermann, beim besten Willen, es wird definitv nichts mit einer Umarmung. :(

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Gerd am
Lieber Hermann!
Deiner Argumentation ist nicht wirklich einfach zu folgen. Konnte der Beginn des sozialistischen Aufbaus in der DDR „durch die Schuld einer konterrevolutionären Partei,- Staats- und Wirtschaftsbürokratie sabotiert“ werden? Wurden denn nicht diese Partei,- Staats- und Wirtschaftsführer von „einer stabilen Massenbasis“ gewählt? Schon die Pariser Kommunarden meinten: „Es ist Aufgabe des Volkes seine Kandidaten zu kennen.“ Die Vorstellung, dass in einem sozialistischen Land Betrügern und Konterrevolutionären die Führung übertragen wird, finde ich nicht logisch. Hat nicht vielmehr die Kontrolle der Partei,- Staats- und Wirtschaftsführer durch das Volk und die Parteimitglieder versagt?
Es ist doch zumindest denkwürdig, dass nach dem Tod der Parteivorsitzenden in China wie in der UdSSR in einem historisch winzigen Augenblick der Sozialismus verraten wurde. Nach Jahrzehnten sozialistischen Aufbaus und in China nach einer erfolgreichen Kulturrevolution. Wie kann das geschehen, wenn bis zu dem Zeitpunkt eine stabile sozialistische Massenbasis bestand und der demokratische Zentralismus im wesentlichen funktioniert? Also Sozialismus herrschte. Sind Millionen sozialistisch erzogener Menschen wirklich von einer Handvoll Konterrevolutionären so leicht und so schnell zu übertölpeln?
Deine Argumentation lenkt m.E. von dem wirklichen Problem ab. Saboteure und Konterrevolutionäre, auch in den eigenen Reihen, wird es immer geben. Es gab sie natürlich auch in der DDR und sie haben ihren Anteil (auch an der Schuld) an der Entwicklung des Staates. Aber müssen sich nicht auch die Parteimitglieder, die Bürgerinnen und Bürger in der DDR, an die eigene Nase fassen? Sind nur mal wieder „die Anderen, die Oberen“ schuld? Das ist m.E. die wichtige Frage für die Zukunft. Unter diesem Blickwinkel kann uns die Ausgangsfragestellung von Uwe weiter helfen.
Gruß Gerd

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Wolfgang graupner am
Hallo Gerd,
zum ersten mal beteilige ich mich an einem Forum. Du sprichst mir aus dem Herzen, nicht ständig mit den Fingern auf die da Oben zeigen. Kritik muß immer allumfassend sein. Sich selbst zu betrachten ist allerdings der schwierigere Part. Das stellvertretende überwinden und zum Aktivposten werden, der einfach ehrlichere und treffsichere Weg der Erkenntnis.
Hauptwidersprüche Nebenwidersprüche erkennen. Nicht verdammen, erkennen was war falsch, warum konnte die DDR nicht mehr bestehen? Manche Erkenntnis mag schmerzen, so mancher Schmerz kann Hilfreich (auch bei mir) sein und den Neuanfang erst ermöglichen. So mancher Ausdruck der für das Scheitern des Sozialismus gebraucht gefällt mir nicht, wesentlich für mich ist wie, mit wem wagen wir es einen neuen, echten Sozialismus aufzubauen, wie erreichen wir die Menschen (Massen)? Denn die Befreiung der Arbeiter kann nur das Werk der Arbeiter sein... Aus dem Vergangenen lernen um die Zukunft zu gestalten. Lernen und kämpfen, die Geschichte studieren und die richtigen Schlußfolgerungen für unsere gemeinsame Zukunft ziehen.
Gruß Wolfgang

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Frank Schmidt am 26.04.2010 17:34
Hallo Leute,
bevor man über die DDR diskutiert, muss man folgendes ganz klar erkennen: die DDR ist einzig und allein an den auf dem Kopf stehenden ökonomischen Bedingungen gescheitert. Nach Marx kann der Sozialismus nur im produktivsten Teil der Welt beginnen. Ihn in der ökonomischen Wüste zu beginnen, wie 1917 in Russland oder 1945 in Ostdeutschland, war auf Dauer (!) gesetzmäßig zum Scheitern verurteilt, "ein Sturm im Wasserglas", wie Karl Marx es nannte.

Alleine vor diesem Hintergrund kann man die DDR betrachten - und muss vor den Leistungen der Kommunisten den Hut ziehen. Doch leider gibt es kaum Menschen, die die ökonomischen Gesetzmäßigkeiten erkennen und statt dessen lieber auf einzelnen Genossen herumreiten. ...

Frank

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Paul am 27.04.2010 21:44
Die proletarische Revolution reift aber auch dort am schnellsten, wo die Widersprüche am größten sind, die Ausbeutung am schärfsten zu Tage tritt und die Menschen nicht mehr so leben wollen und können wie bisher. Diese Situation bestand im zaristischen Russland, dass zum großen Teil noch bäuerlich und erst wenig industiealisiert war. Den Zeitpunkt, wann eine revolutionäre Situation heranreift, kann man nicht genau bestimmen und auch Marx/ Engels haben sich hier nicht festgelegt. Es ist wichtig, die jeweilige Lage genau zu analysieren, um im gegebenen Augenblick entscheiden zu können und nicht den Kopf zu verlieren. Lenin konnte dies mit äusserstem Scharfsinn. Er hat mit dem Heranreifen der Revolution alle wichtigen und entscheidenden Fragen zum entsprechenden Augenblick auf den Punkt gebracht und zukünftige Entwicklungen mit ziemlicher Genauigkeit vorhergesagt. Damit hat er die marxistische Lehre wesentlich bereichert.
Er ging davon aus, dass in den entwickelten kapitalistischen Ländern nach dem Ausbruch der Oktoberrevolution revolutionäre Situationen rasch heranreifen. Er konnte das Kräfteverhältnis zwischen Bolschewiki und Menschiwiki, als auch die kriegerischen Interventionsstaaten die die junge soz. Sowjetunion vernichten wollten, präzise einschätzen und zog den Schluss, durch Taktieren die Angreifer aufhalten, um der Bevölkerung Atempause zu verschaffen, Zeit zu gewinnen und Opfer zu vermeiden. Die vielfältigen Probleme, die sich während einer solchen Situation auftun, sind ausserordentlich kompliziert und mannigfaltig. Sie sind mit "normalen" Zeiten wahrscheinlich nicht zu vergleichen. Dazu noch die Größe dieses Landes... Lenin hat gezeigt, dass die Art und Weise, wie eine Partei entscheidet über Sieg oder Niederlage verantwortlich ist.
Ob eine soz. Revolution von Dauer ist oder nicht, kann kein Mensch vorhersagen, aber die Erfahrungen der Geschichte bewusst verarbeiten und die Erkenntnisse daraus weiterzuentwickeln, sind wesentliche Voraussetzung um die Rev. erfolgreich zu führen, Fehlentwicklungen rechtzeitig zu erkennen und zu korrigieren. Das Leben ist ein stetiger Erkenntnisprozess und die Bedürfnisse der Völker Triebkraft der gesellschaftlichen Entwicklung. Die Völker selbst werden letztendlich entscheiden und aus ihnen werden die Helden geboren.

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Gabriel Seiffert am
Haben die Demonstranten in der DDR nicht die "Internationale" gesungen?

MFG Gabriel Seiffert

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von rene am
@ Gabriel Seifert:

manchmal schon

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Michael am
faust zum gruß genossen,
wisst ihr davon, das es damals in der DDR die KPD/ML sek. DDR gab und dort gearbeitet hat, und dort eine eigene zeitung 'Roter Morgen' herausgab? interessant, nicht wahr? eine kommunistische aktion in der DDR spricht schon für sich 8ohne jetzt auf die klassiker einzugehen). Ich glaube die MLPD weiß über diese 'sektion' etwas zu berichten.

sicherlich, die KPD/ML gibt es nicht mehr. aber die aktion in der DDR war eine echte 'meisterleistung', die sehr viel abverlangte.

Michael. B.

Re: 60. Jahrestag DDR

Abgeschickt von Frank am
Paul: "Ob eine soz. Revolution von Dauer ist oder nicht, kann kein Mensch vorhersagen"

Das widerspricht etwas deinen Ausführungen davor über Lenin. Da niemand aber in die Zukunft sehen kann, kann natürlich auch niemand überhaupt etwas vorhersagen. Aber so, wie man beim fallenden Apfel im Herbst eine Wahrscheinlichkeit angeben kann, so kann man selbstverständlich auch bei Revolutionen den dauerhaften Sieg oder die Niederlage vorhersagen. Lenin sagte kurz nach der Oktoberrevolution: "Die russische Revolution hat ohne eine Revolution in Westeuropa keine Chance." Wäre es in Westeuropa zu einer Revolution gekommen, dann wäre das Kräfteverhältnis zwischen Sozialismus und Kapitalismus genau umgedreht gewesen - und der Sozialismus/Kommunismus hätte - soweit man überhaupt vorhersagen kann - global gesiegt.

Lieber Paul, du hast ja völlig recht mit Lenin, nur fehlt mir etwas der Bezug zur Gegenwart. Sagen wir es mal so: Marx hat das "Warum" erklärt, Lenin das "Wie". Und dass Lenins Revolution ihre Kraft aus dem Weltkrieg gezogen hat, sollten wir auch nicht vergessen, so dass wir für uns nur einen Teil der Lehren der Oktoberrevolution übernehmen können. Und gehen wir noch weiter ins Detail, dann haben wir auch keine Sowjets, sondern "nur" den DGB bzw. die Industriegewerkschaften. Unser Sturm auf das Winterpalais wird wohl die Form eines politischen Generalstreiks haben. Aber das sind alles Probleme vom morgen.

Betrachten wir die derzeitige deutsche Arbeiterklasse, dann steht auch gar nicht das "Wie mache ich eine Revolution" im Vordergrund, sondern das Warum. Und damit wären wir eigentlich wieder bei Marx: Wertgesetz, Mehrwertproduktion, Mehrwertverteilung, Konkurrenzkampf,Verelendung etc. Die absolut gesetzmäßige und durch keinen bürgerlichen Politiker verhinderbare Verelendung der gesamten Arbeiterklasse müssen wir den Arbeitern und Angestellten ins Bewußtsein bringen mit dem alleinigen Ausweg der Vergesellschaftung der Produktionsmittel. Wenn dieses Wissen breite Schichten der Arbeiterklasse erfasst hat, erst dann können wir das Wie in Angriff nehmen, das ich oben schon angedeutet habe.
Sofort antworten
URLs werden automatisch verlinkt. Grundlegendes HTML ist erlaubt.
Vorname
Nachname
Soll nur Ihr Vorname im Forum erscheinen klicken Sie hier:
E-Mail Adresse (Diese bekommt nur der Moderator für eventuelle Fragen)

 
(Erforderlich)
Enter the word
Auf Basis von Ploneboard
Historie
Aktivieren durch mkoeln um 06.10.2009 23:31
Artikelaktionen

Literaturtipps

Lehren aus dem sozialistischen Aufbau in der Sowjetunion

Sozialismus Immer mehr Menschen kritisieren das kapitalistische System grundsätzlich und suchen nach einer gesellschaftlichen Alternative. Der Sozialismus gewinnt in dieser Diskussion wieder an Ansehen.

Mehr...

Sozialismus im Brennpunkt

sozialismus

Weltweit rückt der Sozialismus wieder in den Brennpunkt der Suche nach einer Zukunft jenseits des Kapitalismus. Die Sehnsucht nach einer Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung wird allem Gegenwind zum Trotz lebendig.

Mehr…

 
Entwickelt durch Mediengruppe Neuer Weg   powered by Plone   Kontakt: info@mlpd.de